The Turkey Curse
fukamis terror chatroom

Battle of the Bands

Setting Orange, 66th Bureaucracy, 3172.

Im Allgemeinen binde ich ja eher keine YouTube-Filmchen ein. Aber in dem Fall muss ich mal ‘ne Ausnahme machen: Battle of the Bands =)

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Auf den Schultern von Giganten

Sweetmorn, 8th Discord, 3172.
Music fukami 86048 3 Comments | Trackback URI

In einem Gespräch mit Jens am heutigen Tage, dessen Auslöser eigentlich der unsägliche Artikel im Spiegel über Grup Tekkan und ihren ach so schlimmen “geistigen Diebstahl” von Text und Musik war, und in dem es um die Entwicklung menschlichen Wissens ging, hat er mich auf ein sehr schönes Gleichnis hingewiesen, dass genauso gut auf die Entwicklung menschlicher Kultur im Allgemeinen und im Speziellen zutrifft. Ich bemühe dafür mal etwas ausführlicher die Wikipedia:


Das Gleichnis von den Zwergen auf den Schultern von Giganten (auch: auf den Schultern von Riesen) bezeichnet die Charakteristik wissenschaftlichen Arbeitens: Die Giganten sind die früheren Wissenschaftler, auf deren Schultern Generationen späterer Wissenschaftler ihre Forschungsarbeiten aufbauen; es soll Bewusstsein für die Vorleistungen anderer schaffen.

Ein Ausspruch, der in der Regel irrtümlich Isaac Newton (1643-1727) zugeschrieben wird:

If I have been able to see further (than you and Descartes), it is because I have stood on the Shoulders of Giants (Wenn ich weiter sehen konnte (als du und Descartes), so deshalb, weil ich auf den Schultern von Giganten stand. Brief an Robert Hooke, Feb. 5, 1675/76).

Man kann das Gleichnis Auf den Schultern von Giganten auch auf Bernhard von Chartres um 1130 zurückführen, der dabei angeblich ein Zitat von Lucan aufgriff:

Pigmaei gigantum humeris impositi plusquam ipsi gigantes vident. (Auf die Schultern von Riesen gestellte Pygmäen sehen mehr als die Riesen selbst.)

Der genaue Weg der Überlieferung dieses Zitats ist nicht mehr feststellbar. Sein Ursprung war mutmaßlich der antike Mythos von Kedalion, der auf den Schultern des blinden Riesen Orion saß und ihn führte. Didacus Stella griff das Zitat im 16. Jahrhundert auf. Robert Burton (1577-1640) zitierte Didacus Stella im 17. Jahrhundert und formulierte:

Though there were many giants of old in physics and philosophy, yet I say with Didacus Stella, ‘A dwarf standing on the shoulders of a giant may see farther than a giant himself;’ I may likely add, alter, and see farther than my predecessors […].(Obwohl es früher viele Giganten der Physik und Philosophie gab, halte ich es doch mit Didacus Stella: „Ein Zwerg, der auf den Schultern eines Giganten steht, wird weiter sehen können als der Gigant selbst“; ich könnte wahrscheinlich etwas hinzufügen, ändern und weiter sehen als meine Vorgänger […]. Anatomy of Melancholy, 1621)

[…]

Friedrich Schiller verwendet in der Xenie _Kant und seine Ausleger_ ein verwandtes Gleichnis:

Wie doch ein einziger Reicher so viele Bettler in Nahrung / Setzt! Wenn die Könige baun, haben die Kärrner zu tun.

Auch Eric Steven Raymond verwendet das Gleichnis und bezieht es auf die Hackerkultur:

Offensichtliche Parallelen zur Geschenkkultur der Hacker […] gibt es in der akademischen Welt sehr viele. […] die wissenschaftliche Forschung [beruht] wie die Hackerkultur auf der Idee […], daß die Teilnehmer ‘auf den Schultern von Riesen stehen’, also nicht immer wieder von vorne anfangen müssen, um die grundlegenden Prinzipien selbst zu erarbeiten” (aus Homesteading The Noosphere).

Hal Abelson, Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT), wird folgende Variante des Gleichnisses zugeschrieben. Sie drückt auf amüsante Weise aus, dass Wissen und Wissenschaft auch immer wieder hinterfragt werden müssen, um wissenschaftliches Neuland betreten zu können und Dogmen zu vermeiden:

If I have not seen as far as others, it is because there were giants standing on my shoulders. (Wenn ich nicht so weit sehen konnte wie andere, so deshalb, weil Giganten auf meinen Schultern standen.)

[…]


Jedenfalls finde ich persönlich, dass es vollkommener Unsinn ist, sich über “Urheberschaft von Musik”, zumal wenn es solche Lala ist, Gedanken zu machen. Kopieren und Nachmachen ist nun einmal Teil unserer Kultur, und es lässt sich im Kern nicht mehr feststellen, wer oder was _tatsächlich_ die Source eines Stückes, einer Melodie, eines Beats, ist. Jeder Künstler fügt unserer Kultur seinen Teil hinzu, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Selbst Musiker wie Bach, Beethoven, Miles Davis, Roy Orbison, Herbie Hancock oder Afrika Bambataa haben ja ihre Musik nicht im luftleeren Raum entwickelt, sondern konnten sich auf eine hunderttausende Jahre währende und nicht abgeschlossene Entwicklung beziehen von dem, was den Menschen vom Tier unterscheidet: Die Benutzung von teilweise hochkomplexen Klangerzeugungs-Werkzeugen zur Erheiterung, zur Öffnung des Herzens oder zum Ausdruck von Schmerz, Zorn und Sehnsucht.

