The Turkey Curse
fukamis terror chatroom

Reinforced Records

Prickle-Prickle, 58th Confusion, 3171.

Reinforced Records

Nachdem ich angefangen hatte mich ernsthafter mit elektronischer Musik auseinander zu setzen bin ich nach einiger Zeit erst einmal total auf Drum and Bass festgegangen. Das ging soweit, dass ich eine ganze Weile fast keine andere Musik gehört habe. Die Assoziation, die vorher diese Art Musik bei mir ausgelöst hat, waren dunkle Keller, zuckende Leiber in Strobo und Nebel und babarisch harter Sound, der mich eher abgestossen hat. Vor allem eine Party mit Bronco Teddy war es wohl, die mich endgültig auf den Trichter gebracht hat, mich intensiver mit der Musik auseinander zu setzen, da er einfach total anderes Zeug dieser Art aufgelegt hat. Zu der Zeit hatte ich als Schwerverdiener die Möglichkeit, mir ein paar Vestax-Plattenspieler und einen Mixer zuzulegen und habe extrem viel Zeit mit dem Kaufen, Hören und DJing dieser Musik zugebracht, zu der Zeit vor allem als to0l25, aber auch als T25, Tank und csh.

Eines der Labels von dem ich viele Platten besitze ist Reinforced Records, das von Dego (Dennis McFarlane), Mark Mac (Mark Clair), Ian Bardouille und Gus Lawrence 1990 gegründet wurde. Am kommerziell Erfolgreichsten ist denn auch Degos und Mark Macs gemeinsame Kollaboration namens 4 Hero, dessen Album Two Pages, erschienen 1998 auf dem Major Talkin’ Loud, sogar von Drum and Bass-fernen Musikmagazinen als Platte des Jahres gefeiert wurde und mit dem Mercury Music Award ausgezeichnet wurde. Es gibt in der Welt dieser Musik wohl kaum andere Künstler, die sich derartig gut auf Arrangements von Streichern verstehen. Die Stücke sind ein phantastischer Mix aus Pop mit Frauengesang (u.a. von Ursula Rucker und Carol Crosby), Ambient und harten Beats, ohne dass es peinlich wird (was bei solche Musik schnell mal passiert). Dego und Mark Mac haben weitere Aliase, z.B. Dollis Hill (nach einem im Stadtbezirk Brent liegenden Gebiet Londons). Dego zeichnet sich für eine ganze Reihe weiterer Produktionen verantwortlich, wie Tek 9 oder das Label 2000 Black. Mark Mac hat sich unvergessen in meine Seele als gebrannt als Special Touch, aber auch als Manix, Maximum Style, Natures Plan und Nu Era.

Das Besondere an Reinforced Records ist meiner Meinung nach vor allem der Fakt, dass es zwar einen Sound gibt, den man getrost als “Reinforced Sound” bezeichnen kann und der als verbindendes Element existiert, aber dennoch nicht mehr desselben ist. Seit 1990 sind über 120 12-Inch-Singles, dazu eine ganze Reihe Longplayer und Compilations entstanden, die teilweise stilbildend waren. Auf dem Label haben so illustre Musiker veröffentlicht wie Alpha Omega (aka Colin Lindo, der als Nubian Mindz auch auf 2000 Black mit Dego zusammen arbeitet und mit Marc Mac als Special Touch), Beta 2 (aka Dom Purcell), Breakage (aka Solar Motion aka Jamie Boyle), Delta (aka Robert Allsop), my beloved Digital (aka Steve Carr, mit dem ich schon eine Menge Spass hatte und auch Mitglied bei Phantom Audio ist), Doc Scott (aka Nasty Habits aka Scott McIlroy), Eniac (aka Robert Bormann), Format (aka Mat Format), Genotype (aka Justin Richardson), meine absoluten Lieblinge Hidden Agenda (aka NOS aka Mark und Jason Goodings), Kabuki und Savine (aka Jan Hennig, auch bekannt als Makai, Megashira oder Ono Sendai und der begnadete Daniel Savine), der unglaubliche Lemon D (aka Afro Kid aka Eskobar aka Souljah aka Kevin King), Leon Mar (aka Torus aka Arcon 2 aka Oil aka Noel Ram), Mark Force (aka G Force aka Mark Lipka), Nebula II (aka Joe Shotter, Tony Thomas und Richard McCormack), Nucleus (aka Dave Simms), Paradox (aka Dev Pandya), Rufige Kru (aka Goldie), Seiji (aka Paul Dolby), Sonic Circle (aka Domu aka Dominic Stanton), Sonic & Silver (aka Accidential Heroes aka Jasper Byrne und Dean Fletcher), Syntax (aka Clint Graham und Shaun Henry) und Zero Tolerance (aka Cian McCann). Mit über 400k verkauftem Vinyl (etwa 300.000 EPs, 100.000 LPs) dürfte Reinforced eines der erfolgreicheren Indie-Labels dieses Genres sein.

