The Turkey Curse
fukamis terror chatroom

Blaue Pille

Prickle-Prickle, 33rd Confusion, 3172.
Code fukami 72676 2 Comments | Trackback URI

Blue Pill

[Joanna Rutkowska][], die uns beim [21C3][] mit schon mit ihrem Vortrag [Passive covert channels in the Linux kernel][] grosse Freude bereitete, hat vor ein paar Tagen ein sehr spannend klingenden Text mit dem Titel [Introducing Blue Pill][] in ihrem [Blog][] veröffentlicht, in dem sie ein Konzept für nicht nachweisbare Rootkits erläutert. Leider gibt sie nicht sonderlich viel Info zur technischen Implemantation preis und will auch soweit keinen Code releasen, aber immerhin sagt sie so viel, dass dies durch eine neue [Virtualisierungstechnologie][] für [AMD64][], die den Codenamen “SVM/Pacifica” trägt, möglich sein soll und sich grundsätzlich von [SubVirt][], einer Malware-Implemenation auf VM-Basis, unterscheiden soll, die vor einigen Monaten für einiges Aufsehen sorgte.

Ein Absatz lässt in jedem Fall aufmerken:

> I would like to make it clear, that the Blue Pill technology does not rely on any bug of the underlying operating system. I have implemented a working prototype for Vista x64, but I see no reasons why it should not be possible to port it to other operating systems, like Linux or BSD which can be run on x64 platform.

Na da hoffe ich mal, dass Joanna auf den [23C3][] kommt, damit sie mehr davon erzählt…

[Joanna Rutkowska]: http://theinvisiblethings.blogspot.com/
[21C3]: http://www.ccc.de/congress/2004/
[Passive covert channels in the Linux kernel]: http://www.ccc.de/congress/2004/fahrplan/event/176.en.html
[Introducing Blue Pill]: http://theinvisiblethings.blogspot.com/2006/06/introducing-blue-pill.html
[Blog]: http://theinvisiblethings.blogspot.com/
[Virtualisierungstechnologie]: http://de.wikipedia.org/wiki/Virtualisierung_%28Informatik%29
[AMD64]: http://de.wikipedia.org/wiki/AMD64
[SubVirt]: http://www.eecs.umich.edu/~pmchen/papers/king06.pdf
[23C3]: http://events.ccc.de/congress/2006/

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MPAA vs. ThePirateBay: Das Schreiben ans schwedische Justizministerium

Prickle-Prickle, 33rd Confusion, 3172.

Eiin schönes Lehrstück zum Thema Lobbying findet sich auf [Zone-H][]. Dort wurde eine Kopie des MPAA-Schreibens an den Staatssekretär des schwedischen Justizministeriums zum Thema [ThePirateBay][] [veröffentlicht][], in dem recht unverhohlen gedroht wird. Interessantes Schreiben wie ich finde …

[Zone-H]: http://www.zone-h.org/content/view/13787/30/
[ThePirateBay]: http://thepiratebay.org/
[veröffentlicht]: http://www.zone-h.org/content/view/13787/30/

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Bloggen mit TextMate

Pungenday, 32nd Confusion, 3172.

Seit einiger Zeit benutze ich, wenn ich nicht grade auf sonnen- oder halblischtern unterwegs bin, [TextMate][] für so ziemlich alles was mit Text zu tun hat. Heute bin ich auf ein nettes Feature gestossen: [Blogging mit TextMate][]. Das dazugehörige Bundle wird von [Brad Chaote][] betreut. Das Ganze funktioniert mit [WordPress][], [Drupal][], [Typo][] und natürlich [MovableType][], ist multiblog-fähig und echt sexy. Es gibt ein nettes kleines [QuickTime-Filmchen][], das dieses Feature in Aktion zeigt. Dieser Post ist natürlich auf diese Art und Weise erzeugt.

