The Turkey Curse
fukamis terror chatroom

Tallinn

Pungenday, 17th Confusion, 3172.

Ich hatte letzte Woche die Möglichkeit an einem 2-tägigen Workshop zum Thema Wireless Security in Tallinn, Estland, teilzunehmen. Ausgerichtet wurde dieser Workshop von Zone-H. Gehalten wurde das Ganze von den beiden Italienern SecurityWireless (aka der Doktor) und next2001 und dem Esten Tõnu. Die Thematik ist ja normalerweise nicht so richtig mein Fokus, so dass ich persönlilch eine ganze Menge lernen konnte, zumal der Workshop sehr Hands-On war, inklusive Antennenbau, Wardriving usw. Dieser Workshop ist einer von einer ganzen Reihe von Workshops, die Zone-H in 15 Ländern anbietet und dieses Angebot auch in Deutschland an den Start bringen will.

Mit anderen Zone-H-Leuten, die aus Lettland, Slovenien und Italien da waren, gab es eine ganze Reihe interessanter Diskussionen, z.B. über die derzeit herrschenden Zustände in Italien, die die Luft teilweise sehr dünn erscheinen lassen. Bestes Beispiel für mich ist die Geschichte mit Glücksspielseiten im Internet. In Italien gibt es, wie in Deutschland, ein Glücksspielmonopol des Staates. Allerdings wurden die ISPs per Dekret dazu verpflichtet, die Leute, die von aus Italien auf derlei Webseiten im Ausland zugreifen, umzuleiten mit dem Hinweis, grade etwas Illegales zu tun. Zudem werden die Anschlussinhaber austomatisiert an die Finanzbehörden gemeldet. Die Umsetzung dieses Dekrets hat beispielsweise die Telekom Italia ca. 200 Millionen Euro gekostet (die natürlich auf die Kunden abgewältzt werden). Wer etwas Phantasie hat wird sich ausmalen können, welche Einladung zum Missbrauch das darstellt, in dem man beispielsweise geschäftliche Konkurrenz, die vermutlich entsprechende Webseiten verfolgt, mit speziell päparierten Inhalten versorgt. Das ist schon aus meiner Sicht echt krank.

Freitag abend nach 2 sehr intensiven Tagen Workshop und Gesprächen nahm ich mir dann die Zeit für Erkundungen in der Altstadt Tallinns. Ich muss sagen: Diese Stadt kickt Hintern. Ich bin grade sehr glücklich verliebt, so dass ich nichts mit anderen Frauen am Hut habe, aber die Mädels in Tallinn sind schon verdammt gutaussehend und zeigen einem sehr deutlich, dass sie von einem was wollen. Da ich noch nie weisse Nächte erlebt habe war ich sehr überrascht, wie sehr es mich geschlaucht und wie sehr sich mein Zeitgefühl auflöst hat, wenn pro Tag nur etwa 30, 40 Minuten Dunkelkheit herrscht. Musikalisch waren die meisten der da stattfindenden Sachen nichts, aber das ist ja fast überall so, von daher auch nicht weiter verwunderlich.

Zu meinen anderen Eindrücken von Tallinn im Allgemeinen und Speziellen ein paar ungeordnete Bemerkungen.

Die estnische Sprache ist recht eigenartig. Estnisch ist eine sogenannte agglutinierende Sprache und es gibt 14 Fälle. Verwandt ist die Sprache dem Finnischen und wohl dem Ungarischen, wobei die Esten Ersteres wohl auch ganz gut verstehen, Zweiteres hingegen eher nicht. Ausländern wird das Erlernen nicht grade leicht gemacht, weil falsche Endungen an Wörtern oder falscher Satzbau die Esten die Worte nicht verstehen lässt. Zumindest wird aber die Sprache so ausgesprochen wie sie geschrieben wird und sorgt bei einigen Worten für eine gewisse Heiterkeit, wie z.B. Reisibüroo, Reisi Bussi, Takso (für Taxi) uvam.

Die Währung in Estland ist die estnische Krone (kurz EEK für Eesti Kroon), weil durch eine relativ hohe Inflation die Einführung des Euro ein Jahr verschoben wurde. Im Gegensatz zu den Preisen für Lebensmitteln, Zigaretten usw. habe die Getränke in den Bars in etwa Resteuropa-Niveau, und die Preise in Restaurants wie Hotel erreichen alle denkbaren Preis- und Qualitätsstufen. Allerdings gibt es für Vegetarier wenig Geniessbares in den Restaurants, denn so gut wie alles besteht aus Fleisch und Kartoffeln unterschiedlischer Zubereitungsart. In den Geschäften hingegen gibt es schon eine ganze Reihe hochwertiger Obst- und Gemüsesorten, allerdings teilweise zu zornigen Preisen.

