The Turkey Curse
fukamis terror chatroom

Entwirrungen

Prickle-Prickle, 48th Confusion, 3175.

Während ich mich auf meinen Vortrag zu “Netzsperren in Deutschland und Europa” im Bonner Netzladen am 23. Juli vorbereite, wollte ich in dem Zusammenhang einige Begriffe besser definieren können. Zudem nervt mich das Wort “Kinderschänder”, weil ich finde, dass es abwertend gegenüber den Opfern klingt und zudem, wie ich feststellen muss, eigentlich Nazi-Terminologie entspricht (soviel übrigens zu unseren grünen Nörglern von fixmbr) und in dem Zusammenhang auch oft in diesen Kreisen mit Todesstrafe für Täter einher geht. Über das Thema zu reden und schreiben ist in jedem Fall ein heisses Eisen, weil man sich schnell vergaloppieren kann und unter Umständen geneigt ist, Täter zu Opfern zu machen, dabei aber die Opfer komplett zu vergessen. Aber grade deswegen will ich hier versuchen, einige meiner Gedanken im Hinblick auf diesen Vortrag zu ordnen und mich auf Fehler in meiner Betrachtung aufmerksam machen zu lassen. Für Klarstellungen und Hinweise bin ich sehr dankbar! Den Menschen, die sich schon mit dem Thema auseinander gesetzt haben, wird der Text wenig Neues bringen, soviel vorneweg. Aber wenn man über die Sperren spricht, muss man aus meiner Sicht auch das im Auge haben, was die Sperren vorgeblich bekämpfen sollen, und so kommt man um eine Beschäftigung mit dem Thema Kinderpornografie nicht herum.

Zahlenspiele sind immer irgendwie zynisch, aber gehören zu einem Diskurs wohl doch dazu. Als Grundlage habe ich aus verschiedenen Quellen wie der Kriminalstatistik des BKA, Zahlen aus dem Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité und der Wikipedia geschöpft und habe aufgerundet (Nachkommestellen gehen da irgendwie echt nicht finde ich). Auf Zahlen von Ursula von der Leyen und Wolfgang Schäuble habe ich verzichtet, weil diese sich von Interview zu Interview und Debatte zu Debatte immer wieder ändern. Ich präferiere nach Möglichkeit den Begriff “Pädosexuell”, weil das auch der Terminus ist, den nach meinem Wissen die meisten Opferverbände bevorzugt verwenden. Die Begründung liegt nach Meinung der Verbände darin, dass das Wort “Pädophilie” suggeriere, es handele sich dabei um gegenseitige Liebesbezeugung, was es ganz klar nicht ist. Es gibt auch andere Interpretationen, z.B. die, dass dieser Begriff die sexuelle Präferenz zum Ausdruck bringt und sprachlich die Gleichstellung zu Heterosexualität, Homosexualität und Bisexualität im Sinn hat.

Auf eine historische Betrachtung verzichte ich komplett, weil ich schon bei anderen Themen feststellen musste, dass der Blick auf die Vergangenheit mit unseren heutigen Begrifflichkeiten und Vorstellungen schwierig bis unmöglich ist — zum einen, weil dazu immer ein weitreichender, gesellschaftlicher und politischer Kontext nötig ist und zum anderen gleiche oder ähnlich anmutende Sinninhalte leicht zu falschen Schlüssen führen können.


Der Begriff Pädosexualität beschreibt heutzutage die primäre und dauerhafte sexuelle Neigung zu Menschen, bei denen die Geschlechtsreife noch nicht begonnen hat. Dabei wird Pädosexualität in der heutigen Medizin unterschiedlich bewertet: Während es Diskussionen darum gibt, diese als Impulskontrollstörung, also psychische Erkrankung, einzustufen, gibt es genauso eine Fraktion von Medizinern, die es als sexuelle Präferenz betrachtet und am Liebsten aus der IDC streichen würden, weil sie meinen, die psychischen Störungen entstünden vor allem durch gesellschaftlichen Umstände. Da ich kein Mediziner bin, kann und will ich diese Aussagen nicht bewerten.

