The Turkey Curse
fukamis terror chatroom

Danke Sony BMG

Setting Orange, 23rd The Aftermath, 3171.

Ihr habt wirklich geschafft, euch mit eurer Aktion vollends zu diskreditieren. Rootkits oder Kernelextensions installieren, bewusste Datenmanipulation vorzunehmen, laufende Systeme destabilisiert und unbedarfte User zu leichter Beute für Viren und Trojaner zu machen ist ja schon ein starkes Stück und sowieso überhaupt nicht hinnehmbar, schon gar nicht von einem lausigen Distributor von in grossen Teilen grottenschlechtem Mainstream-Mülls. Aber um eure IP gegen den teilweise ausdrücklichen Willen von Labels und Künstlern durchzusetzen selbst Lizenzen zu verletzen wird euch das Genick ein für alle mal brechen, da bin ich mir ziemlich sicher.

Aber wirklich absurd wird’s ja, wenn man im Hinterkopf hat, dass ihr gar nicht wirklich was gegen Piraten macht (den Kampf habt ihr doch längst innerlich aufgegeben). Es gibt nämlich von euren DRM-Technologie-Lieferanten auf Anfrage (zumindest was SunnComm angeht) Anweisungen wie die CDs dennoch kopierbar sind. Im Kern benutzt ihr eure _zahlenden_ Kunden dazu, eure Doofheit auszubügeln und im Kampf gegen Apples iTMS zu missbrauchen, weil ihr es verpennt habt, vernünftige Angebote zu machen und nun rumheult mit eurem WMA- oder Attrac-Schrott den keiner haben will. Das ist hinterfotzig, feige und verlogen. Andererseits hättet ihr der Welt keinen besseren Gefallen tun können. Eure Initiative hätten sich die Copyright-Aktivisten gar nicht besser ausdenken können, um den Alptraum DRM mit der Gefahr von Viren und Würmern und dem drohendem Kontrollverlust anschaulich zu machen.

Ausserdem kann man euch wohl nun in aller Öffentlichkeit als Verbrecher und verlogene Heuchler bezeichnen, ohne dass man irgendwas zu befürchten hat, denn es ist genau das was man verbrecherisch nennt: Leuten Geld aus der Tasche ziehen und sie zum Dank auch noch zu r00ten. Dass ihr freiwillig solch Munition zur Verfügung stellt kann ich mir nur damit erklären, dass ihr eure Firma bewusst gegen den Baum fahren und euch an irgendwen billig verkaufen oder gar verschenken wollt (man sollte wohl wirklich mal untersuchen, was wer wann an den Börsen von euren Papieren handelt). Danke jedenfalls dafür und auf nimmer Wiedersehen, ich fand euch (also beide) sowieso schon immer unsäglich und freue mich, euch im Staub der Geschichte verschwinden zu sehen.

Ach ja, noch was: Es gibt den schönen Spruch: “Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen”. Mit Glashaus sind eure und die eurer DRM-Lieferanten wirklich lausig geschützten Server und seltsamen Webanwendungen gemeint. Was glaubt ihr wie lange ihr das durchsteht? Und wieso sollte irgendwer annehmen, eure DRM-Systeme seien von euren Dienstleistern bugfreier entwickelt worden als eure Webseiten?

Update I:

Nicht mehr eben frisch, bin aber erst eben drüber gestolpert: Nicht nur, dass Besucher in Kinos und Käufer von DVDs und CDs ständig als Raubkopierer denunziert werden. So Spacken wie Thomas Hesse, seines Zeichens Präsident des Global Digital Business bei Sony BMG, erdreistet sich doch tatsächlich, dieses Statement abzugeben, das nach einem komletten Realitätsverlust klingt (bei NPR, leider als .rm oder .wma):

“Most people, I think, don’t even know what a rootkit is, so why should they care about it. The software is designed to protect our CDs from unauthorized copying, ripping.”

Dazu noch diese Aussage, die schlicht falsch ist, denn euer Player telefoniert nach Hause, überträgt wenigstens Titel und IP (wobei ich wetten möchte, dass man dem Player auch noch ganz andere Dinge entlocken kann):

“No information ever gets gathered about the user’s behaviour, no information ever gets communicated back to the user. This is purely about restricting the ability to burn MP3 files in an unprotected manner.”

Ich musste erst einmal schlucken als ich das gehört und gelesen habe. Auch ‘ne Art, seine Kunden ganz öffentlich als Idioten zu betiteln und ihnen zu zeigen, dass man sie als dummes Nutzvieh betrachtet. Bin ja mal gespannt wie sich das auf euer Weihnachtsgeschäft auswirkt.

Update II:

Der von Sony BMG releaste Uninstaller installiert eine ActiveX-Komponente und hinterlässt so eine ganze Reihe von für jederman remote scriptbare Komponenten mit wohlklingenden Namen wie z.B. ExecuteCode, InstallUpdate oder RebootMachine (zu letzterem gibt es eine Demo für die, die diesen Uninstaller benutzt haben). Eine Übersicht dazu gibt es bei Muzzy’s research about Sony’s XCP DRM system.

Sony BMG: Ihr zeigt ja echt das volle Horror-Programm an Verpeiltheit das man nur zeigen kann.

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1 Comment »

  1. […] Doch vorbei ist es damit noch nicht, insofern, als daß der Uninstaller nicht wirklich nur die diskutierte Stör-Software entfernt, sondern zudem auch noch einen ‘Fernzugriff’ installiert, der es böswilligen Dritten (Sony selbst?) potentiell erlaubt, Code auf den Computern der Nutzer auszuführen. Sehr hübsches Feature, also. Doch während sich verschiedene Medien und Weblogs ausführlich dieser Sache angenommen und kontrovers damit auseinandergesetzt haben, keine wirkliche Einsicht bei Sony: Ich glaube die meisten Menschen wissen gar nicht was ein Rootkit ist, warum sollen sie sich also darum kümmern? […]

    Pingback by [digital:meditation] » Nie wieder Sony — Setting Orange, 28th The Aftermath, 3171. @ 42874

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