Wenn jetzt auf so ein paar Jungs rumgehackt wird, die sich ihre, auch digitalen, Umwelt bedienen, dann kann ich nur sagen: Sechs, setzen, Spiegel. Der Versetzung wird nicht stattgegeben. Ihr seid mit eurem “investigativem Journalismus” nicht nur keinen Deut besser als diese verlogene Musikindustrie, nein, ich finde euch noch wesentlich unerträglicher, weil die Motive der Industrie zwar verwerflich, aber zumindest klar sind. Ihr aber tut so, als hättet ihr irgendwas verstanden, und das, mit Verlaub, habt ihr wirklich gar nicht.

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Bagatellen

Sweetmorn, 8th Discord, 3172.
Music fukami 76561 1 Comment | Trackback URI

Zum Zweites Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft (Zweiter Korb):

Wenn ein ganzes Volk fortgesetzt dieselbe angebliche Straftat zu begehen scheint und in 99% aller Fälle sowieso keine Verfolgung stattfindet, warum ist das dann überhaupt eine Straftat? Nennt man das dann nicht _Kultur_?! Nun, wenn ich sowieso keine Privatkopien mehr anfertigen kann, weil ich dafür Kopierschutzmechanismen umgehen müsste, warum sollte ich dann verpflichtet werden können, irgendwelche Pauschalabgaben auf CDs und Festplatten bezahlen?

Die ganze Sache stinkt eiinfach nur ganz gewaltig aus dem Mund!

PS: Ja, ich weiss. Ich werfe grade alles durcheinander. Aber ich bin Blogger, kein Journalist und darf das :)

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Was ist nur mit unserer Jugend los …

Setting Orange, 38th The Aftermath, 3171.

… wenn auf das Erklingen von _London Calling_ der Spruch kommt: “Das kenn ich! Das ist das Lied vom Spreeblick-Podcast!”

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Botten Vol. 2

Setting Orange, 28th The Aftermath, 3171.

Die Jungs von ddgraff zeigen am Samstag, dem 19. November die Premiere des zweiten Teils von Botten. Neben dem Film werden Bronce T., Tiny und Credit00 an den Decks stehen, dazu gibt es eine bestimmt wieder tolle Diashow. Das Ganze findet in der Schleife 9 im Industriegelände statt und kostet 5 Euro Eintritt. Ein echter Partyspass für ganze Familie, zu dem ich wohl leider leider nicht dabei sein kann :-(

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Sternenzeit Pungenday, 26th The Aftermath, 3171

Pungenday, 26th The Aftermath, 3171.

Nach eineinhalbwöchigen stabilisierendem Orbits und kurzen Tests war es vorgestern soweit: Aussenmission mit direktem Kontakt zu den Bewohnern dieses seltsamen Planetens. Als Allererstes ist mir deren seltsame Ernährung aufgefallen. Sie nehmen verschiedenfarbige Getränke mit teilweise extrem hohen Anteil an Ethylalkohol zu sich, aus dem sie scheinbar all ihre Energie beziehen. Dazu konsumieren sie getrockene Pflanzenbestandteile, die sie verbrennen und dann inhalieren und Pulver verschiedener Farbe und Konsistenz. Unsere Lehrbücher sind eindeutig falsch was ihre Physis, ebenso was die weiteren Spezifikationen angeht. Ich konnte grob wenigstens 5 verschiedene Spezies ausmachen, wobei die des lautstarken Kurzhaar-Hände-in-die-Höhe-Reissers den zahlenmässig dominierenden Teil auszumachen schien. Mir ist allerdings unklar, ob das eine örtliche Besonderheit ist. Ich hatte nicht genug Zeit um das abschliessend heraus zu finden.

Meine interessantesten Beobachtungen machte ich an einem Ort, den diese Wesen “Beckstäitsch” nannten (wenn ich deren Lautmalerei richtig interpretiert habe). Dort gab es Unmegen der erwähnten Getränke und dazu eine Vorichtung, auf der zwei oder mehr dieser Wesen ohne Probleme ausgestreckt Platz nehmen konnten und mit der gestreiften Haut einer Spezies verziert war, die eindeutig nicht von diesen Planeten stammt. Mir kam sofort in den Sinn, dass diese Wesen entweder selbst die Sterne bereisen können oder vorher schon Kontakt zu anderen Sternenfahrern hatten. Und tatsächlich: Ich traf einige dieser Sternenfahrer, die sich mir sofort zu erkennen gaben. Zwei von ihnen, die sich “The Black Fu” und “Mr. O” nannten und meiner Meinung nach zumindest irgendwann einmal in Kontakt zu den Drexianern gestanden haben müssen, wurden mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht. Sie wurden auf eine Erhöhung positioniert und setzen dort hochmodernen psychoakustischen Wellenpartikelerzeuger ein. Fast alle dieser Wesen fingen plötzlich an, sich wie von Zauberhand zu bewegen. Ich war von der Wirkung dieser Waffen sehr beeindruckt, auch wenn sie für mich im Kern natürlich nichts Neues waren, sondern nur eine Weiterentwicklung des Bekannten.

