The Turkey Curse
fukamis terror chatroom

Der Club

Boomtime, 67th Chaos, 3171.

fh hat vor einiger Zeit seine Anmerkungen zu Club und zum e.V. in seinem Blog veröffentlicht. Die letzten Tage war ich leider zu gestresst, um darauf zu antworten. Jetzt will ich mal ein paar Anmerkungen dazu machen.

Direkt an fh: Ich finde es grundsätzlich sehr schade, wenn du darüber nachdenkt, deine Projekte im CCC aufzugeben. Ich hoffe, du lässt dich von den Leuten nicht zu sehr demotivieren. Bitte mach weiter, Junge!

Zum Thema Zielsuche im CCC kann ich nur sagen: Wir laufen im Moment der Entwicklung hinterher und die Themen werden uns aufgedrückt. Software-Patente, die neuen “Hacker-Paragraphen” aber auch Biometrie, DRM, RFID, Gesundheitskarte usw. sind Themen, die uns weitergehender betreffen als auf purer technischer und spielerischer Ebene. Ich denke die eigentliche Stärke des Clubs besteht genau darin, *beides* zu können, nämlich technische Zusammenhänge nachvollziehen zu können und die Auswirkung auf den Menschen und das gesellschaftliche Miteinander zu verstehen. Ich finde, dass in dem Punkt eigentlich eine Menge Positives passiert, auch wenn davon wenig öffentlich oder auf intern Niederschlag findet. Wenn ich z.B. irgendwas nicht verstehe, finde ich eigentlich immer jemanden im Club, der entweder was weiss oder mir zumindest einen Anhaltspunkt zum Weitersuchen geben kann. Insofern ist der Club ein unglaublich gutes Netzwerk von Leuten die sich mit den verschiedensten Dingen auskennen. Viele Leute kommen in den Club, weil sie in den Usergruppen grossenteils die Diskussion um Inhalte ausserhalb des jeweiligen technischen Schwerpunktes vermissen. Ich sehe hier anders als fh nicht den Cut zwischen den Polikniks und der “GCC und Lötkolben”-Fraktion, weil es eine Menge Beispiele gibt, wo das Personalunion ist.

Zu dem e.V.-Absatz nur so viel: Ich denke nicht, dass sich die Leute zu wichtig nehmen. Ich sehe es so: Es steckt ein Haufen Herzblut einer grossen Anzahl von Leuten im Club, und das, obwohl man keine Blumen für seinen Einsatz erwarten kann. Das bedeutet im Detail u.a., dass es um persönliche Gefühle geht, was natürlich persönliche Antipathien, Ressentiments und Neid nach sich sich zieht. So ist das eben, wenn man mit einer grossen Menge Leute zu tun hat, die alle unterschiedliche Modelle und Vorstellungen haben, und wo ein Teil sehr aktiv ist und viele Dinge mitbekommt, anschiebt und verändern will und ein anderer Teil vor allem Angst vor Veränderungen des Status Quo hat. Das Problem steckt im Detail: Intern ist als Medium gestorben, weil dort eigentlich keinerlei Projekte entstehen und diskutiert werden können, ein “Ersatz” ist nicht gefunden. Dafür passiert aber etwas anderes: Die Kommunikation findet in kleineren Kreisen statt, neue Projekte kommunizieren komplett an den etablierten Strukturen vorbei, und es entsteht langsam aber sicher eine neue Generation von Leuten im Club, die fähig ist und Dinge erreichen will. Mir fällt dazu ein schöner Spruch ein: “Wenn du willst, dass ein Neuling im CCC motiviert bleibt, halte ihn von intern fern”. Und das sagt wohl auch alles.

Der Club *ist* gross und bekannt. Die öffentlichen grossen und kleinen Veranstaltungen sind sehr gut besucht, die Themen sind hart am Wind und ich kann in der Profesionalisierung eigentlich keinen inhärenten Fehler entdecken, zumindest nicht, solange es die ganzen kleinen Sachen auch noch gibt (und die gibt es, man muss sich nur die Geekends angucken, die vermehrt im Clubumfeld stattfinden). Veranstaltungen sind meiner Meinung nach ein sehr wichtiger Eckpfeiler des Clubs. Ideen wie den Club künstlich zu verkleinern oder zu spalten finde ich gelinde gesagt nicht gut, aber ich will natürlich auch nicht, dass sich der Club in eine Art Nerd-Partei verwandelt.

In der Kerndiskusion geht es um mehrere Punkte: Ist der Club politisch, soll er sich einmischen, gibt es mehr Gemeinsamkeiten als das reine Nerd-Dasein, wohin soll die Reise gehen und wenn ja, wie?