Ich bin immer wieder erstaunt über die grossen und kleinen Überraschungen, die dieser Editor mir bereitet. Eigentlich kein Wunder, denn schliesslich heisst dieser Editor ja praktisch wie mein [Lieblingsgetränk][].

[TextMate]: http://macromates.com/
[Blogging mit TextMate]: http://macromates.com/blog/archives/2006/06/19/blogging-from-textmate/
[Brad Chaote]: http://www.bradchoate.com/
[WordPress]: http://wordpress.org/
[Drupal]: http://drupal.org/
[Typo]: http://www.typosphere.org/
[MovableType]: http://www.sixapart.com/movabletype/
[Lieblingsgetränk]: http://www.clubmate.de/
[QuickTime-Filmchen]: http://macromates.com/screencast/blogging_take_two.mov

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Joomla-Update fixt schwere Sicherheitsprobleme

Boomtime, 31st Confusion, 3172.

Das Update auf Version 1.0.10 des PHP-basierten “Content Management Systems” Joomla beseitigt eine ganze Reihe von schweren Sicherheitsproblemen wie SQL Injections, XSS- und CSRF-Lücken (Siehe Changelog von Joomla 1.0.10).

Eigentlich interessieren mich solche Anwendungen nicht wirklich besonders, aber in dem Fall liegt der Fall etwas anders: Der deutsche Mirror von Zone-H, der in den nächsten Tagen gelauncht werden soll, basiert, wie die Hauptseite, auf Joomla, so dass ich mich mit dieser Software etwas intensiver auseinandersetzen muss. An sich mag ich dieses System auch nicht, es ist für meinen Geschmack zu bloated und zu wenig selbsterklärend. Aber was soll’s, man kann komischer Software einfach nicht wirklich entgehen …

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Freenode kompromitiert

Boomtime, 31st Confusion, 3172.

Gestern wurde das Freenode-IRC-Netzwerk kompromitiert. Gerüchten nach könnte jemand das Login von Headmasterchief\*) Rob Levin (aka lilo) ersnifft und danach mit seinen Credentials einen speziell präparierten DCC SEND-Request gesendet haben, der bei einigen Firewalls und WLAN-Routern für einen Disconnect aus dem Netzwerk gesorgt haben könnte. Die sich darauf wieder anmeldenden User haben sich mit ihren Passwörtern bei einem gefakten Nickserv angemeldet, so dass einige weitere Accounts kompromitiert wurden. Da IRC, im Gegensatz zu z.B. SILC, unverschlüsselt über die Leitung geht, und die ganzen Authentifizierungen über Services gehen und nicht, wie man das eigentlich will, Teil des Protokolls\*\*) sind, wurde die Kompromitierung wohl überhaupt erst möglich.

Ich selbst bin nur noch sehr sporadisch in dem Netzwerk, weil mir lilo mit seinem grässlichen “Donate”-Gewimmer über Global Notices total auf die Nerven ging (weiss ehrlich gesagt gar nicht wie das jetzt ist — damals war es echt nicht zu ertragen). Auch wenn es eine Menge guter und wichtiger FOSS-Projekte gibt, die sich darüber koordinieren, habe ich ehrlich gesagt kein Mitleid. Auch dieser ganze Hierachiefoobar, der dort betrieben wird, ist mir ein Greuel.

Mehr dazu gibt es übrigens bei Regular Ramblings, dem Blog von Tyler Mandry, und einige interessante Äusserungen bei Slashdot.

*(\*) Den Begriff musste ich mir mal von fh ausleihen, weil es in diesem Kontext einfach irgendwie am Besten passt.
(\*\*) Kommt mir jetzt bitte nicht mit “IRC over SSL” :-)*

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“Hacker werden”-Howto Grund für AdSense-Deaktivierung

Boomtime, 31st Confusion, 3172.

Wie Gulli.com berichtet ist das vom CCC Cologne (C4) gespiegelte Howto Hacker werden Grund dafür, dass der Suchriese Google AdSense für die gesamten Gullieseiten deaktiviert hat.