Es gab eine ganze Reihe von wirklich guten Compilations von Reinforced Records, die sich meist Enforcers nennen, und die man sicher auch in Filesharing-Netzwerken findet, wogegen die einzelnen Veröffentlichungen eher hier und da als Teil von Mixes auftauchen. Mein letzter persönlicher Kontakt mit einem Labelmember liegt nun auch schon wieder eine Weile zurück. Das war damals Stretch als er bei den King Beatz-Leuten aufgelegt hat.

Ich erwähne dieses Label deswegen, weil ich in den letzten Tagen einen Teil meines Vinyls wieder bekommen habe und angefangen habe, mir diese ganzen Perlen des Drum and Bass wieder zu Gemüte zu führen, wozu während des letzten Jahres weder Zeit noch Raum war. Der Rest meiner Platten, zu denen ein weiterer Teil der Reinforced-Sachen gehören, liegt noch immer im Keller vom Fat Fenders, bei denen ich auch eine Menge dieser Musik in den letzten 8 Jahren erworben habe und wo ich während meiner Obdachlosigkeit die Sachen glücklicherweise unterstellen konnte. Nächste Woche werde ich wohl endlich mal dazu kommen, das ganze Zeug wieder zurück in meine Wohnung zu evakuieren.

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Werbung

Prickle-Prickle, 58th Confusion, 3171.

Leckerer Kaffee

Durch die Klo-Lektüre eines Buches mit Aphorismen von Noam Chomsky bin ich wieder mal auf eines meiner Langzeit-Lieblingsthemen gestossen: “Warum Werbung Scheisse ist”.

Ich persönlich empfinde Werbung für Produkte und Lifestyle als massive Verschmutzung des öffentlichen Raums. Dass diese Werbung Geld in die Kassen der Gemeinden spült ist eine schamlose und hinterfotzige Lüge und Augenwischerei, denn Werbung ist steuerabzugsfähig. Das heisst im Klartext, ich bezahle dafür, dass ich manipuliert und belogen werde, mich minderwertig fühle, weil ich mir die beworbenen Produkte sowieso oftmals nicht leisten kann und mir dazu meine unmittelbare Umgebung zumüllen lasse. Wenn ich aber im Gegenzug zu Verschönerungsmassnahmen meiner Umwelt greifen möchte mache ich mich in den allermeisten Fällen strafbar und werde im schlimmsten Fall mit Hubschraubern der Bundespolizei verfolgt. Das Konzept ist doch vollkommen gaga und grenzt an ein Verbrechen. Nur weil die Industrie die finanziellen Mittel zur Verfügung hat soll sie bestimmen können wie meine unmittelbare Umwelt aussieht und mir die Verbrechensbekämpfer auf den Hals hetzen dürfen?

Da ein generelles Werbeverbot in der Öffentlichkeit mittelfristig kaum durchsetzbar erscheint sollten meiner Meinung die Städte und Gemeinden dazu gezwungen werden können, zumindest als Ausgleich wesentlich mehr Platz im öffentlichen Raum für Kunst und nichtkommerzielle Angebote und Statements zu schaffen. Da auch das wahrscheinlich nicht passieren wird bleibt wohl nichts anderes übrig als weiterhin selbst Hand anzulegen.

