The Turkey Curse
fukamis terror chatroom

Was soll man nur mit all den Leuten machen …

Prickle-Prickle, 10th Bureaucracy, 3171.

… die gesellschaftlich nicht gebraucht werden?

Ist es eigentlich wahr, dass die Bundesregierung Herrn Maatz diese Frage hat stellen lassen, weil er auf Grund seiner Erfahrung mit der ostdeutschen Seele geeignet erscheint, darauf eine Antwort zu finden? Interessante Frage jedenfalls, so oder so - wobei in dem Fall auch die Antwort(en) nicht uninteressant sein dürfte(n).

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6 Comments »

  1. wie wär’s mit in vollen Zügen geniessen lassen?

    Aber eher wartet der Steinbruch auf die Arbeitslosen, statt die Erkenntnis, dass der technische Fortschritt menschliche Arbeitskraft überflüssig macht.

    Comment by tingli — Prickle-Prickle, 10th Bureaucracy, 3171. @ 73276

  2. auf solche fragen gibt es keine brauchbaren antworten, zumindest nicht jetzt. derzeit ist wahlkampf, und, um einen liebgewonnenen spruch zu verfremden: when wahlkampf begins, truth disappears…

    Comment by kawazu — Setting Orange, 11st Bureaucracy, 3171. @ 33494

  3. Sicher gibt es richtige Antworten. Aber die sind unter den derzeitig akzeptierten Axiomen für die meisten Leute nicht denkbar. Statt “Arbeit ist Scheiße, das Leben ist zu schön um 8 Std. lang sinnlosen Schrott zu machen”, rufen die Leute nach “Ausbeutung für alle”.
    Im Kapitalismus werden Krisen durch Überproduktion hervorgerufen. D.h. wenn genug “Zeug” da ist. Und die ständige Optimierung der Produktionsprozesse lässt halt viele Leute überflüssig werden. Da kann keine Partei daran rütteln so sehr sie es auch behaupten mag. Es ist halt das Seltsame, dass durch den technischen Fortschritt immer mehr Menschen ausgeschlossen werden. Sozusagen aus der Kapitalimusmaschine ausgespuckt werden.

    Comment by tingli — Setting Orange, 11st Bureaucracy, 3171. @ 42625

  4. @tingli: Was den zweiten Teil betrifft, gebe ich Dir recht, und zwar nahezu uneingeschränkt.

    Aber eben nur nahezu uneingeschränkt, was auch damit zu tun hat, daß ich Dir im ersten Teil gar nicht zustimmen kann. Muß Arbeit notwendigerweise Ausbeutung sein? Wie definieren wir Arbeit überhaupt? Ist Arbeit das, was Leute für acht Stunden pro Tag in der Fabrik am Fließband Schrauben irgendwo reindrehen läßt, oder ist Arbeit das, was uns in irgendeiner Form hilft, unseren Lebensunterhalt zu verdienen?

    Genau hier sollte man meiner Meinung nach ansetzen. Was ist daran auszusetzen, jeden Tag acht Stunden lang etwas zu tun, was man gern tut, und sich damit den Lebensunterhalt erarbeiten zu können (ich zumindest schätze meinen Dayjob, ich mache im Wesentlichen das, womit ich auch einen Großteil meiner Freizeit zubringe, und, well, wenn ich damit (a) noch selbst die nötigen Resourcen für Internet, Nahrung, Wohnung,… erarbeiten und (b) im Kontext eines kleinen Unternehmens dabei helfen kann, daß auch andere genau dies schaffen - warum nicht)? Was ist daran falsch, daß die Industrialisierung und Automatisierung Arbeitsplätze “wegrationalisiert”, auf denen Leute stundenlang jeden Tag mit Mißmut irgendwelche stumpfsinnigen Tätigkeiten ausüben? Ich halte das durchaus für Fortschritt, technisch wie menschlich…