Ich persönlich denke, dass Hacken eine Menge Ausprägungen und Auswirkungen hat, aber egal wie: Natürlich ist Hacken politisch, und natürlich ist der Club politisch, war er immer. Wir leben in einer Welt, in der eine Vielzahl komischer und fragwürdiger technischer Lösungen existieren oder entstehen. Man kann damit Spass haben, sich darüber ärgern usw. Nur eins kann man nicht ohne weiteres: Einmal etablierte oder vorgeschriebene technische Lösungen für nicht-technische Probleme wieder loswerden. Viele Entscheidungen, die jetzt gefällt werden, haben einen grossen Einfluss auf unser soziales und gesellschaftliches Miteinander in naher und ferner Zukunft. In vielen Punkten hat der Club in den letzten 23 Jahren nicht das erreicht, was er hätte erreichen können. Woran das neben dem üblichen Verpeilungsfaktor liegt ist schwer zu beurteilen, aber letztendlich wurde der Club meiner Meinung nach von der Entwicklung einfach überrollt und hat viele Sachen schlicht verpennt. Im Moment kommt noch erschwerend hinzu, dass es mindestens zwei Fraktionen zu geben scheint, die ganz klar diametral entgegengesetzt funktionieren. Der eine Teil will aus der Erfahrung in der alltäglichen Beschäftigung Veränderungen bewirken und aktiv Einfluss nehmen, ein anderer Teil lehnt dies strikt ab. Dazu kommt, dass sich eine Menge Leute tummeln, denen schlicht egal ist, was passiert, weil ja “sowieso alles viel zu sehr überwertet wird”. Dazu gibt es Gruppen, die einen Alltag IRL miteinander haben und andere, die mehr oder weniger isoliert sind. Auch das sorgt für unterschiedliche Denkweisen und Ansätze.

Ich sehe einige sehr konstruktive Sachen entstehen und freue mich, dass es immer noch eine beachtliche Zahl von Leuten gibt, die sich nicht von den Destruktivisten ins Bockshorn jagen lassen. Wir brauchen mehr Arbeit in konkreten Projekten und mehr persönlichen und personellen Austausch. Zwischen einigen Erfas und Chaostreffs klappt das auch schon recht gut wie ich finde, aber es könnte natürlich viel viel besser sein. Ich lege viel Hoffung auf die Geekends und Coding Nights, bei denen der Plan ist, eine kleinere Gruppe von Nerds über ein paar Tage mit Geräten und Netzwerk einzusperren und einfach machen zu lassen. Hier kann und sollte der Club Gewillten Unterstützung zukommen lassen und über konkrete Fördermassnahmen nachdenken. Ein anderer Punkt ist, dass wir auf Fremdveranstaltungen mehr Präsenz zeigen sollten. Ich weiss, dass dieser Teil sehr neuralgisch ist, weil hier Öffentlichkeit ins Spiel kommt und die falsche Person am falschen Ort fatale Auswirkungen haben kann. Trotzdem wäre auch hier zu überlegen, von Clubseite aus eine bessere Unterstützung bereit zu stellen, z.B. in Form von Fahrtkostenübernahme. Eine weitere wichtige Idee ist denke ich die, mehr Einfluss auf die Bildung unseres Nachwuches zu nehmen. Was da teilweise in den Schulen passiert ist nicht mehr feierlich, und uns fallen diese Entwicklungen irgendwann auf die Füsse. Von der Kommunikation her werden einfach mit der Zeit ganz andere Plattformen entstehen, und das ist gut so. Der Club hat viele Dezentralen, und es ist wünschenswert, das noch viel mehr davon entstehen. Aber auch ich sehe natürlich das Problem, dass es Leute gibt, die echtes Gift für den Club und das Miteinander sind und bei denen ich mich frage, was die eigentlich wollen. Das einzige “aktive” Mittel gegen diese Leute ist wohl Ignoranz, obwohl ich persönlich diese Art des Umgangs mit Problemen hasse und habe die vage Hoffnung, dass sie sich irgendwann selbst isolieren.

Ich jedenfalls mag den Club und die allermeisten Leute, und schätze sehr das Wissen, die Ideen und Energien die dort zu finden sind. Für mich bedeutet das ganz konkret, dass ich mich weiterhin einmischen werde.

---

15 Comments »

  1. Reaktionen I

    Auf mein Lamento
    gabs tatsächlich zwei Reaktionen, zu finden bei fukami und thinknerd.

    Während thinknerd in erster Linie mein Posting einfach zusammenfasst, hat fukami eine ziemlich lange Antwort geschrieben, in der er einiges ganz anders folger…

    Trackback by fh — Pungenday, 68th Chaos, 3171. @ 34174

  2. Natürlich ist Hacken politisch, und natürlich ist der Club politisch, war er immer.

    Diese Aussage ist historischer Schwachsinn, und die Politaktivisten im CCC (wie Du) sind genau die, die derzeit zu den größten Problemen führen. Ohne daß jetzt als Angriff zu meinen. Traditionell war der CCC der Club für den kreativen Umgang mit Technologie, Politik mach(t)en andere. Es ist in letzter Zeit mehrfach auch von anderen darauf hingewiesen worden, daß der CCC mehr dafür gegründet ist, daß ein Hacker Dinge publik machen kann, mit einem kompetenten Mittler dazwischen. Daran ist nichts politisches.