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Drexciya

Pungenday, 57th Confusion, 3171.
Music fukami 18404 3 Comments | Trackback URI

Mutant Gillman

Bis zum viel zu frühen Ableben von James Marcel Stinson im September 2002 war der Öffentlichkeit nicht bekannt, wer sich hinter dem Pseudonym Drexciya verbarg, und auch beim anderen Member war lange nicht klar, wer das ist. Da wir im Zeitalter der Entmystifizierung leben ist auch das leider kein Geheimnis mehr: Er heisst Gerald Donald und hat sich den Namen Heinrich Mueller zugelegt.

Drexciya ist unzertrennlich verbunden mit einem der meiner Meinung nach wichtigsten und interessantesten Technolabels, nämlich die in Detroit von Mad Mike Banks, Robert Hood und Jeff Mills ins Leben gerufene Kollaboration namens Underground Resistance (oder kurz UR). Lange Jahre liessen die Mitglieder nicht zu, dass man die fotografiert, es gab keine Touren sondern nur kurzfristig angekündigte Veranstaltungen und Parties, die dann maskiert und in Armyoutfits absolviert wurden und Interviews wurden nur per Telefon gemacht, prägten also das, was anfänglich eigentlich tiefer Ausdruck dessen war, was Technokultur zu einem guten Teil ausmachte: Auflösung des Egos.

Die Veröffentlichungen von Drexciya und ihren zahlosen Sideprojekten sind schier unüberschaubar. Beide waren zusammen LAM (für: Life After Mutation), James Stinson dürfte ausserdem als Abstract Thought, Lab Rat XL, Other People Place, Shifted Phases, Transllusion oder Elecktroids bekannt sein, Gerald Donald ist u.a. bekannt als Arpanet, Japanese Telecom und Der Zyklus oder als Mitglied von Dopplereffekt, um nur ein paar ihrer Sachen zu erwähnen, und veröffentlicht haben sie auf Clone, Warp, Rephlex, Submerge, Tresor und Shockwave Records. Musikalisch ist kaum zu überhören, dass Kraftwerk eine ihrer hauptsächlichen Wurzeln ist, wobei ihre Musik allerdings wesentlich mehr Funk und Sex besitzt. FSK bringen das BTW auf ihrem mit Anthony “Shake” Shakir produzierten Album First Take Then Shake in dem Stück Kinski Jones nett auf den Punkt wie ich finde.

Der Name Drexciya geht laut dem Inlet der Veröffentlichung The Quest von 1997 auf die in den weiten Tiefen des schwarzen Atlantiks lebende und wasseratmende marine Species der Drexciyaner zurück, einem Volk das entstand, als man verschleppte schwangere Schwarzafrikanerinnen zu Tausenden von Bord der Sklavenschiffe warf, weil ihnen beim Arbeiten schlecht wurde und so nur störender Ballast waren. In ihren Tracks geht es um Drexciyan Warriors, Darthouven Fishmen, Lardossans, Sea Snakes und Mutant Gillmen und ihre Veröffentlichungen tragen Titel wie Aqua Worm Hole, Beyond the Abyss, Bottom Feeders, Bubble Metropolis, Danger Bay, Deep Sea Dweller, Digital Tsunami, Doctor Blowfins Water Cruiser, Positron Island, Powers of the Deep, Red Hills of Lardossa, Song of the Green Whale, Soul of the Sea, Temple of Dos de Agua, Under Sea Disturbances oder Wave Jumper.

Ich finde eine Menge schöner Assoziationen in der von Drexciya entsponnenen Welt: Ein Leben unter Wasser, fern der Oberfläche und Oberflächlichkeit, in Invisible City am Meeresgrund, weit weg von störender Öffentlichkeit, wo sich in aller Ruhe über Modelle des Zusammenlebens und des Seins aber auch des Widerstands sinnieren lässt und in dem Dinge so ge- und erlebt werden wie man es für richtig hält, ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Normierung und Zwänge.

Natürlich kann man aber auch einfach zu der Musik Spass haben, tanzen und sich des Lebens erfreuen oder dazu konzentriert arbeiten, denn bei aller wunderschönen Düsternis, die diese Musik verbreitet, ist sie dennoch sehr lebensbejahend, voller Energie und Drive.

