The Turkey Curse
fukamis terror chatroom

Soulseek

Sweetmorn, 47th Bureaucracy, 3171.

Filesharing ist heutzutage ein zwei-(oder mehr)schneidiges Schwert. Bisher habe ich nicht so sehr die Notwendigkeit gehabt, mich in den Tauschbörsen zu tummeln, weil ich selbst viele Konserven besitze und in einem Umfeld lebe, in dem viele Leute selbst Musik machen, Platten drehen, Parties und Konzerte veranstalten und generell Musik auf Tonträgern, vor allem Vinyl, sammeln. Dadurch sind natürlich mehrere Sachen von vornherein gegeben: Unabhängigkeit von mainstreamingen Medien, selbstbewuste Suche nach neuem und altem Sound und in vielen Fällen ein sehr direkter Kontakt zu Musikern aller Genre aus aller Welt.

Vor einiger Zeit habe ich allerdings der Recherche halber Tracks von _Clarence G_ gesucht, eines der sehr frühen Aliase von Drexciya. Das Vinyl hatte ein paar Tage zuvor bei eBay für den unglaublichen Betrag von über 12k Euro den Besitzer gewechselt, und in meinem Umfeld gab es auch niemanden, der die Platte oder eine Kopie davon hatte. Daraufhin habe ich das erst Mal seit Jahren wieder einen Filesharing-Client angeworfen und mich auf die, anfänglich sehr erfolglose und frustrierende, Suche gemacht. Dabei benutzte ich zuerst einen eMule-Client, der ständig abstürzte, dann die Nagware Acquisition, zum Schluss aclite (die OSS-Variante von Acquisition). Das brachte alles nichts, und auch die anderen Sachen, die mir so eingefallen sind, habe ich entweder gar nicht gefunden oder konnte nie einen Download-Slot ergattern. Dann gab mir Manuel den Tip, ich solle doch einfach Soulseek benutzen.

Das einzige Mal, dass ich Soulseek benutzt habe, liegt schon eine Weile zurück und war auf dem Mac schlicht 3L (Laden, Lachen, Löschen): Da ging einfach mal nix, der Client stürzte andauern ab und riss u.a. auch den Finder mit den den Abgrund. Von Manuels Tip ermutigt besorgte ich mir SoulseeX (aka ssX). Ob er wusste, was er damit bei mir angerichten würde? Vermutlich schon ;-)

Das Protokoll, dass im Soulseek-Netzwerk verwendet wird, ist nirgendwo offiziell dokumentiert, allerdings haben die Entwickler von SoleSeek das was sie bei der Durchforstung des Python Soulseek-Source Codes und dem Sniffen von Netzwerktraffic rausbekommen haben soweit es eben gehtdokumentiert. Ich bin kein OSS-Zealot, deswegen finde ich nicht-quelloffene Clients nicht so schlimm solange sie tun, keine negativen Auswirkungen auf die Stablitiät meines Systems haben und mich nicht nicht Werbung oder Intrusion anderer Art nervent.

Neben den normalen Möglichkeiten, User als Freunde zu markieren, zu bannen oder zu ignorieren beinhaltet Soulseek die Möglichkeit zum Chat, und ich muss sagen, dass ich in den letzten Wochen sehr viele gute Gespräche über Musik darüber führen konnte, die ich sonst in der Form nur in Plattenläden habe. In dem Netzwerk sind eine Menge totaler Musiknerds, die mich auf so manches Schmakerl hingewiesen haben. Für Leute, die sich mit Musik und Musikern gut auskennen ist Soulseek wohl _das_ Filesharing-Netzwerk. Es gibt auch irgendeine Art von Möglichkeit zur Bezahlung für bessere Downloads, aber ich habe das Konzept ehrlich gesagt nicht verstanden.

Ich frage mich allerdings, warum dieses Netzwerk bisher so unbehelligt von Verfolgung durch die Industrie ist. Nicht, dass ich mir das wünsche, aber seltsam ist es schon. Vorhin hatte jemand die Vermutung geäussert, dass man zwar auch Britney Spears dort finden kann (die mir btw bisher noch gar nicht untergekommen ist, aber das nur am Rande), aber die weitaus grössere Zahl an Musik eben doch eher Indie ist, und deren Ziel ist es eben viel mehr, die User mit ihren Werken bekannt zu machen und dient ja sogar vielen Musikern selbst als Quell von Inspiration und Austausch. Da mag was dran sein. Ich kenne jedenfalls auch eine Reihe von Musikern und DJs, die sich dort umtun. Vielleicht ist es aber auch einfach mit seinen paar Usern viel zu klein. Oder es ist ein heimlicher Versuch der Musikindustrie, um zu sehen, worauf Leute stehen, die nicht so mainstream-fixiert sind.

Clarence G habe ich übrigens sofort gefunden, dazu auch alles andere, das ich bisher gesucht habe. Deswegen hoffe ich inständig, dass dieses Netzwerk noch eine Weile in der Form erhalten bleibt und nicht durch eine Vielzahl an Usern sowohl die Qualität sinkt als auch die Gefahr des Stresses mit der Industrie steigt.

---

2 Comments »

  1. Wo wir gerade bei Filesharing sind, dürfte Dich http://ifpi.de/news/news-656.htm bestimmt amüsieren… ;)
    Cheers,
    Kris

    Comment by kawazu — Pungenday, 49th Bureaucracy, 3171. @ 23494

  2. Danke für den erheiternden Artikel. Die ham se ja nicht mehr alle …

    Comment by fukami — Pungenday, 49th Bureaucracy, 3171. @ 78379

RSS feed for comments on this post. | TrackBack URI

Leave a comment



The fact that no one understands you doesn't make you an artist.

The Turkey Curse is powered by WordPress, template idea by Priss

Entries (RSS) and Comments (RSS).
Generated in 0.088 seconds.