The Turkey Curse
fukamis terror chatroom

Vorstellung

Prickle-Prickle, 37th The Aftermath, 3171.

Heute hatte ich das erste Mal seit ewigen Zeiten ein Vorstellungsgespräch für einen Job, der mich wirklich interessiert. Bei dem Job geht es um Webentwicklung, in erster Linie auf PHP-Basis, und die Firma macht mir den Eindruck, als entwickelt sie sich grade erst und steht eigentlich am Anfang — was ich eher als positiv empfinde. Ich kann nur sehr schwer einschätzen, was ich für einen Eindruck hinterlassen habe, aber von meiner Seite aus ist es gut vorstellbar dort anzufangen. Mir ist aber auch klar, dass ich nicht zuviel Hoffnung darauf legen kann, denn mir ist ebenso klar, dass man, um eine Vorstellung von meiner Person zu bekommen, einiges an Zeit mit mir verbraucht haben muss. Notfalls habe ich aber noch andere Vorstellungstermine, so dass ich davon auch nicht sterbe wenn es nicht klappt. Egal wie, ich bin immer noch zuversichtlich, nein sicher, dass es mit einem Job ab Anfang des Jahres klappt.

Eine Sache muss ich aber noch loswerden, denn es stand indirekt eine Frage im Raum, die zu beantworten mir vergelcihsweise wichtig ist. Es ging darum, warum jemand 2 Jahre lang arbeitslos ist, wenn dieser doch angeblich eine fähige Person sei. Ich versuche es mal stark verkürzt zu erklären, auch wenn es natürlich nur einen winzigen Bruchteil des Ganzen zu beleuchten vermag. Aber das hier ist ja schliesslich ein Weblog …

Vor etwas über 2 Jahren hatte ich eigentlich mehr oder weniger alles was ich als persönliche Ziele im Kopf hatte. Ich hatte kein Verlangen nach einem Boot, einem Haus oder einer l33ten Karre, ich hatte einfach einige stressige aber sehr gut bezahlte Jobs, eine wirklich tolle Freundin und auch sonst war eigentlich alles in trockenen Tüchern, zumal ich schon immer versuche meinen eigenen Vorstellungen und Träumen zu folgen. Trotzdem war ich ab irgend einem Zeitpunkt sehr unzufrieden, und diese Unzufriedenheit wurde immer stärker, so stark, dass kein toller Sex, Musik und auch keine Drogen irgendwas daran verändern konnten. Ich habe lange gebraucht um zu verstehen, woher das kam, und eigentlich weiss ich es bis heute natürlich nicht wirklich ganz genau. Ich vermute, dass es sowas wie eine Midlife-Crisis war, die Frage also, ob das denn alles gewesen sein soll, denn ich arbeitete schon immer ohne grössere Pausen seit ich denken kann. Es gab zwar auch genug andere Sachen, die mich interessiert haben, aber ich hatte den Drang, alles von jetzt auf gleich komplett zu verändern. Irgendwie bin ich dabei allerdings übers Ziel hinaus geschossen, und zwar so weit, dass ich am Ende sogar obdachlos wurde.

Obwohl das für einige Menschen ganz schrecklich klingen mag, es war trotzdem ausserordentlich wichtig für mich, denn ich habe eine Menge wichtiger Dinge über mich in den letzten 2 Jahren gelernt, und das möchte ich nicht missen. Vor allem bin ich mir selbst ein ganz gehöriges Stück näher gekommen. Vielleicht wäre das auch anders gegangen, vielleicht schmerzfreier. Aber ich denke, jeder muss einen anderen, eigenen Weg finden um sich ausserhalb der Welt seiner Fetische zu verstehen, die einen am Ende doch nicht beschützen wenn’s _wirklich_ darauf ankommt. Aber noch etwas anderes sehe ich für mich als echte Errungenschaft: Ich bin ziemlich frei von Eigentum und Ballast. Für meinen Wegzug von Dresden brauche ich keinen Laster, eine Autofuhre reicht locker um alles mitzunehmen woran ich hänge — aussser natürlich meinen Freuden die ich zurück lassen muss und was eigentlich der eigentliche Wermutstropfen ist.

Falls es also in Köln nicht klappt, irgendwo wird es klappen. Ich muss zugeben, dass die Wegfahrt von dem Gespräch mir klar gemacht hat, dass für mich so oder so etwas Anderes beginnen wird. Aber ich habe überhaupt keine Angst vor dieser Veränderung, im Gegenteil. Ich weiss, dass es mir einfach nur gut tun wird, zumindest wenn ich nicht an einen totalen Scheissjob mit und bei Scheisstypen gerate.

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5 Comments »

  1. Vorstellungsgesprächsbegleitendes Bloggen, auch schön. :)

    Hättest Du gesagt: “in den letzten 2 Jahren habe ich keinen Computer angerührt, ich war ja arbeitslos”, dann hätte das auf mich nicht gut gewirkt. Aber so ist das im Vorstellungsgespräch nicht rübergekommen und ich wurde ja auch schon im Vorfeld gebrieft…

    Comment by Nico — Prickle-Prickle, 37th The Aftermath, 3171. @ 32697

  2. find ich faszinierend.

    ich bin da immer etwas anders. oft mache ich die vernünftigen sachen, obwohl ich lust auf etwas anderes habe.

    gut vorangekommen bin ich trotzdem und im nachhinein eigentlich auch immer nicht traurig, mir in den arsch getreten zu haben. jetzt ist nur die frage:

    was ist besser?

    Comment by peter — Setting Orange, 38th The Aftermath, 3171. @ 62052

  3. Auch wenn’s für die Entscheidung komplett irrelevant ist, machtest du einen sowohl persönlich als auch fachlich sehr kompetenten Eindruck, soweit ich das als Praktikant beurteilen kann. Ich freue mich drauf, dass du hier anfängst. Nach dem wie ich dich erlebt habe und nach der guten Publicity von Jens wird das sicher sehr, sehr nett. Bis dann.

    Comment by Lars Strojny — Boomtime, 40th The Aftermath, 3171. @ 32781

  4. schleimer.

    Comment by Nico — Pungenday, 41st The Aftermath, 3171. @ 44452

  5. Zzz. Und das von dir?

    Comment by Lars Strojny — Pungenday, 41st The Aftermath, 3171. @ 55938

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