Es gibt übrigens ein lesenswertes Weblog, das sich Drexciya Research Lab nennt und sich mit Geschichten, Theorien und Fakten rund um Drexciya beschäftigt.

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VerfGH kippt “Grossen Lauschangriff” in Sachsen

Boomtime, 56th Confusion, 3171.

Der Verfassungsgerichtshof (VerfGH) in Leipzig hat die im April 2004 beschlossene Änderung des sächsischen Verfassungsschutzgesetzes auf Grund der Missachtung des Trennungsverbots von polizeilicher und geheimdienstlicher Arbeit gekippt. “Die Vorschrift verstöße gegen das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung und der Menschenwürde” so die Verfassungsrichter. Völlig aufgehoben werden die Vorschriften allerdings nicht, sondern der sächsischen Staatsregierung bis Juni 2006 für Änderungen Zeit gegeben, um laufende Verfahren gegen die organisierte Kriminalität nicht zu gefährden. Die Klage hatten 30 Abgeordnete von PDS und FDP angestrengt (Az.: Vf. 67-II-04).

Natürlich darf von der CDU-Landtagsfraktion der übliche Hinweis nicht fehlen, dass man wegen der Terrorgefahr eine erweiterte Zuständigkeit des Verfassungsschutzes beibehalten muss. Wer hätte das erwartet…

Quellen:
http://www.mdr.de/nachrichten/2057645.html
http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=906931

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Stickeraward

Boomtime, 56th Confusion, 3171.

Irgendwann vor ein paar Jahren begann auf der ganzen Welt nahezu zeitgleich etwas, dass man fast eine Bewegung nennen könnte: Die massive Produktion und Anbringung von Stickern. Sticker sind billig zu produzieren, leicht zu transportieren und bieten bei weitem keine so grosse Gefahr von Verfolgung wie andere Formen der Street Art, z.B. Graffiti.

Ich bin ja eigentlich gar kein Freund von Wettbewerben, schon gar nicht wenn es um kreative Bereiche geht, weil Entscheidungen doch sehr subjektiv sind. Beim Stickeraward diente der Wettberwerb vor allem wohl dazu, die Leute zu motivieren, ihre Motive mal einzusenden und so einen Überblick über diese Art der Auseinandersetzung mit Inhalten und der Umwelt zu erhalten. Es gab weit über 5000 Einsendungen dazu. Ich beteilige mich grade an der Produktion des Buches zu dem Thema, und der erste Schritt ist das Aussuchen der Motive, was wirklich keine leichte Aufgabe ist. Es gab Einsendungen aus aller Welt und interessant ist aus meiner Sicht, dass die gewählte Sprache weltweit sehr grosse Ähnlichkeiten aufweist. Wir sind immer noch nicht mit der endgültigen Selektion für das Buch fertig, aber ich werde hier mal vor allem auf besondern Wunsch von Astro einige Sticker zeigen, die mir aufgefallen sind, auch wenn das keine besonders repräsentative Auswahl ist. Die Arbeiten, Fotos und Designs, sind teilweise von bestechend guter Qualität, und ich habe nur einen Bruchteil bisher gesehen.

0190ren0190ren
geugeu
0190renkunstfehler
geuengrudo
littlebowskiFusel
svenjo72dpi 1svenjo72dpi 2
fusel
zuloIgnasi
Colino/BabelColino/Babel
losozhine1
valionBernd Fischer
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Diplomausstellungen 2005

Sweetmorn, 55th Confusion, 3171.

Wie jedes Jahr im Sommer finden auch dieses wieder an den Kunsthochschulen die Ausstellungen der Diplomanten statt. Diesmal habe ich zugegebenermassen nur sehr wenig gesehen, aber normalerweise fahre ich gerne in der Republik umher und will wissen, was an den Hochschulen so abgeht. Zumindest hatte aber ich letztes Wochenende das Vergnügen in der HGB Leipzig der öffentlichen Diplomverteidigung von Julius Popp beizuwohnen. Julius ist weit über die Kunstszene hinaus bekannt geworden, da er sich an der Schnittstelle zwischen Kunst, Technik und Philosophie bewegt. Ich finde seine anderen Sachen schon seit geraumer Zeit sehr bemerkenswert, und mir hat sein Diplom gut gefallen (er hatte u.a. ein paar überdimensionale, wie Eierbecher anmutende Holzskulpturen gebaut). Auf seiner Seite sphericalrobots bekommt man einen ganz netten Eindruck von einem Teil der Dinge mit denen er sich so auseinandersetzt.