Zur Abgrenzung gibt es noch eine Reihe anderer Begriffe, die die sexuelle Neigung zu schon geschlechtsreifen, aber noch nicht als jugendlich geltende Mädchen und Jungen im Sinn haben. Die Idee dahinter ist wohl, etwas klarer zu definieren, dass kleine Kinder auf gar keinen Fall sexuellen Kontakt mit Erwachsenen aus eigenem Antrieb wollen, während das bei bereits geschlechtsreifen anders aussehen könnte. So vollends klar sind mir aber übrigens die Grenzen dazu nicht geworden, weder mit den medizinischen Termini noch strafrechtlich, wobei sich die strafrechtlichen Konsequenzen rein am Alter orientieren (alles andere ist wohl sehr schwierig).

Verlässliche Zahlen über den Anteil von Pädosexuellen in der deutschen Bevölkerung gibt es nicht. Die Zahlen, die man dazu findet, schwanken zwischen 1% der der männlichen Bevölkerung (Aussage von Klaus Beier, Direktor des Charité-Instituts für Sexualmedizin) und 20% aller Internetnutzer (laut Ursula von der Leyen im April bei Radio Eins). Durch die Natur der Sache ist es wohl auch ohne weiteres nicht möglich, solche Zahlen zu erheben, denn verlässlich dürften nur die Anzahl der Teilnehmer an Selbsthilfe- oder Therapiegruppen sowie Zahlen aus der Strafverfolgung zur Verfügung stehen. Repräsentative Erhebungen von 1997, die ich beim Projekt Prävention von Kinderpornografiekonsum im Dunkelfeld der Charité gefunden habe, gehen davon aus, dass etwa 9% der Mädchen und 3% der Jungen im Laufe ihres Lebens Opfer sexueller Übergriffe geworden sind. In den polizeilichen Statistiken im sogenannten “Hellfeld”, also der Taten, die zu einer Anzeige gebracht werden, gibt es jährlich etwa 15.000 Fälle. Zur Dunkelziffer gibt es sehr unterschiedliche Schätzungen, die von mindestens vom 3 bis 5-fachen ausgehen, teilweise aber noch sehr viel höher liegen.

Ich bin nicht davon überzeugt, dass es sehr viel dokumentierten, also auf Video und Foto festgehaltenen, Missbrauch gibt, kann aber dazu natürlich auch keine Aussagen treffen, denn dazu schweigen sich die Quellen, die ich zur Verfügung habe, aus. Es würde aber dem widersprechen, was ich bislang darüber weiss. Das es aktuell einen massenhaften, dokumentierten Missbrauch von Säuglingen gibt wie ihn Schäuble immer betont, glaube ich ehrlich gesagt gleich gar nicht. Dass es aber solches Material gibt, kann als gesichert gelten, wobei es sich dabei wohl zum grössten Teil um immer dieselben Dokumente zu drehen scheint, die seit Jahren in der Szene kursieren, zumindest nach Aussagen von Strafverfolgern, die ich bekommen habe. Eine Zahl darüber, wie viel neues Material es gibt, existieren nicht.

Der allergrösste Teil der Pädosexuellen wird wohl seinen Neigungen nicht nachgehen und weder gegenüber seiner Familie oder Freunden jemals äussern, weil das in meisten Fällen wohl soziale Ächtung und Ausgrenzung zur Folge hätte. Ein anderer Teil findet vermutlich einen Weg, der sozial toleriert wird, wie beispielsweise ältere Männer, die mit 20-jährigen zusammen sind, die womöglich noch sehr viel jünger und kindlicher aussehen. Zur Nutzung von Darstellungen zur sexuellen Stimulation gibt es in der Wikipedia eine für mich realistisch klingende Einschätzung der Lage, die ich einfach mal im Stück zitiere:

Viele Pädophile nutzen Darstellungen von Kindern zur sexuellen Stimulation. Die Bandbreite reicht hierbei von Kinderbildern aus Versandhauskatalogen über legale erotische Darstellungen von Kindern, z.B. Bilder des Fotografen Jock Sturges, bis hin zur Nutzung illegaler kinderpornographischer Medien. In einer Studie gaben 86,1% der Teilnehmer an, Bildmaterial aus dem legalen und illegalen Bereich zu nutzen.

