The Turkey Curse
fukamis terror chatroom

Das komplizierte Scheitern der Ignoranz

Pungenday, 32nd Confusion, 3171.

Oder: Aus dem Rohstoff des Scheiterns das Äusserste machen *)

In manchen Phasen des Lebens laufen die Dinge schlecht, in manchen noch schlechter. Jetzt befinde ich mich grade in Letzterer, und um ehrlich zu sein, hat sich eigentlich im Kern seit einem Jahr nicht wirklich geändert. Ausser vielleicht, dass ich der Obdachlosigkeit entkommen bin und im Laufe des letzten Jahres eine Menge wirklich toller Leute kennen und schätzen gelernt habe. Letztendlich konnte ich ein paar für mich persönliche Dinge nicht klären und konnte mir keine wirkliche Perspektive aufbauen, oder bin schlicht zu doof, um aus den sich mir bietenden Möglichkeit das zu machen, das nötig gewesen wäre, um so weiter zu machen wie bisher. Da ich keine Person bin, die resigniert und sich verkrümmelt, habe ich ja trotzdem ein paar Dinge getan, auch wenn das nicht in allen Fällen die spektakulärsten oder erwähnungsfähigsten waren. Aber ich kann es mir schlicht nicht mehr leisten.

Die letzten Monate haben sich meine Schulden derart vergrössert, dass ich deswegen leider anfangen muss, einige entscheidende Sachlagen zu verändern. Das Erste davon ist grade schon in vollem Gange und hat mit dem von mir immer noch betriebenen Domain-Hosting zu tun, dass ich ab sofort aufgeben werde. Es ist schon ziemlich traurig, diesen Teil verlieren, weil ich das seit etwa ‘96 mache und leider eben viele Projekte und Leute betrifft, die mir sehr ans Herz gewachsen sind und deren erste Schritte ins Internet ich teilweise begleitet habe. Es tut mir sehr leid, aber ich kann daran nichts ändern — es geht einfach nicht mehr. Es ist wie immer, dass es die kleinen Projekte und die sowieso Angeschissenenen eigentlich am Härtesten trifft, also genau die, die irgendwie auf Hilfe angewiesen sind, die in der Regel nur gegen Bares zu erhalten ist. Ich werde aber versuchen, Mittel und Wege zu finden, dass alles irgendwie unterkommt (was teilweise schon gelungen ist). Ein paar Sorgenkinder bleiben aber bisher noch. Um die Anderen, also die ohnehin professionell Tätigen, mache ich mir keine wirklichen Sorgen, die finden schon einen Weg um klar zu kommen, denn heute ist das ganze ja keine schwarze Magie mehr und es gibt einen riesigen Markt an Angeboten aller Art. Aber wie dem auch sei, es ist irgendwie trotzdem bitter, weil es schon einen ziemlich wichtigen Teil meines Lebens ausgemacht hat. Ausserdem wird wohl dieses Blog sterben, nicht sofort, aber in absehbarer Zeit.

Ausserdem befindet sich der etwas seltsam “Büro” titulierte Ort des CCC Dresden nicht mehr in meinen Räumlichkeiten. Zum Einen liegt das an unvermeitlichen Irritiationen, wenn Chaos und Privates sich derart vermischen, was dann auch zu wirklich hässlichem Krach geführt hat, den man unter anderen Umständen komplett hätte vermeiden können. Aber auch hier war das wohl wieder der Wunsch, das einfach Raum für etwas Wunderbares da ist bevor eigentlich klar ist, was es genau ist, aber leider irgendwie ist es eben nicht gelungen, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Anstelle dessen wird bei mir ein Mensch einziehen, der grade praktisch obdachlos ist.

Da ich im Moment eigentlich alles in meinem Leben zur Disposition stelle, kann ich wenig Aussagen über Pläne oder ähnliches machen. Als erfreuliche Sache ist immerhin zu vermelden, dass ich, wahrscheinlich ab September, wenn denn coloradio eine eigene Frequenz hat und länger senden wird, endlich wieder eine regelmässige eigene Radioshow, neben dem Chaosradio Dresden, haben kann. Ansonsten befinde ich mich aber praktisch im freien Fall.

Demnächst jährt sich ausserdem der Todestag von Lutz zum ersten Mal, meinen Mitbewohner, der sich vor einem Jahr das Leben genommen hat, und der 12. von Ina und Judith, die auf dieselbe Art aus dem Leben gegangen sind. Über den selbgewählten Tod von so intelligenten, liebenswerten und sensiblen Menschen nachzudenken, über die Gründe, warum sie letztlich keinen anderen Ausweg als diesen gesehen haben, bringt mich in eine komische Stimmung, auf seltsame Fragen und noch seltsamere Antworten. Aber keine Sorge, das hier ist ganz sicher kein Abschied, dazu liebe ich das Leben und Menschen einfach viel zu sehr. Und auch wenn ich grade total keinen Plan habe, es gibt es viel zu viele Dinge, die mich interessieren, als das ich einfach aufgeben könnte.

*) Das Zitat stammt aus einem Buch von Kurt Vonnegut mit dem Titel “Hokuspokus … oder wohin so eilig” und bescheibt ein Schild, das sich über ausgestellten Perpetuum Mobile befindet, die aus den feinsten Materialien hergestellt sind, ganz so, als könnten die Erfinder die Natur mit Materialien wie Gold und Elfenbein überlisten.

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2 Comments »

  1. Sehr geehrter Herr fukami,

    bitte bleiben Sie uns erhalten!

    Comment by Astro — Prickle-Prickle, 33rd Confusion, 3171. @ 8985

  2. moin fukami,

    schick mir mal ne mail, jenachdem kriegen wir bei bl0rg noch was unter.

    +++ neingeist

    Comment by neingeist — Setting Orange, 34th Confusion, 3171. @ 4761

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