An der HfBK Dresden werden nächstes Wochenende die Ausstellungen der Diplomanten eröffnet nachdem letzte Woche schon die Rundgänge auf dem Brühl und der Pfote stattfanden. Ich hatte gestern bereits von Fee, die heute ihre Verteidigung hatte, einen Katalog bekommen, und ich muss sagen, dass dieses Jahr die Qualität der Arbeiten ziemlich gut zu sein scheint. Ich werde wohl am Freitag abend dazu kommen mir alles mal IRL anzusehen. Da findet neben der Eröffnung noch in der Cafeteria der Hochschule eine Party statt, zu der TNT und Thousendnamesguy von Idealfun auflegen werden.

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Abgehört

Sweetmorn, 55th Confusion, 3171.

Die sächsischen Strafverfolgungsbehörden haben in den letzten Wochen verschiedenen Leuten eine Benachrichtung über eine Abhörmassnahme im Jahr 2003 zukommen lassen. Wir haben auch so ein Teil bekommen. Ich weiss nicht mehr in welchem Zusammenhang jemand gefragt hatte, ob es diese Benachrichtungen gibt, aber um das mal zu dokumentieren hier ein Bild des Briefes, den wir erhalten haben.

Staatsanwaltschaft Zwickau

Unnötig zu sagen, dass hier keiner von besagter Person jemals gehört hat oder mit ihr in Kontakt stand. Und das sie der Meinung sind, dass es keine “weitergehende Bedeutung” für uns besitzt kann ja wohl echt nur Sarkasmus sein …

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Otto von Schirach

Setting Orange, 54th Confusion, 3171.

Otto von Schirach - Global Speaker Fisting

Wenn es eine Person gab bei ich eine Weile gebraucht habe um dessen Musik zu mögen war es Otto von Schirach. Jetzt, wo ich wieder einmal die Global Speaker Fisting höre (erschienen auf Schematic, einem Label aus Miami, das für exzellente elekronische Musik schon länger bekannt sein sollte), frage ich mich, wieso ich dazu eigentlich so lange gebraucht habe. Ich bin ja eigentlich ein grosser Fan von DSP-Massakern, aber trotzdem sind einige seiner Sachen selbst für mich ziemlich verstörend. Ich erwähne die Global Speaker Fisting vor allem deswegen, weil das Stück Goat Sperm zu einem meiner Lieblingsstücke geworden ist. Dieses Kleinod ist praktisch DSP-Doom mit Double Bass und allem und wirklich zu abgefahren.

Obwohl sein Name was anderes erwarten lässt ist Otto ein in Florida ansässiger und in hispanischer Nachbarschaft lebender Amerikaner. Er ist wohl entfernt mit dem verurteilten Kriegsverbrecher und “Jugendführer des Deutschen Reiches” Baldur von Schirach verwandt, hat aber mit dessen Ideologie nichts am Hut, eher im Gegenteil: Seine Beteiligung an Beta Bodega oder Botanica del Jibaro, weiteren interessanten Labeln, die ihre Veröffentlichungen mit Beigaben wie Aufklebern oder Ausgaben der Jibaro Times schmücken, sprechen eine deutliche Sprache. Otto wird gerne The Romantic Toe Sniffler genannt und schimpft sich z.B. auf Veröffentlichungen des Beta Bodega-Sublabels Rice and Beans auch schon Mal Otto von Shitpiss.

In Deutschland war er bisher nur ein paar Mal, in Dresden 2002 in der Scheune, was ich leider verpasst habe (ich glaube das war diese Märchensache) und war soweit ich mich erinnere damals bei der Warp-Tour dabei. Jedenfalls sollte sich jeder, der sich für abstrakteren Sound interessiert, mal in der Filesharing-Börse seiner Wahl nach Otto von Schirach umgucken, und bei Gefallen ist ein Kauf des Vinyls meiner Meinung nach schon aus synästhetischen Gründen empfehlenswert.