Nach einer Weile habe ich mich, man möge mir verzeihen, dazu hinreissen lassen, deren Ernährungsgewohnheiten zu similieren, da ich sonst irgendwann aufgeflogen wäre — was ganz sicher nicht im Sinn der Mission gewesen wäre. Leider hatte ich aber die für Aussenmissionen vorgeschriebenen Neutralisatoren vergessen, was sich in starkem Kontrollverlust und bizzaren mentalen Veränderungen äusserte. Bei Rückkehr ins Raumschiff Robotron habe ich sofort die Standardprozeduren zur Reinigung durchgeführt und verflüssigte Ilex Paraguayensis zu mir genommen, was mir sichtlich gut getan hat.

Abschliessend ist zu bemerken, dass ich viele der Angewohnheiten der Spezies dieses Planeten nicht verstehe, aber ausdrücklich sagen muss, dass ich eine sehr grosse Symphatie für sie besitze.

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Detroit Grand Pubahs over Saxony

Setting Orange, 23rd The Aftermath, 3171.

Detroit Grand Pubahs

Wenn es eine mitreissende Performance gibt die sich gewaschen hat dann ist es die der Detroit Grand Pubahs. Wer mal Paris The Black Fu aka Offbeat Killer aka Nurse Hearse aka Plasticene Gene aka The Schizofrenic Brainchild of Funkno erlebt hat wird nie wieder sagen, dass elektronische Livemusik nur langweiliges und unsinnliches An-Knöpfen-Geschraube ist.

Detroit Grand Pubahs sind bekannt geworden durch ihre Singleauskopplung Sandwiches (”I know you wanna do it …”), die es sogar in die Billboard und UK Dance Charts geschafft hat. Wer jetzt denkt, dass es sich um den üblichen Dorfbums-Techno handle irrt gewaltig. Spätestens Galactic Ass Creatures From Uranus, der letzte hochenergetische Longplayer, hat gezeigt, wie eine Melange aus Funk, Booty, Elektro, Trash und Rock zu funktionieren hat. Und wirklich schön finde auch ich die Artikulation diverser ausserirdischer Sexualpraktiken.

Ach ja: Mr. Toefinger, der in der Zwischenzeit jede Menge merkwürdiger Test an sich selbst praktiziert hat, ist mittlerweile hirntot. Der schizophrene Forscher hatte wohl etwas wirr mit der Gerätschaft herum hantiert. Tja, kann passieren. Paris beschloss daraufhin, Toefinger einzufrieren, bis er einen Weg findet ihn zu reanimieren.

Live zu erleben sind Detroit Grand Pubahs in Dresden am Freitag, 11.11., im Action (Werner-Hartmann-Straße 3, Neustadt) für 5(!) Euro, unterstützt von Mr. Anders, Bronco Teddy und Dj Sunnic. Einen Tag später Landung in der Destille Leipzig, dort mit Credit 00 und Disko 69. Zur gleichen Zeit am gleichen Ort gibt es in L.E. auch Steve Bug, aber mal ehrlich: Wer will schon ‘nen Bug, wenn man einen Pubah haben kann?

In dem Sinne: Shake wot yo mama gave ya !!!

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I Go Chop Your Dollars

Boomtime, 20th The Aftermath, 3171.

Jeder hat sicher schon mal eine dieser lustigen Spammails bekommen, in denen ein Nachkomme Abachas einen Anteil von mehreren Millionen US-Dollar für die Unterstützung bei einem Geldtransfer angeboten hat. Ich staune ja immer wieder, dass es tatsächlich noch Leute gibt, die mich nach dem Erhalt einer solchen Mail fragen, ob da nicht doch was dran sein könnte.

Heute bin ich über eine lustige Sache gestossen. Mir war unklar, dass in der nigerianischen Popkultur eine grosse Bewunderung für Leute existiert, die so genannte Maghas (Yoruba-Slang für Narren) abziehen. Ein Beispiel dafür ist das Stück I Go Chop Your Dollar des in Nigeria populären Schauspielers und Sängers Nkem Owoh (auch Osuofia genannt). Hier ein Ausschnitt aus dem Refrain:

419 is just a game, you are the losers, we are the winners.
White people are greedy, I can say they are greedy.
White men, I will eat your dollars, will take your money and disappear.
419 is just a game, we are the masters, you are the losers.

Bei den Bl0rgs gibt es ja ein paar schöne Spam Haikus, aber eigentlich müsste man da noch mehr machen, denn ich finde, dass Spam eine vollkommen unterschätze Kunstform darstellt und bei weitem nicht ausgereizt ist. Zu dem erwähnten Stück von Osuofia gibt es übrigens ein Video (16,9 MB im QuickTime-Format).

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Mindestens haltbar

Sweetmorn, 67th Bureaucracy, 3171.

Die zweite Ausgabe des monatlich erscheinenden Online-Magazins Mindestens haltbar ist erschienen. Das Magazin besteht aus einer interessanten Artikelmischung von Bloggern und Jounalisten, und diese Ausgabe dreht sich um den Begriff _Hybrid_. Ich habe dazu auch einen Artikel begesteuern können, der sich Das transatlantische Bündnis nennt und die für mich spannenden Frage beleuchtet, ob es Menschen gibt, die unter Wasser atmen.

Danke noch einmal an Manuel für seine Anmerkungen im Vorfeld der Veröffentlichung.

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Goldketten, Zusatz und der ganze Rest

Prickle-Prickle, 60th Bureaucracy, 3171.