Das Howto ist mitnichten eine Anleitung zum Cracken von Programmen oder illegalem Zugriff auf Systeme und Netzwerke, das als Grund für die Deaktivierung genannt wurde, sondern eher der humorvolle Hinweis, dass Hacken vor allem erstmal mit eigenen-Kopf-gebrauchen zu tun hat.

Ich finde das ja eigentlich eher sehr lustig, aber im Kern sagt das schon einiges über die Leute aus, die für Google die AdSense-beinhaltenen Seiten prüfen. Verstanden haben sie dieses Howto jedenfalls nicht…

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FrOSCon 2006

Boomtime, 31st Confusion, 3172.

Letztes Wochendende fand erstmals die FrOSCon (für Free and Open Source Software Conference) an der FH Bonn/Rhein-Sieg in Sankt Augustin statt. Ich war ehrlich gesagt sehr positiv überrascht, wie gut diese Veranstaltung organisiert war: Es schien irgendwie keinerlei Probleme zu geben, die Helfer und Orgas waren die ganze Zeit freundlich, hilfsbereit und machten nicht mal in Ansätzen einen gestressten Eindruck, im Gegenteil. Das Netz lief mit ordentlicher Geschwindigkeit und ohne einen Ausfall die Zeit stabil.

Bisher war ich noch nie in der FH, und das Prädikat “schön” verdient dieser Ort nicht wirklich: Der Charme dieses Gebäudes ist eher irgendwie der eines Atomschutzbunkers (wie übrigens auch alles andere was ich von Sankt Augustin gesehen habe). Trotzdem hat das natürlich dem Spass auf der Veranstaltung keinen Abbruch getan, und dadurch, dass dort eine Menge Fachbereiche existieren, gab es viel Raum für alle möglichen Aktivitäten gab. An Vortragenden gab es recht wenig renomierte Top-Speaker, aber Niveau und Qualität der Vorträge die ich gesehen habe war sehr fundiert, und ich konnte keinen Totalausfall feststellen und habe auch von keinem gehört.

Grundsätzlich denke ich, die FrOSCon sollte sich etwas straighter ausrichten. Der Spagat irgendwo zwischen Businessveranstaltung, OSS-Evangelisierung und Developer-Treffen ist aus meiner Sicht auf lange Sicht nicht durchzuhalten, ohne dass es irgendwann in eine gewisse Beliebigkeit abdriften könnte. Ich denke, die FrOSCon sollte sich in dem Gebiet positionieren in dem auch die FOSDEM angesiedelt ist, nämlich dem eines Developer-Treffens. Die Räume in der FH sind nämlich wirklich gut geeignet. Zudem war einfach der spürbar grösste Teil der Anwesenden irgendwie nerd- bzw. programmiertechnisch unterwegs. Ich denke ja sowieso, dass sich das Rheinland sehr gut für derlei Veranstaltungen eignet, weil hier in der Gegend eine Menge am Start ist und die Fahrt für die Beteiligten nicht schon in eine komplette Tagestour ausartet. Zudem sollte die Veranstaltung mindestens 3 Tage gehen, weil 2 dann eigentlich doch arg kurz ist.

Die Veranstaltung war aus meiner Sicht ein sehr grosser Erfolg und ich wünsche mir, dass die Organisatoren dieses erfolgsprechende Ergebnis ihrer Arbeit des letzten Jahres zum Anlass nehmen und ein Event ins Leben gerufen haben, das zukünftig im jährlichen Veranstaltungskarusell einen festen Platz hat.

Eine Liste mit Bildern der Veranstaltung gibt es im Wiki der FrOSCon, eine mit Artikeln bzw. Blogeinträgen gibt es sicher in den nächsten Tagen.

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Amtsgerichtsdeutsch

Sweetmorn, 30th Confusion, 3172.