Neben Film- und Bildmaterial spielt in jüngster Zeit auch die sogenannte virtuelle Kinderpornographie, d. h. sexuelle Darstellungen nicht realer, sondern animierter “Kinder”, eine zunehmend größere Rolle. Die Psychologen Davison und Neale betonen, dass zur sexuellen Stimulation nicht zwangsläufig illegales Material nötig sei, vielmehr konstruieren Pädophile ihr eigenes sexuell erregendes Material aus Quellen, die allgemein als harmlos angesehen werden, wie z.B. Kinderbildern aus Versandhauskatalogen. Ob der Konsum von Kinderpornographie, wie von vielen Pädophilen behauptet, dem Abbau von Spannungen dient und damit realen Übergriffen entgegenwirkt, oder ob diese durch die zusätzliche Stimulation begünstigt werden, ist wissenschaftlich umstritten.

Verschiedene Zahlen, als eine Referenz sei hier der Text von Prof. Dr. Rudolf Egg in der Zeitschrift Der Bürger im Staat genannt, haben wohl belegt, dass die bekannten Fälle von Kindesmissbrauch nur zu etwa einem Fünftel von Pädosexuellen begangen werden, diese dafür aber eine überdurchschnittlich hohe Rückfallquote haben. Die restlichen Täter sind nicht primär pädosexuell veranlagt, sondern sexuell hauptsächlich auf Erwachsene ausgerichtet. Diese Tätergruppe wird allerdings von den meisten als sehr viel gefährlicher eingestuft, da es hierbei einen sehr viel höheren Anteil an Gewalttätigkeit gibt.

Mögliche therapeutische Ansätze werden sehr unterschiedlich bewertet, vor allem wohl deswegen, weil es in dem Bereich noch deutlich an Forschung fehlt. Grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass es so etwas wie eine Heilung nicht gibt. Die erfolgversprechensten Therapieansätze haben zum Ziel, die sexuelle Handlung an Kindern zu verhindern und missbrauchsbegünstigende Verhaltensmuster zu ändern. Es gibt aber auch Therapien, die den Einsatz von Medikamenten zur Hebung der Impulskontrolle benutzen

Informationen zu aktuellen Techniken beim Hosting von kinderpornografisches Material sind rar. Ich denke aber, dass der Text auf Wikileaks zu dem Thema eine Reihe richtiger und wichtiger Hinweise enthält, denn ich habe mich ehrlich gesagt auch nicht weiter gewundert, und habe zumindest im Fall der Remote Desktop und VNC-Lösungen sogar eine verlässliche, bestätigende Aussage eines Strafverfolgers. Auch dass Bots und Spam in dem Bereich eine Rolle spielen, dürfte wenig überraschend sein. Wenn man sich diese Realität ansieht, erscheint die Forderung “Löschen statt Sperren” als ein relativ oberflächlicher Ansatz, der nur einen kleinen Teil des Problems, nämlich den der Kinderpornografie um Web, angeht, aber nicht den Hauptteil des kommerziellen Marktes auszutrocknen vermag. Ein möglicher Schlüssel zur technischen Eindämmung liegt eher in einer effektiveren Bekämpfung von trojanisierten Systemen und Bot-Infrastrukturen, zumindest wenn man dem Text bei Wikileaks folgt.