Die letzten Tage war ich nach relativ langer Zeit wieder mal in Leipzig. Als ich ankam ging erst Mal alles schief und ich muss zugeben, dass ich durch das rumgeliege und beinhochgehalte den lieben langen Tag doch ziemlich pussyhaft drauf war. Glücklicherweise bin ich, als ich bei Marcel abgehangen habe, einer Eingebung gefolgt und doch noch in die Distillery mitgegangen. Dort spielten Gold Chains und Sue Cie und danach Mike Grant, was mir beides extrem gut gefallen hat. Gold Chains ist sowas wie Elektro mit Rap (wobei nicht 0815-Standardkram gemeint ist), Mike Grant ist zorniger Detroit-Techno vom Allerfeinsten. Gar nicht gefallen hat mir hingegen das Set der anderen DJs. Ich musste mir von Spunky erklären lassen, dass dies im Moment wohl die Art von Musik ist, die sich gut verkauft und wo auf den Parties wohl auch was los ist. Ich habe keine Ahnung wie man das nennt, Progressive House oder so, aber es ist wirklich scheussliche Musik ohne Sex und Seele. Ich, besoffen wie ich war, konnte natürlich nicht anders und habe bei Mike Grant meine Krücken mit den Worten “Ich kann wieder gehen” beiseite geworfen und angefangen zu tanzen. Irgendwie verlor sich der weitere Abend dann im Nebel meines Alkoholrausches …

Am nächsten Tag hatte ich ein wunderschönes Treffen im Hotel Seeblick und bin dann, viel zu früh eigentlich, wieder in die Distille gefahren. An diesem Abend war neben Bronce Teddy und Magnetic als DJs eine meiner absoluten Favoriten live am Start: Aux 88. Deren Gig in L.E. war neben London der einzige, den sie in Europa diesmal absolviert haben. Für mich allerdings die Überraschung des Abends waren Pal Secam Kidz, bestückt mit Live auf ihren Kraftbüchern, lustige Behringer Midi-Controller benutzten und echt das Haus rockten. Sogar Keith und TomTom waren offensichtlich ernsthaft erfreut über deren Sound. Das Liveset von Aux war dann wirklich der Knaller: Die Beiden nach einem langen Intro rauf auf die Bühne, mit seltsamen LEDs an der Brust und sofort stand das Publikum Kopf. Das hatte nichts mehr mit Party zu tun, das war wie ein Punkkonzert. Die Leute tanzten schrien die ganze Zeit “A-U-X” oder “Bass”. Absoluter Wahnsinn. Aux hat mal locker 2 Stunden gespielt, und was ich interessant fand war die Tatsache, dass sie sich mit Sachen wie Cubase unter Windows gequält haben (Keith meinte später, der Grund für dieses seltsame Setup war schlicht, dass sie den alten, originalen Sound haben wollten und keine Lust hatten, sich Arbeit zu machen und das ganze auf eine andere Plattform zu hieven). Sie spielten natürlich ihre Hits, aber auch einiges an neuen Sachen, die recht vielversprechend klangen. Nach dem Gig sass ich eine Weile mit Keith und TomTom im Backstage und hatte grössere und kleinere neue Einsichten in die Geschichte des Detroit Sounds im Allgemeinen und UR im Speziellen. Ich war aber auch an diesem Abend zach, so dass ich irgendwann nur noch gelallt habe und zu keiner sinnvollen Kommunikation mehr fähig. Gegen 10 Uhr früh war ich dann wieder bei Marcel daheim.

Den Feiertag habe ich praktisch nur horizontal verbracht und war echt zu nicht viel mehr in der Lage als ein bisschen zu schreiben, viel zu schwatzen und bin auch ganz schnell wieder eingeschlafen. Dienstag war ich kurz bei einer Vorstellung im Rahmen des Dokfilmfestes Leipzig, wo ich die Premiere eines Teiles einer 3-teiligen Doku gesehen habe, die sich mit Mätressen und deren Macht auseinander setzt. Das Ganze war zwar nicht 100%ig mein Fall, aber gut gemacht war es und enthielt auch nette Details (z.B. dass die Haremsdamen sich die Brustwarzen mit Haschischöl beschmierten). Lustig war irgendwie, dass der Regisseur Jan Peter in einem Nebensatz erwähnte, dass sie für die Produktion 2 Millionen rausgehauen haben. Muss ‘ne alte Frau lange für Stricken …

Eine Sache muss ich noch loswerden, die mich in L.E. total auf die Palme bringt. Ich habe mir Schwarzfahren im Grossen und Ganzen komplett abgewöhnt, was ja jetzt erstmal nichts besonderes ist. Aber in Leipzigs Strassenbahnen kann man nur mir Geldkarte bezahlen, und an mindestens zwei Haltestellen gibt keine Automaten, die mit Bargeld funktionieren, nämlich genau die beiden, zwischen denen ich öfter hin in her gependelt bin. Was tut man also: Richtig, aus der Bahn humpeln, aussteigen, ein Ticket ziehen und auf die nächste Bahn warten. Im Prinzip auch machbar, aber nicht im Zeitstress. Tja, und genau das eine Mal, wo ich wegen meiner Mfg wirklich keine Zeit hatte bin ich prompt kontrolliert worden.

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Soulseek

Sweetmorn, 47th Bureaucracy, 3171.