Aus einem Brief des Amtsgerichts Bonn:

Sehr geehrte Damen und Herren,

es wird um Einreichung des endgültigen Körperschaftssteuerfreistellungsbescheides des Finanzamtes -in Fotokopie- gebeten.

Mit freundlichen Grüßen,

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6 von 10

Pungenday, 27th Confusion, 3172.

My ass. Ich fühle mich, als wäre ich von ‘ner Dampfwalze geküsst worden…

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Abstimmung zur Vorratsdatenspeicherung im Bundestag

Sweetmorn, 25th Confusion, 3172.

Auf Antrag der FDP, Bündnis90/Die Grünen und der Linkspartei wird heute im Bundestag darüber abgestimmt, ob die Umsetzung der am 15. März 2006 beschlossenen Regelungen zur EU-weiten Vorratsdatenspeicherung bis zur Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes über deren Rechtmässigkeit ausgesetzt werden soll. Irland und die Slowakei hatten gegen diese Regelung vor dem EuGH geklagt.

Selbst wenn auch das nichts fruchtet gibt es zumindest in Deutschland noch die Möglichkeit, das Ganze vor das Bundesverfassungsgericht zu bringen, denn die Diskussion darüber, ob sich diese Regelungen mit dem Grundgesetz vereinbaren lassen, ist mittlerweile voll im Gange. Im Falle der Rasterfahndungen nach dem 11. September gab es ja glücklicherweise schon einen Erfolg, der darauf hoffen lässt, dass auch hier die Karlsruher Richter eine Entscheidung fällen, die im Sinne der Bürgerrechte ist.

Na warten wir erstmal die heutige Entscheidung der Abgeordneten ab …

[via silicon.de, Dank an jot*be für den Hinweis]

Update: Der Antrag wurde abgelehnt, was nicht wirklich verwundert. Das Protokoll der Sitzung ist nun als PDF online. Der interessante Teil befindet sich auf den Seiten 41-59. Mehr gibt es noch bei jot*be und Heise.

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Bunte Republik Neustadt - Die BRN 2006

Setting Orange, 24th Confusion, 3172.

Am Total Sellout

Durch ein tolles, vorgezogenes Geburtstagsgeschenk war ich wider Erwarten dieses Wochenende doch in Dresden bei der Bunten Republik Neustadt. Ich hatte den Flug geschenkt bekommen, so dass ich Samstag früh um acht zusammen mit der Königin in Dresden ankam. All die Kleinigkeiten zu beschreiben, die mir so durch den Kopf gegangen sind sprengt leider den Rahmen eines Weblogeintrages. Aber ich will trotzdem mal grob versuchen zu beschrieben was mir besonders wichtig ist.

Gleich nach der Ankunft in Dresden traf ich auf der fast menschenleeren Alaunstrasse neben Spacke, Mirko und einigen anderer Freaks jemanden, mit dem ich mal zusammen im Rahmen der Weltwirtschaftgipfels in den 90ern in München kurz im Knast sass, was schon reichlich fnordig war. Nach einem Frühstück im Mondpalast sind wir in der Neustadt rumgeschlendert und haben die sich langsam füllende BRN genossen. Eine der schönsten Sachen war, wie immer, das Total Sellout, in dem seit einigen Jahren Dresdner Künstler Arbeiten ausstellen, die man für sehr wenig Geld kaufen kann. Wir erwarben dort auch eine ganze Reihe von Radierungen und Zeichnungen, vor allem von Fee Vogler. Besonders schön war dieses Jahr, dass auf der Strasse vor dem Sellout ein überdimensionales Wohnzimmer aufgebaut war mit Couch, Sessel, Tisch, Blume, Hirschgeweih, Grammophon, Kaktus, einem funktionierenden Telefon von 2×1,5×1 Meter Grösse und einem Fernseher, der als Getränkeverkauf diente und in dem es allerlei Drinks mit lustigen Namen gab wie Derrick, Sissy oder Schwarzwaldklinik. Lustig war auch, dass an der Rückseite des Sofas die Polizei stand, so dass man auf dem Sofa sitzend gleich noch sowas wie eine Barrikade hatte.