Nachdem ich einige sehr konstruktive Diskussionen zu dem Thema der technischen Eindämmung mit Providern hatte, sind mir aber noch andere Dinge klar geworden: Die meisten Provider machen teilweise ohnehin Traffic-Analysen, teilweise aber auch gezielt um auffälligen Traffic zu untersuchen, der auf Hosting von kritischem Material hindeutet (und mit Zahlungsdaten korreliert wird) — es findet also in Teilen schon eine Deep Packet Inspection auf Seiten der Provider statt, auch wenn man darüber nur ungern spricht. Im Abuse-Handling sind eigentlich alle sehr schnell, schon aus Selbstschutz, aber auch, weil sie die Sachen nicht ihren Netzwerken haben wollen. Probleme, die dort auftauchen, liegen eher darin, dass teilweise Polizisten die Sperrungen von IPs verlangen, dies aber in Shared Hosting-Umgebungen problematisch ist, wenn nicht genau zu ermitteln ist, um welche Ressource es genau geht. Es wird übrigens nur ein kleiner Teil über die dafür zuständigen und technisch kompetenten Mitarbeiter von LKAs gemeldet (höchstens ein Zehntel), weil bei den Polizeibehörden wohl auch Wissen fehlt, wie das genaue Vorgehen ist.

Sperren und Blacklisting a la Cleanfeed und Webminder bewirken aus Sicht eigentlich aller Techniker, mit denen ich gesprochen habe, gar nichts. Wer sich diese Techniken genauer anguckt, dem fallen vermutlich einige Möglichkeiten ein, wie sich aus diesen Blacklists letztendlich Whitelists erzeugen lassen, was ja eher kontraproduktiv wirkt. Diese Sperren beinhalten aber bekanntermassen die grosse Gefahr, auch ungewollt Ressourcen zu sperren, die nichts mit Kinderpornografie zu tun haben. Zum Thema Cleanfeed gibt es übrigens ein hervorragendes Paper von Richard Clayton, Universität Cambridge, der sich bereits 2005 sehr ausführlich mit dem Thema auseinander gesetzt hat und sehr detailliert beschreibt.

Was, kann also die Politik wirklich leisten, um wirkungsvoller gegen Kindesmissbrauch vorzugehen?

Ich habe leider keine Idee, wie man wirkungsvoller gegen den Missbrauch innerhalb den Familien vorgehen kann, was aber in jedem Fall der wichtigste Aspekt zu sein scheint. Da sind letztendlich die staatlichen Möglichkeiten wohl eher begrenzt, und vermutlich ist dort die Familie selbst und die Nachbarschaft, Lehrer, Eltern anderer Kinder — also das soziale Umfeld — gefragt, um Vertuschung zu verhindern und die Täter dingfest zu machen. Ausserdem denke ich, dass ein wichtiger Schritt der Ausbau von Therapieangeboten wie in der Charité wäre und auch die Erforschung dieses Phänomens insgesamt mehr gefördert werden muss.

In der Bekämpfung müssen nach dem was ich weiss die Polizeibehörden besser zusammenarbeiten, sowohl national als auch international. Es scheint vor allem national grosse Wissenslücken zu geben, welche Abteilungen bei den Polizeibehörden was macht, und es scheint in der Zusammenarbeit auch einige Reibungsverluste zu geben sowie teilweise ein grosses technisches Unverständnis. Ich denke ausserdem, dass die Leute, die Kinderpornografie melden, nicht automatisch in die Ermittlungen einbezogen werden sollten, denn das bewirkt keine bessere Aufklärungsrate. Es bindet einerseits Kräfte, wo Ermittlungen mit erfolgversprechend sind und andererseits machen Leute aus Angst vor Strafverfolgung keine Meldung. Hier wäre wohl zu überlegen, wie eine Lösung aussehen kann, bei der die Meldung anonymisiert erfolgen kann. Das BKA sollte sich übrigens aus meiner Sicht vor allem auf die länderübergreifende, internationale Zusammenarbeit konzentrieren und nicht die Arbeit der LKAs im Inland leisten.