Filesharing ist heutzutage ein zwei-(oder mehr)schneidiges Schwert. Bisher habe ich nicht so sehr die Notwendigkeit gehabt, mich in den Tauschbörsen zu tummeln, weil ich selbst viele Konserven besitze und in einem Umfeld lebe, in dem viele Leute selbst Musik machen, Platten drehen, Parties und Konzerte veranstalten und generell Musik auf Tonträgern, vor allem Vinyl, sammeln. Dadurch sind natürlich mehrere Sachen von vornherein gegeben: Unabhängigkeit von mainstreamingen Medien, selbstbewuste Suche nach neuem und altem Sound und in vielen Fällen ein sehr direkter Kontakt zu Musikern aller Genre aus aller Welt.

Vor einiger Zeit habe ich allerdings der Recherche halber Tracks von _Clarence G_ gesucht, eines der sehr frühen Aliase von Drexciya. Das Vinyl hatte ein paar Tage zuvor bei eBay für den unglaublichen Betrag von über 12k Euro den Besitzer gewechselt, und in meinem Umfeld gab es auch niemanden, der die Platte oder eine Kopie davon hatte. Daraufhin habe ich das erst Mal seit Jahren wieder einen Filesharing-Client angeworfen und mich auf die, anfänglich sehr erfolglose und frustrierende, Suche gemacht. Dabei benutzte ich zuerst einen eMule-Client, der ständig abstürzte, dann die Nagware Acquisition, zum Schluss aclite (die OSS-Variante von Acquisition). Das brachte alles nichts, und auch die anderen Sachen, die mir so eingefallen sind, habe ich entweder gar nicht gefunden oder konnte nie einen Download-Slot ergattern. Dann gab mir Manuel den Tip, ich solle doch einfach Soulseek benutzen.

Das einzige Mal, dass ich Soulseek benutzt habe, liegt schon eine Weile zurück und war auf dem Mac schlicht 3L (Laden, Lachen, Löschen): Da ging einfach mal nix, der Client stürzte andauern ab und riss u.a. auch den Finder mit den den Abgrund. Von Manuels Tip ermutigt besorgte ich mir SoulseeX (aka ssX). Ob er wusste, was er damit bei mir angerichten würde? Vermutlich schon ;-)

Das Protokoll, dass im Soulseek-Netzwerk verwendet wird, ist nirgendwo offiziell dokumentiert, allerdings haben die Entwickler von SoleSeek das was sie bei der Durchforstung des Python Soulseek-Source Codes und dem Sniffen von Netzwerktraffic rausbekommen haben soweit es eben gehtdokumentiert. Ich bin kein OSS-Zealot, deswegen finde ich nicht-quelloffene Clients nicht so schlimm solange sie tun, keine negativen Auswirkungen auf die Stablitiät meines Systems haben und mich nicht nicht Werbung oder Intrusion anderer Art nervent.

Neben den normalen Möglichkeiten, User als Freunde zu markieren, zu bannen oder zu ignorieren beinhaltet Soulseek die Möglichkeit zum Chat, und ich muss sagen, dass ich in den letzten Wochen sehr viele gute Gespräche über Musik darüber führen konnte, die ich sonst in der Form nur in Plattenläden habe. In dem Netzwerk sind eine Menge totaler Musiknerds, die mich auf so manches Schmakerl hingewiesen haben. Für Leute, die sich mit Musik und Musikern gut auskennen ist Soulseek wohl _das_ Filesharing-Netzwerk. Es gibt auch irgendeine Art von Möglichkeit zur Bezahlung für bessere Downloads, aber ich habe das Konzept ehrlich gesagt nicht verstanden.

Ich frage mich allerdings, warum dieses Netzwerk bisher so unbehelligt von Verfolgung durch die Industrie ist. Nicht, dass ich mir das wünsche, aber seltsam ist es schon. Vorhin hatte jemand die Vermutung geäussert, dass man zwar auch Britney Spears dort finden kann (die mir btw bisher noch gar nicht untergekommen ist, aber das nur am Rande), aber die weitaus grössere Zahl an Musik eben doch eher Indie ist, und deren Ziel ist es eben viel mehr, die User mit ihren Werken bekannt zu machen und dient ja sogar vielen Musikern selbst als Quell von Inspiration und Austausch. Da mag was dran sein. Ich kenne jedenfalls auch eine Reihe von Musikern und DJs, die sich dort umtun. Vielleicht ist es aber auch einfach mit seinen paar Usern viel zu klein. Oder es ist ein heimlicher Versuch der Musikindustrie, um zu sehen, worauf Leute stehen, die nicht so mainstream-fixiert sind.

Clarence G habe ich übrigens sofort gefunden, dazu auch alles andere, das ich bisher gesucht habe. Deswegen hoffe ich inständig, dass dieses Netzwerk noch eine Weile in der Form erhalten bleibt und nicht durch eine Vielzahl an Usern sowohl die Qualität sinkt als auch die Gefahr des Stresses mit der Industrie steigt.

