The Turkey Curse
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Die Gesellschaft des Spektakels

Pungenday, 32nd Confusion, 3171.

Angeregt durch den Vortrag mit Jens beim Camp Discordia habe ich nach langen Jahren mal wieder zur Gesellschaft des Spektakels von Guy Debord gegriffen. Damals habe ich viele Sachen so nicht gesehen wie Dubord sie beschrieben hat, vieles habe ich damals nicht verstanden. Aber zum Glück wird man ja älter :-)

Hier einige Zitate, von Teilen, die mir besonders gut gefallen:

Form und Inhalt des Spektakels sind identisch die vollständige Rechtfertigung der Bedingungen und der Ziele des bestehenden Systems.

Das Spektakel ist, seinen eigenen Begriffen nach betrachtet, die Behauptung des Scheins und die Behauptung jedes menschlichen, d.h. gesellschaftlichen Lebens, als eines bloßen Scheins. Aber die Kritik, die die Wahrheit des Spektakels trifft, entdeckt es als die sichtbare Negation des Lebens, als eine Negation des Lebens die sichtbar geworden ist.

Das Spektakel stellt sich als eine ungeheure, unbestreitbare und unerreichbare Positivität dar. Es sagt nichts mehr als: “Was erscheint ist gut; was gut ist erscheint.” Die durch das Spektakel prinzipiell geforderte Haltung ist eine passive Hinnahme, die es schon durch seine Art, unwiderlegbar zu erscheinen, durch das Monopol des Scheins faktisch erwirkt hat.

Die erste Phase der Herrschaft der Wirtschaft über das gesellschaftliche Leben hatte in der Definition jeder menschlichen Realisierung eine offensichtliche Degradierung des Seins um Haben mit sich gebracht. Die gegenwärtige Phase der völligen Beschlagnahme des gesellschaftlichen Lebens durch die akkumulierten Ergebnisse der Wirtschaft führt zu einer verallgemeinerten Verschiebung vom Haben zum Scheinen, aus welchem jedes tatsächliche “Haben” sein unmittelbares Prestige und seinen letzten Zweck beziehen muß. Zugleich ist jede individuelle Wirklichkeit gesellschaftlich geworden, direkt von der gesellschaftlichen Macht abhängig und von ihr geformt. Nur sofern sie nicht ist, darf sie erscheinen.

Das Spektakel ist ein ständiger Opiumkrieg, um die Identifizierung der Güter mit den Waren und auch die der Zufriedenheit mit dem sich nach seinen eigenen Gesetzen vermehrenden Überleben aufzuzwingen. Wenn aber das konsumierbare Überleben etwas ist, das sich ständig vermehren muß, so deshalb, weil es die Entbehrung immer noch enthält. Wenn es kein Jenseits des vermehrten Überlebens gibt, keinen Punkt, an dem dieses Überleben sein Wachstum beenden könnte, so deshalb, weil es selbst nicht jenseits der Entbehrung liegt, sondern die reicher gewordene Entbehrung ist.

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1 Comment »

  1. wenn dir die “gesellschaft des spektakels” gut gefällt, dann kann ich dir erich fromm mit “haben oder sein” empfehlen. in diesem buch versucht er eine gesellschaftsanalyse auf psychologischer Ebene zu vollziehen, Indem er Anhand von Sprache über die Entfremdung des Menschen philosophiert. Ganz interessant.
    Die Revolutionen des Proletariats werden Feste sein…

    Comment by tingel — Setting Orange, 34th Confusion, 3171. @ 64783

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