Last but not least ist einer der entscheidenden Faktoren der, die Internetkriminalität, die sich rund um Botnetze und Spam drehen, effektiver zu erforschen und bekämpfen. Es gibt im dem Bereich einige sehr gute Beispiele, wie die der Gruppe an der Bonner Uni, die sehr wertvolle Hinweise liefern. Insgesamt sollte die Förderung überhaupt viel stärker an Unis erfolgen und weniger durch Firmen, denn ich bin davon überzeugt, dass dies am Ende sehr viel bessere Ergebnisse liefert.

Ein Aspekt, den ich zwar im Hinterkopf habe, zu dem ich aber immer noch keine endgültige Meinung besitze, ist die Frage zu den internationalen Täter- und Opferdateien. Ich sehe zwar wohl, dass es wichtig ist, die Opfer dieser Verbrechen dadurch zu finden und vor allem aus vielleicht noch andauerndem Missbrauch zu befreien, und es gab ja auch schon in der Vergangenheit bemerkenswerte Erfolge durch die Benutzung dieser Dateien. Es ergibt sich aber im Hinblick auf die vorherrschende Meinung, Opfer von Missbrauch könnten später unter Umständen selbst zu Tätern werden, aus meiner Sicht ein sehr grosses Problem. Ich weiss leider viel zu wenig darüber, wie die Daten eigentlich verarbeitet werden und ob diese Dateien auch eine Grundlage für spätere Ermittlungen gegen die Opfer bilden, die durch diese Auffassung prinzipiell als potenzielle Täter gelten.

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5 Comments »

  1. […] Diese Problematik ist im Übrigen nicht unbekannt. Fukami schreibt dazu: Sperren und Blacklisting a la Cleanfeed und Webminder bewirken aus Sicht eigentlich aller Techniker, mit denen ich gesprochen habe, gar nichts. Wer sich diese Techniken genauer anguckt, dem fallen vermutlich einige Möglichkeiten ein, wie sich aus diesen Blacklists letztendlich Whitelists erzeugen lassen, was ja eher kontraproduktiv wirkt. […]

    Pingback by Piraten-Philosophie » Blog Archive » Offensichtliche Gründe gegen das Zensurgesetz — Prickle-Prickle, 48th Confusion, 3175. @ 76578

  2. Tja. Kaum jemand antwortet. Warum wohl? Vermutlich, weil der Text einige unbequeme Wahrheiten anspricht.

    Und dass man sich in der heutigen Zeit nur willkürlich der Erkenntnis verschließen kann, dass Pädosexuelle genausowenig die Wahl haben, pädosexuell zu sein, wie Homosexuelle sich entschieden haben, homosexuell zu sein.

    Das sollte die Strafbarkeitsdiskussion eigentlich auffrischen, tut es aber nicht.

    Stattdessen werden grundverschiedene Konzepte wie Päderastie, Pädophilie, Pädosexualität und Kindesmisshandlung unter dem Totschlagbegriff “Kinderschändung” vereint, obwohl eine differenziertere Diskussion eindeutig gebraucht wird.

    Ergriffene Maßnahmen werden zunehmend drakonischer, konstruktive Ansätze werden vom Tisch gewischt und sofort “Kinderschänder” gebrüllt, sogar wenn es um triviales geht wie Fiktion und Kunst, die sexuelle Handlungen von und mit Kindern darstellt.

    Ein reines Gedankengut, das keinerlei Persönlichkeitsrechte verletzt, wirs so pauschal auf eine Stufe mit körperlicher Mißhandlung wehrloser, meist vom Täter emotional abhängiger Menschen gestellt.

    Von potenziell (und sicherlich seltener) einvernehmlicher Sexualität mit Kindern - immerhin befriedigen sich Kinder manchmal schon im Kleinkindalter selbst - darf man gar nicht erst anfangen zu sprechen.