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Bahncard ohne Bild

Prickle-Prickle, 53rd Confusion, 3171.

Nach dem ganzen Zauber mit der Deutschen Bahn halte ich nun endlich eine Bahncard ohne mein Konterfei in den Händen. Ich finde es einfach gruselig, wenn die Bahn, die auf allen Bahnhöfen Kameras am Start hat, auch mein Bild neben meinen anderen persönlichen Daten aufnehmen will. Nada.

Ein paar Tips: Beim Ausfüllen ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Bahn zwar in ihren Bestimmungen ein Bild fordert, aber ausser den Meldestellen niemand dazu berechtigt ist, neben persönlichen Daten auch ein Bild einzufordern. Die Bahncard ist ohnehin nur gültig in Verbindung mit einem gültigen Personalausweis. Da die Bahn Monopolist ist hat man als Kunde keine Wahl auf einen Anbieter mit anderer Policy auszuweichen. Wenn die Angestellten sich weigern, erstmal auf die Ruhige die Lage erklären und ihnen notfalls sagen, dass sie das Teil annehmen sollen und man sich selbst mit der entsprechenden Stelle bei der DB in Verbindung setzt. Sollte das nicht fruchten einfach etwas lauter werden (bei mir half z.B. kräftiges Treten gegen den Counter, wie so oft, wenn die Bahnangestellten sich quer stellen). Als letzte Lösung kann man auch einen befreundeten Anwalt mitnehmen (geht dann, wie ich schon mehrmals gehört habe, ziemlich unproblematisch). Auf jeden Fall der wichtige Hinweis, dass man viel Zeit mitbringen sollte. Ich hatte damals, obwohl ich über eine Stunde eingeplant habe, meinen Zug nach Holland verpasst.

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WTH, Leipzig und andere Entscheidungen

Prickle-Prickle, 53rd Confusion, 3171.

Ich habe heute endgültig beschlossen, dass ich nicht auf die WTH fahren werde, weil ich mir das momentan weder finanziell noch nervlich leisten kann und mir ehrlich gesagt grade nicht so recht der Sinn nach Megaevents mit mehreren tausend Leuten steht. Ich geniesse es sehr, mein eigenes Leben wieder zu haben und nach meiner persönlichen Beinahe-Katastrophe meine Kraft wieder auf eigene Ziele richten zu können, auch wenn die nächsten beiden Monate noch einmal richtig heavy werden. Jedenfalls werde ich meine Aktivitäten auf Leipzig ausweiten und suche dort nun auch Arbeit und Wohnmöglichkeit. Bisher hatte ich Leipzig gegenüber eine ganze Reihe von Vorurteilen und war dort vor allem eher wegen den Parties von blackred. Da aber sowohl mein Mitbewohner in Dresden ein Atelier in der Spinnerei hat und auch andere Leute im Haus eigentlich ständig pendeln macht das sehr grossen Sinn für mich. Wenn ich jetzt grade darüber nachdenke habe ich mich sogar etwas in die Stadt verguckt, was sicher an Doses Geburtstag auf der Scharnhost lag, wo ich auf dem grasbewachsenem Dach rumlungerte und den Leuten in die Fenster geguckt habe und dem Aufenthalt in Julius’ Wohnung im 15. Stock im Musikerviertel. Dort hat man einen phantastischen Überblick über die Stadt, und der Gedanke daran, sich diese Stadt zu erobern machte mir auf eine Art und Weise Mut und Kraft, die ich so schon lange nicht mehr hatte. Ich habe ausserdem in den letzten 3 Wochen in L.E. mehr Geld verdient als im ganzen letzten Jahr in Dresden, was ich irgendwie sehr seltsam finde, zumal jetzt, nach dieser Entscheidung, auch in Dresden mit einem Mal wieder wesentlich mehr geht.

Meine Pläne was Berlin angehen haben leider so gar nicht gut funktioniert, und ich frage mich eigentlich schon, wieso das eigentlich nicht geklappt hat. Aber letztendlich geht das Leben eben wohl die komischsten Wege, und ich freue ich immer wieder, was für Möglichkeiten sichtbar werden, wenn man nur mit offenen Augen durch die Welt geht.