Am Total Sellout

Ansonsten waren wir praktisch am Bier verkosten, wobei ich zugeben muss, dass es ausser Wernesgrüner und Feldschlösschen vom Fass nur wenig gab, das wirklich gut geniessbar war. Dresdner Biere sind einfach nicht so besonders, vor allem Radeberger ist echt schlecht (von der Dosenvariante kaum zu reden).

Abends im Zirkuszelt über dem Alaunplatz gab es Teil 2 einer hervorrangenden Veranstaltung von Audiokraut, High Finesse und den L’Houp-Leuten, bei dem vor allem Elektro und Booty Bass zelebriert wurde — Am ersten Abend, bei dem Drum’n'Bass geboten wurde, war ich ja leider noch nicht Dresden. Die Überraschung des Abends war für mich vor allem Henk mit seinen Live-Projekten Entire Human Race und Manchester Microwave, das ich bis dato noch nie live gesehen habe. Aber auch die anderen Sachen waren natürlich echt fancy. Früh um 8 war ich dann soweit, dass ich zumindest kurz eine Mütze Schlaf brauchte.

Nach 2 komatösen Stunden Schlaf haben wir dann erstmal das Auto für die Rückfahrt besorgt und sind im Waldschlösschen Haxe mit Sauerkraut essen gegangen, was ein erstaunlich gutes Mittel gegen Kater zu sein scheint, zumindest für meinen. Zurück in der Neustadt haben wir uns eine Weile im BRN-Museum rumgedrückt und Lose gekauft, bei denen es immer einen Gewinn gab. Dieses Museum versucht sich an der Dokumentation der letzten 16 Jahre Strassenfest-Geschichte, und so habe ich eine Reihe von visuellen Dingen gesehen, die ich über die Jahre gemacht habe, wie z.B. Plakate und Buttons. Die Idee finde ich sehr gut und das Ganze ist am Anfang. Ich werde in den nächsten Tage den Leuten, die das machen, noch Sachen zukommen lassen die ich noch habe und ihnen eine Liste mit Leuten zukommen lassen, die aus meiner Sicht unbedingt ihre Sachen in Bild und Ton beitragen sollten, sofern diese noch nicht selbst den Weg in das Museum gefunden haben.

Im Total Sellout

In den Nächten gab es wohl wieder die obligatorischen kleineren Krawalle und Randale, aber eigentlich hielt sich das wohl in Grenzen, wahrscheinlich wohl auch, weil die Polizei ganz offensichtlich nicht so richtig viele Leute vor Ort hatte und deswegen die Eingriffe nicht so martialisch daher kamen. Das Flaschenverbot sorgt aber denke ich grundsätzlich für eine etwas weniger aufgeregte Stimmung. Anzumerken ist aber in jedem fall, dass es einige Leute gibt, die die Form, in der die BRN mittlerweile stattfindet, nicht gut finden: Zu viel Kommerz und Bierzeltatmo, zu wenig dessen, was das Stadtteilleben ausmacht. Ich sehe schon auch, dass eine Reihe an Sachen abgehen, das die ursprüngliche Idee ad adsurdum führen. Andererseits habe ich mich damit auf allen Ebenen beschäftigt um zu Wissen, dass man Kommerz niemals richtig aufhalten kann auch wenn man noch so sehr möchte und die Organisation dieser Verstaltung nunmal nur auf einer gewissen rechtlichen Grundlage stattfindet, auf die man bis Mitte der 90er einfach keinerlei Rücksicht nehmen musste und deswegen unmögliches möglich machte. Damals gab es einfach einen Ausnahmezustand, der leicht auch gerne mal vollkommen gekippt ist. Trotz alledem fanden sich auch dieses Jahr eine Menge toller Angebote, die nicht vollkommen kommerzgesteuert sind, und irgendwie ist es schon wahr, dass man, wenn man das oft genug erlebt hat, bestimmte Dinge wohl nicht mehr so richtig wahrnimmt, sondern sich auf die Sachen konzentriert, die man wichtig und interessant findet.