    Ich vermute, dass folgende Phänomene in Zukunft eintreten werden:
    - je schwieriger es wird, ’sicher’ an pädosexuelle Medien heranzukommen, desto ertragreicher wird der Handel damit
    - gegen die “Untergrundkultur” im Netz anzutreten ist zwecklos, Botnetze, Rogue Hosts, Rogue ISPs und starke Verschlüsselung werden immer ausreichend Schlupflöcher bieten
    - egal wie wenig Kinderpornographie im Netz verbleibt, die Anzahl der Pädosexuellen wird sich nicht reduzieren
    - stattdessen wird sich die Anzahl der Heimdelikte erhöhen; Pornographie ist ein Auslassventil für den Sexualtrieb. Wenn man sich ansieht, wie frivol und oft auch paraphil (”kinky”) die Privatsphäre in Staaten ist, die Pornographie insgesamt ächten, kann man zumindest eine Korrelation erahnen.

    Ich möchte wirklich nicht in der Haut eines Pädophilen stecken. Einer meiner Freunde hat mir einst seine pädophilen Neigungen unter Tränen gestanden; und das war noch ein gutes Jahrzehnt vor der aktuellen Hexenjagd, die vielerorts in vollem Gange ist. Allein die Erkenntnis, potenziell von der gesamten Gesellschaft lauthals geächtet und hart bestraft zu werden, hat diesen jungen Mann damals in starke seelische Bedrängnis gebracht. Die Verzweiflung, seine eigenen Neigungen weder wählen noch ändern zu können - immerhin konnte er sie wohl ‘ausreichend’ unterdrücken ohne Straffällig zu werden - kann man vermutlich nur erahnen.

    Ich glaube, wir stehen vor einem großen gesellschaftlichen Problem, und es ist niemandem damit geholfen, dass wir Menschen aus unserer Mitte pauschal für etwas verdammen, über das sie nie eine Kontrollmöglichkeit hatten.

    Was getan werden muss, ist, die Kindesmisshandlung zu bekämpfen. Diese schadet den Kindern, diese ist greifbar, diese ist statistisch belegbar, und diese kann verhindert werden.

    Sexuelle Neigungen kann man nicht verhindern.

    Comment by TDF — Prickle-Prickle, 48th Confusion, 3175. @ 77194

  3. @TDF: Ich bin noch nicht davon überzeugt, dass man das Strafrecht im Bezug auf kinderpornografische Schriften ändern sollte. Die Spezialisten sind sich nicht einig, ob die “virtuelle Kinderpornografie” eine Möglichkeit ist, die hilft. Deshalb plädiere ich ja für mehr Forschung zu auf dem Gebiet. Falls sich dann rausstellen sollte, dass es einen positiven Einfluss hat, sollte man darüber vielleicht noch einmal diskutieren. Vorher halte ich nichts davon, da die positiven Auswirkungen von Seiten der Mediziner nicht eindeutig belegt sind.

    Comment by fukami — Prickle-Prickle, 48th Confusion, 3175. @ 77916

  4. “Die Zahlen, die man dazu findet, schwanken zwischen 3-5% und 20% der der männlichen Bevölkerung.”

    Hast Du dazu ein paar Quellen? Finde ich sehr interessant. Die Zahlen zur häufigkeit sexueller Übergriffe würde ich übrigens als zu niedrig angesetzt bezeichnen. Ich habe vor ein paar Jahren mal eigene Umfragen gemacht - natürlich nicht repräsentativ und in sehr kleinen communities - und kam da auf 12% Opfer plus 25% die Fälle im Umfeld hatten. Ich denke, es gibt eindeutig noch Dunkelziffern; die wären dann aber vielleicht so hoch, dass man sich anfangen müsste zu fragen, was denn eigentlich “normal” sei.

    Comment by Thygrrr — Prickle-Prickle, 48th Confusion, 3175. @ 79768

  5. @thygrrr: Habe das mal richtig gestellt. Die 20% kommen von vdL. Die Anzahl der Übergriffe kommen aus der Charite.

    Comment by fukami — Prickle-Prickle, 48th Confusion, 3175. @ 81538

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"It is no good to try to stop knowledge from going forward. Ignorance is never better than knowledge." - Enrico Fermi

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