The Turkey Curse
fukamis terror chatroom

Handtafting for fun and profit

Boomtime, 36th Confusion, 3171.

Die letzten Tage war ich nun endlich mal in Halle/Saale. Bisher ich kannte ich Halle nur von ziemlich netten Parties in der Chaiselounge, wo immer mal die Crowd aufgelegt hat, oder weil ich vor Jahren mal mehrere Stunden auf einen Bahnanschluss warten musste und mir die Zeit mit rumtrödeln in der Innenstadt verbracht habe. Letztendlich kannte ich bisher praktisch Halle als Stadt nicht.

DIe Ankunft war schon leicht absurd. Um den Bahnhof herum ist eine einzige riesige Baustelle, und ich habe mich gleich mal irgendwie verlaufen. Das war allerdings in sofern nicht schlecht, weil ich so gleich die ersten netten Begegnungen hatte. Und überhaupt: Das Erste was mir aufgefallen ist, sind die enorme Anzahl an gut aussehenden Frauen, die es ganz offensichtlich dort gibt. Auch die Stadt selbst ist ein richtiges Kleinod: Die Innenstadt ohne viel rechte Winkel, mit Liebe am Bau und wenig Kitsch, wenig Werbung und einem wie ich finde natürlichem Umgang mit Graffiti. Das Ganze sieht so aus, als hätten sie dort nach der Wende nicht mit aller Kraft versucht, allzu einen auf neudeutsche Zuckerbäckerei zu machen.

Meine Ankunft bei Face war lustig, weil bei ihm eine Flasche Mate mit Herzchen drauf auf mich warteten. Sveno war da, der grade aus Wolfsburg kam, wo er mit seinem golf.zip richtig Geld für den ersten Preis bei so einer seltsamen VW-Foto-Ausstellung gewonnen hat.

Nächsten Mittag dann Burg Gebiechenstein. Nettes Örtchen, aber ich fand nur wenige Sachen, die ich gesehen habe, wirklich bedeutend. Liegt vielleicht auch daran, dass dort vor allem Schulabgänger sind, die noch viel zu sehr daran glauben, dass die Antworten wichtiger als die Fragen sind. Die Kantine in der Burg ist zwar mit Essen um 1 Euro extrem billig, aber dafür auch alles andere als nahrhaft. Dort habe ich einige alte Bekannte beim Essen getroffen und hatte u.a. Spass mit Johannes. Ich mag es, wenn diese dem Irrsinn innenwohnende, befreiende Wahrheiten im Raum sind.

Später war ich dann das erste Mal am eigentlichen Ziel meiner Reise, der Gobelin- und Textil-Manufaktur Halle, an dem ich als Ausgleich für das Zerdeppern einer Skulptur meinen Fron abgeleistet habe und Face beim Fertigen eines Teppichs helfen sollte. Dieser Ort ist einer der letzten übrig gebliebenen Manufakturen dieser Art, da das grosse Textilbusiness in unseren Breitengraden dieser Tage bekanntlich nicht sonderlich gut funktioniert. Ich war sofort total begeistert von den ganzen verschiedenartigen Webstühlen, die dort zu finden sind. Bis auf 3 ältere Stühle mit Endlos-Lochkarten für Muster werden alle sowohl für Produktionen als auch für Design und Kunst genutzt. Im oberen Teil der Manufaktur wird siebgedruckt (seufz, das war ein bisschen wie an dem Ort vom die Feen kommen), im Hof ist die Färberei. Mir ist ein ums andere Mal klar geworden, was für ein abgefahrenes Handwerk die Textil- und Teppichherstellung eigentlich ist und welche seltsamen Parallelen zu Computern sich eröffnen. Mir ist dieser absurde Streit um die Strickmuster, bei dem ein Konzern Hausfrauen verklagen wollte, die diese Muster getauscht haben. Was ist daraus eigentlich geworden?

Hier nun der Sinn der Reise in ein paar Bildern:

Der Kopf der Handtufting-Maschine

Das Handtufting

Das Gewebe auf der Rückseite

Überstehende Fusseln abschneiden

Die Blutstropfen

Zum Abschluss der Arbeit muss noch die Rückseite irgendwie verklebt oder versiegelt werden. Das ist aber erst nächste Woche dran.

Hier ausserdem noch ein paar Bilder von Webstühlen:

Auf nächste Woche Halle freue ich mich schon sehr.

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1 Comment »

  1. Tolle Photos, war bestimmt richtig Arbeit. Da kommt man doch gleich auf den Gedanken mal wieder Loom zu spielen.

    Comment by aquo — Pungenday, 37th Confusion, 3171. @ 40576

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