The Turkey Curse
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Leben wie Gott in Bonn I

Pungenday, 73rd Chaos, 3172.

Dresden ist nicht wirklich der Hort, an dem, hart ausgedrückt, Lukullus einer abgehen würde. So ziemlich jedes chinesische Restaurant wird von Vietnamesen gemacht, in der Neustadt besteht eine ziemlich Flächendeckung an Döner- und Dürüm-Läden und die Suppenbars sind eher La-La. Rühmliche bezahlbare Ausnahmen gibt es, aber schon der Mangel an Ausländern und deren Küche lässt das dort existierende Essen eher eindimensional erscheinen, und spanisches oder mexikanisches Essen von Deutschen zubereitet ist eben doch was anderes als man wirklich will. Ganz anders Bonn. Dank meines kulinarischen Führers Jens habe ich bisher einige wirklich bemerkenswerte Kleinode vor allem asiatischer Prägung entdecken können.

Beginnen will ich die Vorstellung meiner bisherigen Favouriten in Bonn mit der _Ichiban Noodle Bar_ in der Rathausgasse, gelegen zwischen Innenstadt und Uni. Dort gibt es, surprise surprise, japanische Nudelsuppen, die sowas von anders sind als dieser Glutamatschrott, den man sonst mit asiatischen Fertig-Nudelsuppen asoziiert. Überhaupt sehen die meisten Deutschen Suppen nicht unbedingt als vollwertige Mahlzeit an — von den klassischen schweren Hülsenfrüchten- und Kartoffelsuppen einmal abgesehen. Als Gast im Ichiban kann man aus verschiedenen Suppen als Grundlage wählen wie z.B. Tofusuppe oder “Schweinesuppe”. Es gibt 3 verschiedene Sorten Nudeln: Ramen, Udon (beides Nudelsorten aus Weizen) und Soba (Buchweizen-Nudeln). Zum Schluss wählt man die Toppings je nach Geschmack: Scharfes Hackfleisch, Fisch, Garnelen, Gemüse o.ä. Die Ichiban Noodle Bar gehört zur Sushi-Bar gleichen Namens, die direkt an der Uni gelegen ist, so dass man in der Nudelbar natürlich auch japanisches Sushi bekommen kann.

Nicht weit von der Nudelbar in der Bonner Innenstadt gibt es Nahe Beethovens Geburtshaus ein koreanisches Restaurant mit Namen _Delicious Courtship_ — 맛있는 청혼. Benannt ist dieses Restaurant einer etwas seltsamen koreanischen Seifenoper, einer Art Romeo und Julia, nur das die beiden Familien Restaurants besitzen. Dort habe ich das erste Mal mit der koreanischen Variante des Sauerkrauts Bekanntschaft gemacht, die sich Kimchi nennt und in Korea wohl zu so ziemlich jeder Mahlzeit dazu gehört. Auch als Suppe ist Kimchi einfach ein Gedicht. Mir persönlich schmeckt ausserdem die koreanische Variante des Sushis, Kimbap, besser als das japanische Pendant. Sehr lecker finde ich auch 떡볶이 (Tteokbokgi), einen schlangenförmigen in kleine Stücke geschnittenen Reiskuchen mit einer süßlich-scharfen Sosse. Mittags gibt es im Delicious Courtship zwischen 12 und 15 Uhr ein All-you-can-eat-Buffet, dass mit 7,50 Euro nicht nur günstig ist, sondern auch eine guten Überblick über einige der überaus leckeren Speisen verschafft, die es dort auf der Karte zu finden gibt. Die Vielfalt lässt jedenfalls meine Geschmackknospen in Freudentaumel ausbrechen und es ist schwer darüber nachzudenken, ohne dass mir gleich schon wieder das Wasser im Mund zusammenläuft. Jedenfalls sehr empfehlenswert und nicht sehr teuer.

