The Turkey Curse
fukamis terror chatroom

Takashi Miike

Prickle-Prickle, 10th Bureaucracy, 3171.
Film fukami 4830 3 Comments | Trackback URI

Ichi the killer

Während in der Kölner Innenstadt ein unerträgliches Walt-Disney-Spektakel tobt, das wirklich nicht zu ertragen und vollkommen absurd ist, habe ich die letzten Tage damit verbracht, mir ein paar Filme von Takashi Miike anzusehen. Miikes Filme sind mir von den Titeln her schon eine ganze Weile bekannt, und von Leuten, die gerne härtere Filme sehen auch schon wärmstens empfohlen worden, bin aber bisher aber noch nicht dazu gekommen, mir seine Filme mal anzusehen. Der bekannteste Film von Miike ist in Deutschland wahrscheinlich Ichi the killer (im japanischen Original 殺し屋1 - Koroshiya 1, was soviel heisst wie Auftragskiller oder gedungener Mörder), der einen Manga als Vorlage hat und welchen ich als ersten in einer ungeschnittenen DVD-Version gesehen habe. Der Herr, der da auf dem Bild so freundlich guckt ist übrigens nicht Ichi selbst (der sieht eher so nett wie Akira aus), sondern sein sadomasochistischer Gegenspieler Kakihara, dessen Wangen aufgeschnitten sind und nur mit Ringen zusammengehalten werden. Gleich in eine der ersten Szene des Films bläst Kakihara effektvoll den Rauch einer Zigaretten aus eben diesen Schnitten.

Takashi Miike wurde am 24. August 1960 in Yao, einem Arbeiterort bei Ōsaka, geboren. Er ist Sohn koreanischer Einwanderer, sein Vater was Schweisser, seine Mutter Näherin. Sein Traum war wohl eine Karriere als Motorradfahrer, den er aber irgendwann aufgab. Er hat einen Abschluss auf der Yokohama Hoso Eiga Senmon Gakko (Yokohama Berufsschule für Funk und Film) gemacht, einer Schule ohne Aufnahmeprüfung. Es gab immer wieder Gerüchte, dass seine Filme durch Geldwäscheaktionen der Yakuza finanziert wurden, was ihm aber nie schlüssig bewiesen werden konnte. Weltweite Bekanntheit erlangte er durch den Horrorstreifen Audition und den Yakuza-Film Dead or Alive. Er hat auch weit weniger heftige Filme gedreht, wie z.B. The Bird People in China, der sehr sanft, langsam und schön ist ohne besonders kitschig zu werden. Aber viele seiner Filme sind eben ziemlich brutal und überdreht.

Miikes Filme grundsätzlich zu beschreiben ist gar nicht einfach. Er überschreitet sehr stilsicher Genregrenzen, macht Action, Soft(sic!)porn, Gangsterfilme und Historienspektakel - manchmal alles in Einem wie beispielsweise in Izo. Seine Bildersprache ist gewaltig, aber ich muss zugeben, dass mich einige der Szenen in manchen Filmen ausserordentlich verstört haben, teilweise so sehr, dass ich mich wirklich wegdrehen musste oder mir die Augen zugehalten habe. Nicht, dass ich in meinem Leben noch keine ästhetisierte Gewalt gesehen hätte, im Gegenteil - in vielen meiner Lieblingsfilme spielt Gewalt eine nicht unbedeutende Rolle. Miike treibt es allerdings wirklich auf die Spitze. Da wird in Ichi z.B. ein Yakuza in einem Fernseher ohne Bildröhre jenem fiesen Kakihara präsentiert, der dessen Gesicht mit Nadeln spickt und am Ende schliesslich auf der Strasse, ausserordentlich kunstvoll in mitten einem Haufen alter Fernseher drapiert, landet.

Die Charaktere in Miikes Filmen sind meist nicht grade besondere Sypathieträger, und auch wenn man deren Geschichte durchaus verstehen und nachvollziehen kann - es will sich keine so richtige Verbindung zu einer der handelnen Person einstellen. Alle haben irgendwelche schlimme, seelische Verletzungen und sind oft derartig aggressiv, dass es kaum zu ertragen ist. In den kurzen Augenblicken, in denen sowas wie Zärtlichkeit oder Nähe im Spiel zu entstehen droht, kippt die Situation auch ganz schnell wieder in eine völlig andere Richtung. Überhaupt hatte ich in den Stories nie so was wie ein Punkt, an dem ich mir vorstellen konnte was als nächstes kommt und mir der Geschichte sicher war - ständig Überraschungen und unerwartete Wendungen, hemmungslose Gewaltausbrüche und dann immer wieder diese wunderschönen Bilder und Sequenzen.

Viele seiner Filme sind jedenfalls wirklich überhaupt nix für schwache Nerven. Ich kann mir sogar vorstellen, dass Miikes Filme bei zarteren Zeitgenossen Alpträume und Psychosen auslösen können. Trotzdem muss ich sagen, dass die Filme irgendwie für mich einen, naja, besonderen Genuss darstellen. Und nein, sie lösen keinerlei sexuelle Lust bei mir aus, es ist etwas anderes, was ich nicht so recht erklären kann. Ich muss aber auch sagen, dass mir bei dieser Art Film einer pro Tag wirklich reicht. Nach Ichi musste ich mir direkt danach einen anderen Film angucken, und die Wahl fiel dabei auf den harmlosen deutschen Klassiker Wir können auch anders, der mein Gemüt wieder einigermassen beruhigen konnte :-)

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3 Comments »

  1. Ich muss nach sowas meistens Disney-Filme gucken… ;)

    Comment by Sv — Boomtime, 23rd Bureaucracy, 3171. @ 33976

  2. zu Audition:
    Ein sehr bizarrer Film, den ich in seiner Haltung ziemlich traurig finde. Seelische Schmerzen vereinen sich mit körperlichen Schmerzen. Ein Film der viele Fragen offen lässt und sehr bildgewaltig ist… anschauen!
    hier eine weitere kritik:
    http://www.resurrection-dead.de/dailydead/audition

    Comment by michel — Prickle-Prickle, 20th Bureaucracy, 3174. @ 42387

  3. Soviel Schwachsinn auf einmal - gott das regt ich auf! Also etwas mehr Recherche oder vielleicht ein Büchlein hätte dir jetzt auch nicht geschadet: Der gute Mann hat Vorfahren in China - nicht Sohn koreanischer Einwanderer - riiiiiesiger Unterschied auch wenn der dir viell. nicht ganz klar ist… kuroshiya 1 kannst du nur als “Auftragskiller” übersetzen und als nichts anderes… (wo zum Teuefel komt gedung…. §”%$!%& her?) Miike als Auslöser für Psychosen…Man echt! Tu mir und der Welt einen Gefallen und schreib nur über Sachen von denen du wenigstens ein bißchen Ahnung hast und das Ganze bitte mit etwas weniger Pathos… kopfschüttel

    Comment by Naja — Setting Orange, 70th Chaos, 3175. @ 46142

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