Reinforced Records
Nachdem ich angefangen hatte mich ernsthafter mit elektronischer Musik auseinander zu setzen bin ich nach einiger Zeit erst einmal total auf Drum and Bass festgegangen. Das ging soweit, dass ich eine ganze Weile fast keine andere Musik gehört habe. Die Assoziation, die vorher diese Art Musik bei mir ausgelöst hat, waren dunkle Keller, zuckende Leiber in Strobo und Nebel und babarisch harter Sound, der mich eher abgestossen hat. Vor allem eine Party mit Bronco Teddy war es wohl, die mich endgültig auf den Trichter gebracht hat, mich intensiver mit der Musik auseinander zu setzen, da er einfach total anderes Zeug dieser Art aufgelegt hat. Zu der Zeit hatte ich als Schwerverdiener die Möglichkeit, mir ein paar Vestax-Plattenspieler und einen Mixer zuzulegen und habe extrem viel Zeit mit dem Kaufen, Hören und DJing dieser Musik zugebracht, zu der Zeit vor allem als to0l25, aber auch als T25, Tank und csh.
Eines der Labels von dem ich viele Platten besitze ist Reinforced Records, das von Dego (Dennis McFarlane), Mark Mac (Mark Clair), Ian Bardouille und Gus Lawrence 1990 gegründet wurde. Am kommerziell Erfolgreichsten ist denn auch Degos und Mark Macs gemeinsame Kollaboration namens 4 Hero, dessen Album Two Pages, erschienen 1998 auf dem Major Talkin’ Loud, sogar von Drum and Bass-fernen Musikmagazinen als Platte des Jahres gefeiert wurde und mit dem Mercury Music Award ausgezeichnet wurde. Es gibt in der Welt dieser Musik wohl kaum andere Künstler, die sich derartig gut auf Arrangements von Streichern verstehen. Die Stücke sind ein phantastischer Mix aus Pop mit Frauengesang (u.a. von Ursula Rucker und Carol Crosby), Ambient und harten Beats, ohne dass es peinlich wird (was bei solche Musik schnell mal passiert). Dego und Mark Mac haben weitere Aliase, z.B. Dollis Hill (nach einem im Stadtbezirk Brent liegenden Gebiet Londons). Dego zeichnet sich für eine ganze Reihe weiterer Produktionen verantwortlich, wie Tek 9 oder das Label 2000 Black. Mark Mac hat sich unvergessen in meine Seele als gebrannt als Special Touch, aber auch als Manix, Maximum Style, Natures Plan und Nu Era.
Das Besondere an Reinforced Records ist meiner Meinung nach vor allem der Fakt, dass es zwar einen Sound gibt, den man getrost als “Reinforced Sound” bezeichnen kann und der als verbindendes Element existiert, aber dennoch nicht mehr desselben ist. Seit 1990 sind über 120 12-Inch-Singles, dazu eine ganze Reihe Longplayer und Compilations entstanden, die teilweise stilbildend waren. Auf dem Label haben so illustre Musiker veröffentlicht wie Alpha Omega (aka Colin Lindo, der als Nubian Mindz auch auf 2000 Black mit Dego zusammen arbeitet und mit Marc Mac als Special Touch), Beta 2 (aka Dom Purcell), Breakage (aka Solar Motion aka Jamie Boyle), Delta (aka Robert Allsop), my beloved Digital (aka Steve Carr, mit dem ich schon eine Menge Spass hatte und auch Mitglied bei Phantom Audio ist), Doc Scott (aka Nasty Habits aka Scott McIlroy), Eniac (aka Robert Bormann), Format (aka Mat Format), Genotype (aka Justin Richardson), meine absoluten Lieblinge Hidden Agenda (aka NOS aka Mark und Jason Goodings), Kabuki und Savine (aka Jan Hennig, auch bekannt als Makai, Megashira oder Ono Sendai und der begnadete Daniel Savine), der unglaubliche Lemon D (aka Afro Kid aka Eskobar aka Souljah aka Kevin King), Leon Mar (aka Torus aka Arcon 2 aka Oil aka Noel Ram), Mark Force (aka G Force aka Mark Lipka), Nebula II (aka Joe Shotter, Tony Thomas und Richard McCormack), Nucleus (aka Dave Simms), Paradox (aka Dev Pandya), Rufige Kru (aka Goldie), Seiji (aka Paul Dolby), Sonic Circle (aka Domu aka Dominic Stanton), Sonic & Silver (aka Accidential Heroes aka Jasper Byrne und Dean Fletcher), Syntax (aka Clint Graham und Shaun Henry) und Zero Tolerance (aka Cian McCann). Mit über 400k verkauftem Vinyl (etwa 300.000 EPs, 100.000 LPs) dürfte Reinforced eines der erfolgreicheren Indie-Labels dieses Genres sein.
Es gab eine ganze Reihe von wirklich guten Compilations von Reinforced Records, die sich meist Enforcers nennen, und die man sicher auch in Filesharing-Netzwerken findet, wogegen die einzelnen Veröffentlichungen eher hier und da als Teil von Mixes auftauchen. Mein letzter persönlicher Kontakt mit einem Labelmember liegt nun auch schon wieder eine Weile zurück. Das war damals Stretch als er bei den King Beatz-Leuten aufgelegt hat.
Ich erwähne dieses Label deswegen, weil ich in den letzten Tagen einen Teil meines Vinyls wieder bekommen habe und angefangen habe, mir diese ganzen Perlen des Drum and Bass wieder zu Gemüte zu führen, wozu während des letzten Jahres weder Zeit noch Raum war. Der Rest meiner Platten, zu denen ein weiterer Teil der Reinforced-Sachen gehören, liegt noch immer im Keller vom Fat Fenders, bei denen ich auch eine Menge dieser Musik in den letzten 8 Jahren erworben habe und wo ich während meiner Obdachlosigkeit die Sachen glücklicherweise unterstellen konnte. Nächste Woche werde ich wohl endlich mal dazu kommen, das ganze Zeug wieder zurück in meine Wohnung zu evakuieren.


