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Killertracks from the roaring 80ies

Prickle-Prickle, 45th Bureaucracy, 3171.
Music fukami 56977 1 Comment | Trackback URI

Su-Shee hat mich durch ihre Suche nach einem Chrome-Stück dazu inspiriert, selbst meine persönlichen Erinnerungen zu entstauben und darüber nachzudenken, was ich aus der Zeit gerne wieder einmal gerne hören würde. Deswegen hier mal eine kleine Liste von 23 populären Tracks, die mir spontan als “haste ja ewig nicht gehört” eingefallen sind:

* Bauhaus: Bela Lugosi’s dead, In the flat field, Telegram Sam, Passion of lovers
* X-Mal Deutschland: Incubus Succubus II, Mondlicht
* Soft Cell: Tainted Love, Sex Dwarf
* Clan of Xymox: A day, Stranger
* Depeche Mode: Just can’t get enough, The meaning of love, Get the balance right
* Wolfgang Press: The wedding
* Fehlfarben: Paul ist tot
* The Gun Club: Sex Beat
* Scraping Foetus off the wheel: The only good Christian is a dead Christian
* Cabaret Voltaire: Product patrol
* Coil: Solar lodge, Ostia (The death of Pasolini), Who by fire
* The The: Controversal subject, Perfect
* Joy Division: Love will tear us apart, She’s lost control
* Spizz Energi: Where’s Captain Kirk?
* Einstürzende Neubauten: Hospitalistische Kinder/Engel der Vernichtung, Ich bin’s
* Yello: Bostich
* Siouxsie & the Banshees: Happy House
* Ian Dury: Spasticus Autisticus

Ich hör jetzt hier einfach mal auf :-)

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Amphetamine Reptile Records

Boomtime, 43rd Bureaucracy, 3171.
Music fukami 73869 3 Comments | Trackback URI

Irgendwann vor der Wende habe ich sehr oft in Berlin einen privaten Radiosender gehört, der sich _Radio 100_ nannte (weiss nicht mehr, ob 100 als Zahl oder als Wort) und der sich durch ein sehr gutes, spannendes und abwechslungsreiches Programm auszeichnete. Auch damals hatte ich schon einen total verpeilten Tagesrhythmus, so dass ich ganz oft deren Frühstücksprogramm hörend eingeschlafen und mit dem Mittagsmagazin oder wie das hiess wieder aufgewacht bin.

Einmal wachte ich nachmittags auf und just in dem Augenblick war die Rede von Amphetamine Reptile Records, einem Label, dass vor allem eine Noise genannte Rockmusik veröffentlichte. Ich bin besser gesagt von der Musik aufgewacht, denn die war in der Tat alles andere als leichtgängiges Crunch-Fallera. Ich hätte fast das Radio ausgemacht, weil es zum Aufwachen doch recht verstörend war - hätte das Stück nicht aufgehört und der Moderator angefangen über Helios Creed zu erzählen.

Helios Creed war bis Mitte der Achtziger Member einer Band, die ich bis heute ausserordenlich schätze: Chrome. Chrome klang in etwa so, als hätte man ein paar Musiker in einer Kiste eingesperrt und diese würden sich darüber lautstark beschweren. Und weil der Sound aus der Kiste nicht raus kann, überlagert sich alles in einer seltsamen Art von musikalischen Hyperventilismus. Jedenfalls erfuhr ich, dass Helios Creed zu der Zeit in einem Bus lebte und AmRep-Labelchef Tom Hazelmeyer ihn zufällig an einer Tankstelle im mittleren Westen traf. Da auch er von Chrome begeistert war fragte er Helios, der nach einem Streit mit seinem Mitmusiker Damon Edge die Band verlassen hatte, ob er nicht Lust hätte, auf AmRep etwas zu releasen. Gefragt, getan. Nach einem Stück auf dem zweiten Teil der 7inch-Sampler-Serie “Dope, Guns and Fucking in the Streets” veröffentlichte Helios die Platte “The Last Laugh” und das war, wie zu erwarten, ein in allerbester Chrome-Manier produziertes kleines apokalyptisches Meisterwerk.

AmRep startete 1986 in Minneapolis vor allem wohl als Plattform für Hazelmeyers eigenes Projekt _Halo of Flies_, entwickelte sich aber über die Jahre zu _dem_ Label für noisigen Sound und Garant für herrliche Livemusik-Erlebnisse. Die Nähe zu dem durch den Nirvana-Hype bekannt gewordenen Label SubPop kommt, neben einer gewissen grundsätzlichen musikalischen Ähnlichkeit und personeller Überschneidungen wie z.B. im Falle von Mudhoney, vor allem durch die von mir überaus geschätzten Leute von Glitterhouse, die damals ein fantastisches Fanzine mit Namen HOWL gemacht haben, die Platten beider Labels hier in Deutschland vertrieben und sich um das Booking gekümmert haben. Ich bin mir sicher, dass sie verantwortlich zu machen sind dafür, dass Noise im Allgemeinen und AmRep im Speziellen überhaupt einer grösseren Hörerschaft zugängig wurde.

Die Liste der Bands, die auf AmRep veröffentlicht haben und teilweise überhaupt erst durch dieses Label bekannt wurden, gleicht einem Who-is-Who des Noise: Melvins, Boss Hog, Chokebore, God Bullies, Tar, Cows, Guzzard (wobei die Band etwas aus dem Rahmen fällt in der Aufzählung), Hammerhead, Helmet, Janitor Joe, Love 666, Today is a Day, Lubricated Goat, Nashville Pussy, Cosmic Psychos, Surgery, Supernova, Vertigo, The Thrown Ups (ein Mudhoney Side-Projekt), Unsane, Party Diktator (aus Bremen, die ich fast unterschlagen hätte) - um mal ein paar zu erwähnen.
Über die Meisten der erwähnten Bands könnte ich glaube ich eine Menge schreiben, weil sie sehr meine Hörgewohnheiten geprägt haben bis ich Fee kennengelernte und wesentlich mehr in Richtung elektronischer Musik abgedriftet bin.