In dieser Stadt ist einiges herrlich “Osten”. An vielen Stellen in der Altstadt herrscht eine Ästhetik des Verfalls, zu der ich ohnehin eine grosse Affinität besitze. Teilweise gibt es Gebäude, die fast sowas wie potemkinsche Dörfer sind: Aussen, von der Strasse, total schickt, aber hiner den Gebäuden sieht es aus, als würde man sich noch mit dem Abtragen der Überreste des Krieges beschäftigen.

Ansonsten war die Zeit natürlich viel zu kurz. Es hat mir sehr gefallen dort und ich werde bestimmt nicht das letzte Mal in dieser Stadt gewesen sein.

---

Extraktionen

Sweetmorn, 10th Confusion, 3172.

Blackberry

Letztes Wochenende fand die ph-neutral in Berlin statt. Bemerkenswert fand ich, dass es einen Fokus auf Mobil-Devices und deren Modifikation gab: Erst gab einen sehr interessanten Vortrag von Hunz zum Thema JTAG — einer Möglichkeit zum Debuggen von Hardware (siehe Blackberry auf dem Bild). Später gaben Frank und Fiedel Tips und Tricks für den Auseinander- und Zusammenbau von Hardware, speziell auch Telefonen. Am Ende gab es noch von LaForge etwas, das unter dem Motto “How to 0wn an EZX” hätte stehen können und Einblicke in OpenEZX, Motorolas Mobiltelefon-Plattform, gab.

Aber auch Themen wurden behandelt, so z.B. CRSF/Session Riding von Martin Johns, der einige sehr unkonventionelle (und aus meiner Sicht nicht in jedem Fall benutzbare) Ideen zur Vermeidung derartiger Probleme erläuterte. Für mich sehr überraschend war ein kurzweiliger Vortrag zum Thema “Security Engineering in Windows Vista” von John Lambert, seines Zeichens “Security Group Manager” bei Microsoft. Überraschend war der Vortrag deswegen, weil schon recht deutlich wurde, wie viel Energie und Know-How der Riese aus Redmont in die Sicherheit seiner nächsten OS-Version zu stecken gedenkt. Zudem gab es ein wenig Code zu sehen! Wer ein bisschen mitbekommen hat was in den letzten Monaten los war und wen die Redmonder alles eingespannt haben ist auch klar, dass sie tatsächlich etwas verstanden zu haben scheinen. Naja, wurde auch höchste Zeit.

oxff und Thorsten Holz gaben ein Update zu ihrer Arbeit an Nepenthes und der Beobachtung von Botnets. Verpasst habe ich allerdings leider den grössten Teil des Vortrages von Philippe Biondi von der EADS. Ich versuche ihn aber noch mal gesondert wegen eines Vortrages auf dem Kongress anzusprechen.

Sonntag abend dann erwartete mich statt eines ruhigen Abchillens im CCCB ein Zahnschmerz, der mich fast um den Verstand gebracht hat. Morgens unausgeschlafen ob der Unmöglichkeit etwas Ruhe zu finden kam ich dann in Köln an. Dann bin ich von Jens freundlicherweise ins Zentrum für Zahnmedizin des Universitätsklinikums in Bonn gefahren worden, in der man mir mitteilte, dass die betreffenden Zähne gezogen (in Sadistendeutsch: “extrahiert”) werden müssen, allerdings nicht sofort, da ich zur Schmerzbekämpfung dummerweise Aspirin genommen habe, welches das Blut verfüssigt und so diesen Eingriff unmöglich machte. Ein Nebensatz dann machte es dann vollkommen krass: Bei der Gelegenheit werden mir alle Zähne der betreffenden Seite gezogen, ein paar Tage später die der anderen Seite, so dass mir praktisch oben 2 und unten 4 Zähne verbleiben. Der Rest wird vorerst mir Provisorien aufgefüllt und im Laufe dieses Jahres wird es einen Plan für ein etwas Vollständigeres geben.

Auf’s nächste Steak bin ich ja mal gespannt …

---

« Previous Page


Of the delights of this world, man cares most for sexual intercouse, yet he has left it out of his heaven.

The Turkey Curse is powered by WordPress, template idea by Priss

Entries (RSS) and Comments (RSS).
Generated in 0.055 seconds.