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Willkommen im Krieg der Zeichen

Prickle-Prickle, 53rd Confusion, 3171.

“Heute gehört ein Land dem, der die Kommunikation beherrscht.” (Jean Baudrillard, 1978)

Am 22.7. wird in der Berliner Galerie Neurotitan im Haus Schwarzenberg am Hackmarkt die Veranstaltung The ABC - Macht und Kommunikation. Zur Semiotik des Widerstandes. eröffnet. Zu der Veranstaltung werden eine ganze Reihe von interessanten Filmen, Vorträgen, Konzerten und Parties mit illusteren internationalen Gästen und Künstlern stattfinden. Am 30.7. wird dort z.B. auch der Internationale Stickeraward verliehen, für den ich grade anfangen habe mich am Satz den Buches dazu zu beteiligen. An diesem Tag werden u.a. Dose, Thousendnamesguy und Henne die Musik machen und somit ein feinster musikalischer Mix aus elektronischer Musik statt finden.

Leider gibt es kein Weblog dazu, sondern nur eine Flashseite. Ist zwar etwas schade, weil ich denke, dass man damit eine gute Chance vertut, aber der Veranstaltung an sich sollte das natürlich keinen Abbruch tun.

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Handtafting for fun and profit

Boomtime, 36th Confusion, 3171.

Die letzten Tage war ich nun endlich mal in Halle/Saale. Bisher ich kannte ich Halle nur von ziemlich netten Parties in der Chaiselounge, wo immer mal die Crowd aufgelegt hat, oder weil ich vor Jahren mal mehrere Stunden auf einen Bahnanschluss warten musste und mir die Zeit mit rumtrödeln in der Innenstadt verbracht habe. Letztendlich kannte ich bisher praktisch Halle als Stadt nicht.

DIe Ankunft war schon leicht absurd. Um den Bahnhof herum ist eine einzige riesige Baustelle, und ich habe mich gleich mal irgendwie verlaufen. Das war allerdings in sofern nicht schlecht, weil ich so gleich die ersten netten Begegnungen hatte. Und überhaupt: Das Erste was mir aufgefallen ist, sind die enorme Anzahl an gut aussehenden Frauen, die es ganz offensichtlich dort gibt. Auch die Stadt selbst ist ein richtiges Kleinod: Die Innenstadt ohne viel rechte Winkel, mit Liebe am Bau und wenig Kitsch, wenig Werbung und einem wie ich finde natürlichem Umgang mit Graffiti. Das Ganze sieht so aus, als hätten sie dort nach der Wende nicht mit aller Kraft versucht, allzu einen auf neudeutsche Zuckerbäckerei zu machen.

Meine Ankunft bei Face war lustig, weil bei ihm eine Flasche Mate mit Herzchen drauf auf mich warteten. Sveno war da, der grade aus Wolfsburg kam, wo er mit seinem golf.zip richtig Geld für den ersten Preis bei so einer seltsamen VW-Foto-Ausstellung gewonnen hat.

Nächsten Mittag dann Burg Gebiechenstein. Nettes Örtchen, aber ich fand nur wenige Sachen, die ich gesehen habe, wirklich bedeutend. Liegt vielleicht auch daran, dass dort vor allem Schulabgänger sind, die noch viel zu sehr daran glauben, dass die Antworten wichtiger als die Fragen sind. Die Kantine in der Burg ist zwar mit Essen um 1 Euro extrem billig, aber dafür auch alles andere als nahrhaft. Dort habe ich einige alte Bekannte beim Essen getroffen und hatte u.a. Spass mit Johannes. Ich mag es, wenn diese dem Irrsinn innenwohnende, befreiende Wahrheiten im Raum sind.