In der Weststadt nicht fern meines Wohnortes auf dem Sachsenweg Ecke Vorgebirgsstrasse gibt es das etwas abgelegene vietnamesische Restaurant _Saigon_. Seltsamerweise gibt es nur sehr wenige Restaurants mit vietnamesischer Küche. Die allermeisten Vietnamesen scheinen eher chinesische oder thailändische Küche anzubieten, was umso erstaunlicher ist, als das diese einige überaus leckere kulinarische Überraschungen bereit hält. Eine wirklich leckere Sache sind z.B. “Glückrollen” — Gemüse, Nudeln Garnelen und Schweinefleisch umwickelt mit Reispapier, die wohl als Appetitanreger gedacht sind und nach dem ersten Bissen das Gehirn sofort in einen “will mehr”-Modus verfallen lassen. Interessant an der Speisekarte im Saigon finde ich, dass das Essen nicht wie üblich nach den Fleichsorten sortiert ist, sondern eher nach den Gewürzen, z.B. Koriander, Tamarinde oder Knoblauch. Macht eigentlich sehr grossen Sinn. Eine Spezialität, die ich leider noch nicht gegessen habe, die aber auf meiner Liste steht ist Phở, eine traditionelle vietnamesische Reisnudelsuppe. Da diese Suppe sehr viel Vorbereitung braucht gibt es diese nur montags im Saigon (soweit ich verstanden habe). Eine andere interessante Sache ist der vietnamesische Kaffee, über den Jens ausführlicher gebloggt hat. Das Saigon wird mir aber sicher in Zukunft, genau wie das Delicious Courtship, noch so einige Freude und Überraschung bereiten, da bin ich mir ganz sicher.

Damit soll es im ersten Teil erst einmal genug sein. Auf meiner Liste stehen noch eine ganze Reihe weiterer Lokalitäten wie z.B. das _Tuscolo_, das selbst Italiener als sehr gutes Restaurant bezeichnen, das Steakhaus in Poppelsdorf oder das _Hong Kong_ am Rhein. Jedenfalls gibt es noch eine Menge kulinarischer Orte für mich zu entdecken und freue mich schon sehr auf zukünftige Gaumenspektakel.

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6 Comments »

  1. Ach alte Heimat :-)

    Also das Tuscolo solltest du wirklich probieren, das ist eines der besten italienischen Restaurants die es in Deutschland gibt.

    Bon appetit!

    Comment by Toto — Pungenday, 73rd Chaos, 3172. @ 51338

  2. Vor Besuch des Tuscolos aber unbedingt einen Tag nix essen, sonst schaffst du die Wagenrad-Pizza da auf keinen Fall… Und Sonntags in der Rheinlust brunchen, in der Sonne im Wintergarten sitzend. Und wenn du schon dabei bist, probier unbedingt mal das China-Schiff aus - das hab ich mich damals naemlich nicht getraut ;)

    Comment by tina — Pungenday, 73rd Chaos, 3172. @ 51974

  3. Es fehlen eigentlich auch noch das Taste of India für den gehobenen Geschmack und das Mogul für den gutbürgerlichen Genuss indischer Küche…

    Comment by Jens — Pungenday, 73rd Chaos, 3172. @ 55295

  4. Kennst du schon den Rai Rai Imbiss?
    Hehe, nur ein Scherz. Ich meine natürlich den Eller Asia Shop in der Ellerstr. Dort gibt es u.a. Kimbap zum Mitnehmen am laufenden Band und günstig.

    Comment by Angelo — Pungenday, 73rd Chaos, 3172. @ 83716

  5. die tuscolo pizza ist nur ein kleiner snack, mehr nicht.

    Comment by Nico — Pungenday, 73rd Chaos, 3172. @ 86251

  6. Sehr zu empfehlen, allerdings in Düsseldorf gelegen ist 不见不散 “Bujian busan”. Liegt in der Nähe vom Bahnhof und ist der beste Chinese in ganz Deutschland. Originales Sichuan-Essen, bei Bedarf auch ultra-scharf. Unbedingt ausprobieren!!!

    Comment by 克里斯 — Setting Orange, 47th Discord, 3172. @ 64555

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