    …das Problem sehe ich eher dort, daß wir darin scheitern, auch den nächsten Schritt zu gehen, jedem, der gewillt ist, die Möglichkeit zu geben, zu “arbeiten” in einer Art und Weise, die sie/ihn ausfüllt, befriedigt, das Gefühl verschafft, jeden Tag wieder etwas Sinnvolles zu tun. Dahin sollten wir kommen - dahin, daß sich jemand, wenn er das denn will, ohne nennenswerte Probleme auf eigene Füße stellen und für sich arbeiten kann, ohne eben in den Klauen irgendeines Monopols oder einer Kaputt-Spieler-Firma zu sein. Dahin, daß jeder irgendwie die Chance zu einer menschlichen, menschenwürdigen Beschäftigung hat. Dahin aber auch, daß die Leute aufhören, wahlweise “Arbeit ist scheiße” oder aber “_Die_ müssen endlich mal wieder Jobs schaffen” zu schreien, sondern erkennen, daß ein Teil der Verantwortung dafür, wie die Gesellschaft aussieht, wie Werte und Menschen in der Gesellschaft behandelt werden, auch bei ihnen liegt.

    Comment by kawazu — Setting Orange, 11st Bureaucracy, 3171. @ 47017

  5. Als erstes muss, glaub ich, geklärt werden was Arbeit ist. Es gibt einen Riesenunterschied zwischen Arbeit und Tätigsein. Wenn ich von Arbeit spreche meine ich natürlich den Bereich der Lohnarbeit, also Schraubendrehen und Geldverdienen. Es ist in der Tat nichts Verwerfliches daran 8 Stunden am Tag was zu tun was man gerne tut. Ganz im Gegenteil der Mensch sollte 24 Std. am Tag das tun was er gerne tut. Jedoch steht ihm die Arbeit dabei im Weg. Arbeit ist nur die Form in der menschliches Tätigsein organisiert ist. So ist der Mensch im Kapitalimsus einer ständigen Abstraktion seiner selbst ausgesetzt. Es geht nur um deine Leistung: wieviel ist dein /dev/brain für Firma xy wert, bist du auch jung flexibel, austauschbar, am besten ohne eigene Bedürfnisse. Unverfroren erscheint gar derjenige der nicht gewillt ist, da mitzumachen.

    Der Versuch das Unmenschliche in nette Floskeln zu verpacken wird erst gar nicht mehr unternommen. Ständig wird dir gesagt: man muss sich gewinnbringend verkaufen; bist nur eine Ware die existieren darf, wenn sie einen Zweck erfüllt. “Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen”. Was erdreistet du dich überhaupt zu leben. Ist die Message. Was du ausserhalb dieser Arbeitssphäre unternimmst, spielt im gesellschaftlichen Diskurs keinerlei Rolle. Das würde bedeuten dein Leben und was du machst zu akzeptieren, aber stattdessen wirst du auf dem Arbeitsamt schräg angeguckt, wenn du sagst, dass noch ein Termin auf dich wartet (”Wie??? sie sind doch arbeitslos.”). Erst wird auf dem Selbstbewusstsein der Leute rumgetrampelt, ihnen vorgehalten sie würden der Gesellschaft auf der Tasche liegen, ihnen vorgeworfen nur betrunken auf dem Sofa zu verwesen, ohne jemals darüber nachzudenken wie er/sie sich einen Besuch in der Oper, den Spanischkurs leisten soll.

    Soll ja schließlich keiner auf den Gedanken kommen, dass es da ein Leben jenseits der Verwertungslogik geben könnte.

    Die Mechanismen des Kapitalimsus sind eigentlich immer die gleichen, wie im Mikro- und Makrobereich geht es immer darum das darwinistische Prinzip “the survival of the fittest” durchzusetzen. Der oder Die bessere kriegt den Job, kann expandieren, die Konkurrenz in die Knie zwingen. Helga’s Würstchenbude gegen Peter’s Imbiss, Mc Donalds’s vs. Burger King, Microsoft ‘gainst you and me, Ich-AG gegen Du-AG. Dafür steht die Arbeit. Mich und das was mir Spaß macht in das enge Korsett der Arbeit zwängen zu lassen und mir damit die Luft zum atmen nehmen zu lassen? Nein Danke. ICh glaube nicht an das bürgerlichr Versprechen der Selbstverwirklichung in der Arbeit. Bei LIDL sind sogar zwischenmenschliche (Liebes-)Beziehungen unter den Angestellten verboten. An einem Ort an dem die Rationalität herrscht ist kein Platz für emo’s und normales menschliches Verhalten.