Jedenfalls werde ich sicher auch das nächste Jahr wieder zur BRN in Dresden sein und hoffe, auch noch ein paar Leute aus dem Rheinland mitzunehmen. Es ist und bleibt bei aller Kritik einfach wohl eines der schönsten Strassenfeste, zumindest in Deutschland.

Der Weg zurück ins Rheinland war dann doch ziemlich anstrengend, weil 600 Kilometer Fahrt nach 2 Tagen Intensiv-Neustadt dann doch sehr viel sind. Immerhin gab es aber auch nette Dinge wie z.B. “Eisbär” an der Raststätte in Eisenach oder die Tatsache, dass wir für diese Entfernung mit dem Mietwagen nur 35 Euro Sprit bezahlen mussten. Glücklich und geschafft waren wir dann 4 Uhr früh wieder in Bonn und haben gleich mal ein paar Nerds auf der Strasse getroffen, und ich habe nun mit Ausnahme meiner Platten fast mein ganzes Zeug an dem Ort, wo ich mich grade die meiste Zeit aufhalte und auch noch ‘ne Weile aufhalten werde.

Fotos von der diesjährigen BRN findet man u.a. bei Flickr mit den Tags brn2006 und brn.

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Ulrike Maria Meinhof

Setting Orange, 24th Confusion, 3172.

Ulrike Meinhof

Im Rahmen der Reihe “Die Bonner Republik” wurde letzten Freitag in der Oper Bonn das Tanztheaterstück Ulrike Meinhof letztmalig aufgeführt. Entstanden schon 1990 begann das Ganze mit einer Zustandsbeschreibung der Wendezeit, die mich anfänglich ziemlich aufregte, weil ich vermutete, dass diese Malen-nach-Zahlen-Bilder das Stück bestimmen würden. Aber ich hatte mich glücklicherweise darin komplett getäuscht: Das Stück war nicht nur gut sehr inszeniert und choreographiert, auch die Bühnenbilder waren richtig toll. Das Stück erzählte bruchstückhaft die Lebensgeschichte Ulrike Meinhofs, und die mit ihr verbundene Zeit des heissen Herbstes, in dem, ähnlich wie 2001, eine Menge sehr komischer Gesetze ins Leben gerufen wurden, und in der Hysterie irgendwann ein Krieg entstand, der bis heute seine Nachwehen hat. Jedenfalls fand das Stück in einer Form seinen Ausdruck, der mir mehr als einmal kalte Schauer über den Rücken laufen liess.

Das war nun also innerhalb kurzer Zeit schon das zweite Mal, dass ich mit der Nase auf diese Person der jüngeren Zeitgeschichte gestossen wurde (das andere Mal war ein Artikel über die Biographie, die von der Tochter jüngst veröffentlicht wurde). Interessant für mich persönlich ist dabei die Erinnerung daran die schon fast vollkommen vergessen hatte, dass ich als 14/15 jähriger in Bilder von Ulrike Meinhof verliebt war.