Dazu gab es neben schon erwähntem _Dope, Guns and Fucking in the Streets_ noch ein paar bemerkenswerte Sampler: S.W.A.T. - Deep inside a cops mind, auf dem AmRep-Bands klassische Rockstücke mit verändertem Text zum Besten geben (_In the ghetto_ beginnt z.B. mit “When the bullets fly …”), die Porn-Split-7inches, die in den Schrank eines jeden Plattensammlers gehören und die Filmmusik zu Screwed, einer Doku von Al Goldstein über die Pornoindustrie. Nicht zu vergessen ist ausserdem die Videocompilation _Dope, Guns and Fucking up your Video Deck_, durch die der vollkommen durchgeknallte _Dr. Sphincter_ als, naja, Moderator führt. Die 3-stündige, nicht jugendfreie DVD aller 3 Teile gibt es mittlerweile für wenig Geld, und ich persönlich bin immer noch grosser Fan davon.

Seit 1999 hat das Label leider keinen Output mehr, von der 2000er One-Side-7inch der Melvins zu deren 20jährigem Bestehen, aber vieles ist scheinbar über iTMS zu beziehen - sehr viele der Sachen sind als Vinyl ohnehin nicht mehr zu bekommen. Ab und zu - jedes Jahr einmal etwa im Februar - meldet sich Tom Hazelmeyer auf der Webseite noch einmal zu Wort und sagt, dass es nichts Neues gibt und das die Leute aufhören sollen, ihm Demos zu schicken. Schade, sehr schade.

Hier noch ein kleines Schmakerl: Die Cover der AmRep-Veröffentlichungen in einer Übersicht.

Und noch ein kleines persönliches Geheimnis: Mein etwas seltsamer Barcode am Oberkörper sollte eigentlich aufgelöst _Dope, Guns and Fucking in the Streets_ geben - wär hätte das gedacht …

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Aux 88

Setting Orange, 31st Bureaucracy, 3171.

Aus gegebenen Anlass hier mal ein Text, den ich eigentlich nicht für mein Weblog geschrieben habe, der aber für die Veröffentlichung aus Platzgründen sehr stark verändert wurde. Aux 88 ist für mich selbst eine der wichtigsten Ausprägungen von Techno Bass Sound, den ich als einen der Meilensteine meiner persönlichen Entwicklung in Bezug auf diese Musikform betrachte und zu dem bis auf 2 oder 3 Platten auch eigentlich alle Veröffentlichungen auf Vinyl besitze. Deswegen dieser Artikel noch einmal in etwas erweiterter Form.

Der gegebene Anlass ist übrigens ein Liveauftritt von Aux 88 in der Leipziger Destille am 2. Oktober, bei dem Tommy Hamilton und Keith Tucker, auf den ich mich sehr freue, anwesend sein werden. Zu dem wird Bronco Teddy auflegen und auf das Wiedersehen mit Zapotek, der im Keller Drum and Bass auflegen wird, freue ich mich auch schon. Ich habe bisher weder Aux 88 noch einen der beiden live erlebt und bin sehr gespannt darauf, wie der Gig sein wird.

Aux 88 - Electro is my life

Tom Tom

Was passiert, wenn man einen ausgebildeten Tänzer nimmt, der zu dem schon mit 5 Jahren mit Trommeln anfing und einen tanzenden Wirbelwind seine Schwester nannte, und ihn für eine Weile in ein Studio sperrt? Dabei kommt vielleicht, mit etwas Glück, so etwas wie Aux 88 heraus.

Tommy “Tom Tom” Hamilton verdiente sich in den frühen 80igern bei verschiedenen Tanzgruppen wie den Cosmic Swingers, den Motor City Poppers oder den Devo Dancers die ersten Sporen, verspürte aber den Drang nach mehr. 1985 startete er mit William “BJ” Smith, ebenfalls Tänzer, die Gruppe Regime, eine Band, die Cybotron- und Model 500-Tracks live nachspielte. Nicht, dass sie diese Art der Darbietung zu dem Zeitpunkt schon als neuen Weg der elektronischen Musik begriffen - sie wussten es einfach nicht besser, zumal sie zu dem Zeitpunkt auch noch nichts von MIDI oder Sequencing gehört hatten. Nach der Auflösung von Regime hielt Tom weiter am Konzept der Live Electronic Dance Music fest und gründete mit Keith Tucker, den er bei Africa Bambaataas Hip Hop Nation kennenlernte und damals als DJ K-1 schon zu einigem Ruhm gekommen war, die Band RX7, in der die beiden nicht nur Cover zum Besten gaben sondern zunehmend dazu übergingen, ihre eigenen Kompositonen zu spielen.