    Du redest von den Klauen eines Monopolisten. Aber eigentlich
    ist man immer in den Klauen des “abstrakten Verwertungszwang”
    gefangen.

    Comment by tingli — Setting Orange, 11st Bureaucracy, 3171. @ 73474

  6. Du hast in vielen Punkten recht, aber ein paar Sachen kann ich trotzdem nicht unterschreiben:

    (a) Arbeit, die dem Tun des Menschen täglich im Weg steht. Wie gesagt, ich sehe es nicht so. Das Problem, was ich vielmehr sehe (wo ich Dir mit dem “gewinnbringend verkaufen” zustimme), ist hier: Wir reden gern von Job oder Dayjob, wir vergessen darob das “schöne deutsche” Wort Beruf, was irgendwie von Berufung kommt - ich bin der festen Überzeugung, daß die gesamte Betrachtung, in der wir uns hier ergehen, hinfällig wird, wenn es einem Individuum gelingt, zu seiner Berufung zu finden (insofern das, was Spaß ist, und das, was Du als Arbeit bezeichnest, auf eine Linie zu bringen). Leider spielt hier das Finden eines “Berufes als Berufung” in der Gesellschaft kaum eine Rolle, werden junge Menschen bei der “Job”-Auswahl danach getrieben, was einträglich, zukunftssicher, einfach zu erreichen, …, scheint, und nicht nach dem, was sie sich vielleicht wünschen würden, worauf sie auch passen würden. Das ist, nebenbei betrachtet, auch in anderen Punkten fatal für die gesamte Gesellschaft - oder möchtest Du im Krankenhaus von Ärzten und Schwestern betreut, in der Gaststätte von Menschen bedient, unterwegs von Piloten geflogen werden, von denen Du genau weißt, daß sie ihren “Job” nur mit Widerwillen und als “notwendiges Übel” betreiben? Möchtest Du Deine Kinder von Lehrern erzogen bekommen, die “halt eben” Lehrer geworden sind aus welchen Gründen auch immer, denen eigentlich jegliche pädagogische Befähigung, jedes Talent im Umgang mit Kindern fehlt? Ich jedenfalls nicht. Vielleicht sollten wir das in diese “Arbeit”s-Diskussion mit einbringen - wie bringt man eine Gesellschaft auf den Weg, auf dem die Individuen als “Arbeit” der Tätigkeit nachgehen können, in der sie gut sind, die sie gern tun?

    (b) Selbstverwirklichung in Arbeit. Das geht vermutlich nicht überall. Die Frage ist aber dann meiner Meinung nach auch: Hat ein Individuum überhaupt irgendwelche Wünsche, irgendwelche Ziele, die es verwirklichen, erreichen will? Oder (wie der menschliche Prototyp der Spaßgesellschaft, den ich zutiefst verachte) wollen die Menschen einfach hur ihre Zeit mit Nichtigkeiten vertun, shoppen gehen, über Mode und sinnlose Trends nachzudenken, Dinge zu tun, die sie nicht weiterbringen und niemanden anders auch? Daß einem allerdings auch, selbst wenn man es _will_, Berufe oder Tätigkeiten, in denen man sich selbst verwirklichen kann, nicht nachgeworfen werden, ist auch klar. An diesem Punkt sind wir meiner Meinung nach soweit, daß es sowieso gar nicht anders geht - man macht das, was man will, den ganzen Tag über, man müßte es, wöllte man davon leben, aber man denkt eigentlich gar nicht darüber nach, weil man sowieso nichts anderes tun will.

    Im Endeffekt läuft es wohl auf eine Werte-Diskussion hinaus. Ich halte Arbeit (und auch die “Verwertung” persönlicher Talente) nicht per se für schlecht; wichtig wäre es nur, dies in ein gesundes Wertekonzept einzupassen, in dem erkennbar wird, daß dies stets nur ein Teil des Großen Ganzen ist. Aber es sollte ein sinnvoller Teil des Großen Ganzen werden, nicht nur ein Zwang.

    Cheers,
    Kris

    Comment by kawazu — Setting Orange, 11st Bureaucracy, 3171. @ 75533

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