Später war ich dann das erste Mal am eigentlichen Ziel meiner Reise, der Gobelin- und Textil-Manufaktur Halle, an dem ich als Ausgleich für das Zerdeppern einer Skulptur meinen Fron abgeleistet habe und Face beim Fertigen eines Teppichs helfen sollte. Dieser Ort ist einer der letzten übrig gebliebenen Manufakturen dieser Art, da das grosse Textilbusiness in unseren Breitengraden dieser Tage bekanntlich nicht sonderlich gut funktioniert. Ich war sofort total begeistert von den ganzen verschiedenartigen Webstühlen, die dort zu finden sind. Bis auf 3 ältere Stühle mit Endlos-Lochkarten für Muster werden alle sowohl für Produktionen als auch für Design und Kunst genutzt. Im oberen Teil der Manufaktur wird siebgedruckt (seufz, das war ein bisschen wie an dem Ort vom die Feen kommen), im Hof ist die Färberei. Mir ist ein ums andere Mal klar geworden, was für ein abgefahrenes Handwerk die Textil- und Teppichherstellung eigentlich ist und welche seltsamen Parallelen zu Computern sich eröffnen. Mir ist dieser absurde Streit um die Strickmuster, bei dem ein Konzern Hausfrauen verklagen wollte, die diese Muster getauscht haben. Was ist daraus eigentlich geworden?

Hier nun der Sinn der Reise in ein paar Bildern:

Der Kopf der Handtufting-Maschine

Das Handtufting

Das Gewebe auf der Rückseite

Überstehende Fusseln abschneiden

Die Blutstropfen

Zum Abschluss der Arbeit muss noch die Rückseite irgendwie verklebt oder versiegelt werden. Das ist aber erst nächste Woche dran.

Hier ausserdem noch ein paar Bilder von Webstühlen:

Auf nächste Woche Halle freue ich mich schon sehr.

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Fuck Deutsche Bahn!

Boomtime, 36th Confusion, 3171.

Einige kennen ja schon die absurde Geschichte wie ich meine Bahncard 50 kaufen wollte um so ermässigt zum Volunteers-Meeting der WTH zu fahren. Diese Geschichte hat nun eine Fortsetzung erfahren, die diesmal zumindest nicht darin gemündet ist, dass ich wieder einen Zug verpasst habe. Aber sicher ist die Geschichte damit noch lange nicht zu Ende. Aber von vorne.

Bin wieder etwa eine Stunde bevor der von mir gewählte Zug fahren sollte am Bahnhof gewesen, weil ich am Morgen gemerkt habe, dass die vorläufige Bahncard seit einer Woche abgelaufen ist und ich bis jetzt kein Plaste zugeschickt bekommen habe. Obwohl es praktisch leer war hat es dennoch eine gute Viertelstunde gedauert bis ich dran war (aber gut, kann passieren, die Angestellten dort haben meiner Meinung nach bei dem Wetter ein Recht ein paar Gänge runter zu schalten). Ich erläuterte der Dame am Schalter, die mich abfertigte, wie es sich mit der Bahncard verhält und sie sagte mir, ich müsse jetzt erstmal ein normales Ticket erwerben und mir das Geld rückerstatten lassen. Ich antwortete ihr, dass ich genau das Geld für die vor mir stehenden Fahrten plus ein bisschen habe, so dass es so gar nicht für mich ginge. Da packte sie wohl das Mitleid, jedenfalls rief sie irgendwo an und teilte mir hernach mit, dass meine Bahncard sich nicht im System der Bahn befindet, ganz so, als hätte ich diese nie erworben, und so verwundert es auch nicht, dass ich noch keine Antwort erhalten habe. Ich solle mich bei einer Servicenummmer melden, weil sie erstmal klären müssten, was denn da passiert sei. Die Dame hatte die Bahncard noch in der Hand und nestelte daran rum, hielt sie gegen’s Licht usw., ganz so, als wolle sie überprüfen, ob die den echt sei. Da bin ich dann irgendwie ziemlich lautstark sauer geworden, so lautstark, dass Wachschutz-Typen auftauchten und es eine ziemliche Aufregung gab. Ich habe dann aber, weil mein Zug im Anmarsch war, klein beigegeben und das Ticket gekauft. In der Bahn erzählte mir ein älterer Herr, dass die Bahn in der Regel nur auf ein Konto erstattet. Ich sehe schon, das wird noch richtig spassig. Wenn diese Servicenummer kostenpflichtig ist werde ich wohl zum Vieh.

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