Nach etwa 2 Jahren trennten sich ihre Wege erst einmal wieder. Tom lernte in der Folgezeit endlich Keyboard und experimentierte mit vielen anderen Stylen wie R&B und Jazz, besann sich aber auch wieder auf seine Wurzeln, nämlich Percussion. 1992 dann gab es eine Wiedervereinigung der beiden die sich Sight Beyond Sight nannte. SBS wurde verstärkt von A. Horton (Anm.: Ich bin mir immer noch unsicher, ob nun A für Anthony oder Alma Horton steht) und der Sängerin Andrea Gilmore, und nach kurzer Zeit und dem neuen Sound kam die Band bei dem Detroiter Label 430 West unter Vertrag, wo sie sofort sehr erfolgreich waren. 1993 entschieden sich Tom Tom und Tucker dazu, sich stärker auf Techno Bass zu konzentrieren und formten Aux 88. Das erste Release der beiden gilt seit dem als einer *der* Detroit Klassiker: “My A.U.X. Mind”. Danach ging es erst richtig los: Aux 88 spielte auf dem legendären 10. Geburtstag von Juan Atkins’ Label Metroplex (dem Label, auf dem die erste Platte erschien) als Backing von Model 500 , releasten den sehr erfolgreichen Longplayer “Man or Machine” und tourten ausgiebig in den USA und Europa. Tucker ging später eigene Wege, weil er lieber experimentelleren Sound machen wollte und BJ stiess wieder dazu. Der damals noch junge Di’jital unterstützte die beiden und mixte zu deren Liveshows, was den Sound noch einmal weiter entwickelte und entgültig die ultimative Techno/Bass/Dance-Fusion formte.
Die letzte Veröffentlichung von Aux 88 auf Direct Beat mit dem Titel Xeogenetic, was soviel bedeutet wie “von anderen Gattungen abgeleitet”, ist denn auch eine akkurate Beschreibung für das wofür Aux 88 seit dem Beginn steht. Hip Hop, Techno, Miami Bass, Trip Hop und Space Funk - das alles sind die unterschiedlichen Elemente, die diesen Sound und das Live-Erlebnis ausmachen. Oder wie Tom Tom lachend aus seiner Operationsbasis in Detroit sagt: “Aux isn’t looking to fit any one description. Aux is looking to make people dance by any means necessary. And while Aux has a definite sound, easy to identify, Aux is *never* the same group twice!”

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Baby Ford

Prickle-Prickle, 10th Bureaucracy, 3171.

Baby Ford

Tiny hat mich vor ein paar Jahren in einen Club mitgenommen, der sich, soweit ich mich erinnere, Ufo Borten nannte. Dort war ein DJ zu Gast, dessen Name mir bis dato schon des öfteren untergekommen ist: Peter “Baby” Ford. Diesen Namen hatte ich vor allem in Verbindung mit Raves in England gehört, aber auch durch eine Platte mit Namen Birds, die Fee mir mal vorgespielt hat. Birds sind, neben Baby Ford, Klaus Kotai und Jochen Baader, die beide durch das legendäre Label EMD (Elektro Music Department) bekannt sein könnten.

Die Veranstaltung im Ufo, einem kotzhässlichen Laden mit Ballermann-Flair, zumindest damals, war sehr gut besucht. Zum Anfang lief langweiler Acid (kann mich schon nicht mal mehr erinnern, wer da aufgelegt hat), dann startete Peter, worauf sich der Laden nach und nach leerte, was ich persönlich ziemlich gut fand, weil ich so Platz zum Tanzen hatte. Man kann sagen, dass Peter damals nicht unbedingt besonders skilled war was Mixing anging, aber irgendwie ist mir das meistens eher egal wenn die Musik besonders gut ist - und das war sie. Er präsentierte eine bunte Mischung der aktuellsten und abgefahrenen Club-Tracks, viel Dekonstruktion a la Aphex Twin und total innovativen House. Am Ende waren Tiny, Benet und ich eigentlich die einzig verbliebenen Gäste, was mich aber irgendwie auch nicht wunderte, weil das Publikum schon so aussah als wäre Oberfläche Trumpf. Peter gab uns allen ein paar Platten, mir z.B. besagte Birds, die ich mir signieren liess und noch einige Maxis, die er grade produziert hatte. Zu der Zeit war eigentlich die grosse Acidwelle praktisch schon eine Weile vorbei, aber ich denke, dass der Veranstalter genau diese Musik von Peter erwartet hatte und war irgendwie, im Gegensatz zu uns, nicht besonders zufrieden wie es schien. Peter hatte schliesslich mit seinen Sachen auf Rhythm King Records Hits, die praktisch als ein Wegbereiter für eine Bewegung gelten.

In den folgenden Jahren startete er mit Mark Broom das Label IFach, später seine eigenen Labels Trelik und PAL SL, die eher minimalistischere Sachen veröffentlichen, wobei trotzdem Stimmen und Melodien in den Produktionen oft eine grosse Rolle spielten. Produktionstechnisch sind die Sachen sehr deep und knackig - ein echtes Erkennungsmerkmal wie ich finde. Es wurde dann etwas ruhiger um ihn, bis er durch tolle Releases auf Force Inc., Sender und Perlon wieder stärker in das Licht der Öffentlichkeit rückte.

2004 ging er dann auf Tour und landete wieder einmal in der Destillery in Leipzig bei einer Veranstaltung von Blackred, wo er von Tiny und Benet als weitere DJs des Abends unterstützt wurde. Als Erstes viel mir auf, dass er mittlerweile richtig gut mixen gelernt hatte. Sein Set ist sogar durch eine Aufnahme dokumentiert, die zwar relativ schlecht von der Qualität ist, ich aber trotzdem immer wieder gerne höre, weil es sich superinteressant entwickelt. Wir hatten jedenfalls mit ihm während des ganzen Abends viel Spass. Er erzählte uns von seinem Tief nach dem Hype, von Plänen und guten Freunden - und hat uns wieder mit einigen neuen Platten versorgt, und im Gegensatz zur Veranstaltung damals haben die Leute im Laden eigentlich alle getanzt und ihren Spass gehabt.

Die Discogs-Seite zu ihm enthält einen grossen Teil seiner Veröffentlichungen und Kollaborationen, wobei ich mir sicher bin, dass da einiges fehlt. Ich muss mal, wenn ich wieder zuhause bin, gucken, ob alle Sachen die ich habe dort wirklich eingetragen sind.

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