Anfang der Achtziger hatte ich schon meine ersten traumatischen Erlebnissen auf Demos hinter mir, auf denen ich, als friedlicher Demonstrant, heftige Prügel durch Polizisten eingestecken musste. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, welche Demos das im Einzelnen waren — Anti-AKW, erster Mai oder sowas. Ist im Grunde genommen auch egal. Ich konnte eine gewisse Sympathie für die RAF und deren Anschlagsziele auf Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft nicht verhehlen, war im Kern aber eigentlich Fan eines eher fnordigen Spassguerilla-Ansatzes denn eines bewaffneten Kampfes. Auch damals habe ich mich schon ziemlich mokiert über die seltsame Einseitigkeit in Berichten über den “linken Terror”, weil in der Zeit um den heissen Herbst rum, als die RAF ca. 30 Leute ermordet hatte und etwa 20 Leute aus deren Reihen auf verschiedene Art zu Tode gekommen waren, durch den rechten Terror, der nur sehr sporadisch überhaupt als solcher erwähnt wurde, wesentlich mehr Leute getötet und verletzt wurden (siehe Wehrsportgruppe Hoffmann und den Bombenanschlag auf das Münchner Oktoberfest 1980).

Ich hatte damals 2 kleine Bilder von Ulrike Meinhof aus Zeitschriften ausgeschnitten und hatte diese in meinem Portemonnaie ständig bei mir (und hatte auch einige Male bei Verhaftungen richtig Ärger deswegen). Ich kann nicht mehr sagen, ob die Bilder aus einer Zeit vor oder nach ihrem Weg in den Untergrund aufgenommen wurden, ich erinnere mich aber noch genau, dass mich ihr ernsthaftes Wesen faszinierte. Ich las einige ihrer Konkret-Artikel und habe so ziemlich alles verschlungen, was sich mit ihr beschäftigte. Irgendwie vermittelte sie für mich das Bild, dass Kampf, Widerstand und Befreiung irgendwie sexy und trotzdem etwas Wichtiges und Ernstes ist. Damals hatte ich allerdings auch noch keine wirklich so tollen sexuellen Erfahrungen. Rückblickend betrachtet wundert mich jedenfalls überhaupt nicht, dass ausgerechnet sie _das_ Postergirl für eine romantisierte Vorstellung einer “Revolution” diente: Hoch intelligent, äusserst gutaussehend, entschlossen aber trotzdem ganz offensichtlich sensibel und verstört.

Heute muss ich darüber schmunzeln. Vieles was ich damals über die RAF und ihre Mitglieder, den Kampf gegen Schweinestaat und Kapatalismus gedacht habe, hat sich ziemlich relativiert. Ja ich bin wohl mit den Jahren sowas wie ein Demokrat und “guter” Staatsbürger geworden, der sich sehr um den Bestand unser Gesellschaft, deren Entwicklung und hart erkämpften politischen und sozialen Errungenschaften grosse Sorgen macht und mittlerweile mit aufrichtiger Bewunderung und Hoffnung gen Karlsruhe als eine der letzten Bastitionen gegen allzu grosse Einschnitte der Bürgerrechte und persönlicher Freiheit blickt. Das heisst aber auch nicht, dass ich die Analysen über den Zustand unserer Gesellschaft nicht doch in Auszügen teilen würde, mit dem Unterschied, dass ein Grossteil der im Dritten Reich tätigen und in die damalige neue Bundesrepublik übernommen Staatsdiener mittlerweile einfach verstorben oder zumindest verrentet sein sollten.

Jedenfalls finde ich es nach wie vor wichtig, sich mit der Geschichte der RAF, die der einzelnen beteiligten Personen, die Zeit der Nach-68er und der dort vorherrschende Stimmung auseinander zu setzen, die Beteiligung von Seiten des Staates beim Aufbau dieser Gruppe und deren Mythos zu beleuchten sowie der Frage, was es heutzutage aus dieser Geschichte zu lernen gilt. Es gibt dort meiner Meinung nach immer noch eine Menge Dinge zu diskutieren, und eigentlich sollte es an der Zeit sein, das in einer Atmosphäre zu tun, die nicht ausschliesslich von paranoia geprägt ist. Gute Ansätze zumindest im Künstlerischen gibt es ja schon eine ganze Weile (z.B. Die Stille nach dem Schuss), trotzdem reicht das natürlich nicht. Denn letztendlich gibt es beide Seiten, die Fraktion der Sicherheitsfanatiker und die der Leute, die die Auflösung der bürgerlichen Freiheiten befürchten, und die Frage ist und bleibt, wie man gesellschaftlichen Diskurs schafft, der nicht wieder in einem bewaffneten Kampf endet, der nichts erreicht und niemandem etwas nützt.

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CCC Französisch-Nerditalien

Setting Orange, 19th Confusion, 3172.

Gestern wurde im Netzladen der CCC Französisch-Nerditalien aka C3B3 (CCC Bereich Bundesstadt Bonn) aka C3BN aka CCC Bonn aus der Taufe gehoben. Man darf sehr gespannt sein …

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WM-Repräsentanten-Spiel

Prickle-Prickle, 18th Confusion, 3172.

[13:37:20] HA! Costa Rica, ich hätte dann gerne ne neue Flasche Vittel :)

Mehr dazu beim Technorat und r0ckr. Ach ja: Jens bzw. die Elfenbeinküste verliert hoffentlich noch Mal.

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GPN5 - Smack my bit up

Pungenday, 17th Confusion, 3172.
Events fukami 38470 1 Comment | Trackback URI

GPN5 - Smack my bit up

Wie zu erwarten war die diesjährige GPN wieder total Klasse. Ich bin ob meines Tallinnaufenthaltes erst Samstag mittag in Karlsruhe etwas geschlaucht angekommen und habe so schon z.B. das PowerPoint-Karaoke verpasst.

Auch an anderen Vorträgen habe ich Einiges bedauerlicherweise verpasst, wie z.B. den Vortrag von Hannes zu Secure Networking, den Vortrag von mcfly zu seinen Beobachtungen in den USA zur Hackerszene oder Kullas Lesung “Don’t spread the word - cut-up & code!”. Die Sachen die ich gesehen habe waren allerdings ganz toll: Manuel hat was zum elektronischen Musizieren gemacht, was zwar wie immer ganz schön wild und chaotisch war, aber er quasi nebenbei eine ganze Menge Dinge erklärt hat, die als Grundlagenwissen nötig sind. Neingeists Vortrag zur Konfuzianischen Philosophie beim Programmieren war der Hammer — sowohl hintersinnig als auch kurzweilig. Er hat es durch einen interessanten Trick geschafft, dass die Leute voll dabei waren, weil sie das angebliche Fehlen eines Gong-Sounds beim Wechsel der Folien ausgleichen mussten. Gefallen haben mir zudem die Lightnig Talks, in denen es unter anderem um so interessante Dinge wie einen in Python geschriebene qemud mit geplanter XMLRPC-Schnittstelle, Gameboy-Hacking, XGL oder Xiangqi (dem chinesisches Schach) ging.

Dafür hatte ich aber die 2 Tage über eine ganze Reihe spannender Gespräche über Chaos und Diskord und verdammt viel Spass. Das Netz war die ganze Zeit über sehr stabil und schnell, es gab literweise Tschunk, ich war sehr gefreut die ganzen arschcoolen Mitglieder des illuminierter Zirkels ohne Doppelpunkt alle mal wieder zu sehen und war hoch erfreut, wer so alles den Weg nach Karlsruhe gefunden hat. Wir sind zwar in der Abschlussveranstaltung aufgefordert worden auch über die Sachen zu schreiben, die uns nicht gefalen haben, aber ich muss sagen, das das einzige aus meiner Sicht eigentlich nur der Fakt ist, dass die Veranstaltung viel zu schnell wieder zu Ende ist. Leider musste dann ich ob meines Jobs Sonntag schon wieder zurück nach Bonn fahren und konnte leider nicht wie letztes jahr noch ein paar Tage chillen im Karlsruher Club ranhängen.

Die GPN hat sich einmal mehr als eine der Events präsentiert, die für mich persönlich die besten Seiten des Chaos widerspiegeln und in jedem Fall zu meinen Lieblingsveranstaltungen zählt. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Jahr!

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