    Es nervt, daß Leute wie Du versuchen den Club zwangszupolitisieren. Es gibt eine Menge Menschen wie mich (und ja, ich ziehe weiter vor, anonym zu bleiben. Einem Hacker sollte es möglich sein, diese Bitte nachzuvollziehen) im Club, die sich überlegen ihn zu verlassen oder schon sozusagen “innerlich gekündigt” haben, und nur noch mitlaufen. Und das, weil wir zwar alle sicher privat auch politisch interessiert sind, aber nicht wegen so etwas im CCC sind, und ihn lange Jahre mitgetragen haben.

    Ich möchte nicht behaupten, daß politische Aktivitäten nicht wichtig sind, und gerade in Zeiten wie diesen dringend nötiger als je zuvor sind. Aber es grenzt an Geschichtverklärung den CCC in einen politischen Debattierclub und zu einer Art Lobbyvereinigung umzudeuten, und dabei die historischen Wurzeln zu leugnen. Vielleicht wäre es sinnvoll, für die politischen Fragen einen gesonderten Verein zu gründen, und den CCC wieder seinem ursprünglichen Interesse zuzuführen: Das Interesse an einem schönen Hackvalue. Ganz unpolitisch.

    Die Reibungsfläche zwischen den politisch interessierten und den technisch interessierten im Club ist seit Jahren größer geworden, und eine Auftrennung wäre mehr als sinnvoll. Es kann jedenfalls nicht die Lösung sein, den CCC in etwas verwandeln zu wollen, was er keineswegs war, und wozu er auch nicht gegründet wurde. Wir machen Technik, keine Politik.

    Das Schöne am Heraushalten von Politik aus dem CCC ist, daß dies ermöglich schöne und kreative Hackerköpfe zusammenzubringen, ohne daß diese sich an persönlichen Lebensfragen und -entscheidungen streiten. Auf einer technischen Basis und der Idee des kreativen Hackens können Menschen unterschiedlichster politischer Ansichten gemeinsam schönes schaffen. Genau was wir wollten.

    Comment by niemand — Sweetmorn, 71st Chaos, 3171. @ 8483

  3. Zunächst sollte ich meiner Meinungsbekundung vorausschicken, dass ich die von fh beschriebene Entwicklung des Club bisher als solche mangels tieferen Einblick in desen Struktur weder aktuell noch historisch in hinreichendem Maße zu beurteilen vermag. Trotzdem sei mir als “Außenstehender” folgende Anmerkung zugestanden:

    Nach meinem Dafürhalten besteht die eigentliche Potenz des Clubs in der symbiotischen Verknüpfung von technisch herausragender Befähigung und meinungsbildender sowie -tranportierender Struktur, die aufgrund der Vielschichtigkeit der einzelnen Mitglieder eine hohe gesellschaftliche Durchdringung zu erreichen vermag.

    Unbestritten lebt(e) der Club seit langem von einem Nimbus, der jenen mit dem Schleier des nicht Alltäglichen umgab und daher zu einem Anziehungspunkt für Menschen machte, die sich - ohne es zugeben zu wollen - als (anfänglich politisch farblose) “Subkultur” verstanden. Auf Ziele und Gemeinsamkeiten zu fokussieren war insoweit einfach und verstärkte das Gefühl, eine weitgehend homogene Interessengruppe zu sein, die sich in schnell abzählbaren Eigenschaften von der “Restwelt” unterschied.

    Nunmehr sind allerdings die Zeiten in vielerlei Hinsicht komplexer geworden und bedingen damit auch im Tätigsein des Clubs eine Entwicklung, die einigen Mitgliedern doch ersichtlich schwer zu schaffen macht: Eine Vielzahl von Problemfragen im kreativen Umgang mit dem “Gerät” werden nunmehr sehr schnell in einer breiten Öffentlichkeit diskutiert und verlieren auf diese Weise ihren Nerd- bzw. Geekfaktor. Unbestritten - die weitaus größte Anzahl von derartigen Diskussionen erreicht auch in Jahren nicht die gedankliche Tiefe und Substanz, die für vergleichbare Diskussionen im Club prägend war/ist. Allein jedoch der Umstand, dass es die “breite” Öffentlichkeit ist, die eben jene Themen nunmehr für sich besetzt und in Anspruch nimmt, läßt beim primär “nerdlastig” ausgerichteten CCC-Mitglied Zweifel am Selbstverständnis und eben auch an der Sinnhaftigkeit der Clubtätigkeit aufkommen. Was sodann einsetzt, ist gewissermaßen ein circle race - immer neue Themen müssen aufgetan und besetzt werden um die bisher für sich in Anspruch genommene Andersartigkeit vor sich selbst und den Außenstehenden zu legitimieren. Jedoch auch diese neuen Themen werden vom Moloch “Öffentlichkeit” in einer Geschwindigkeit besetzt, die zum Teil schon als faszinierend bezeichnet werden kann und die sich wohl auch nur mit der kommerzialisierten Gier nach möglichst leicht verdaulichen News erklären läßt. Auf diese Weise bleibt allerdings für die fundierte Arbeit am Thema selbst kaum mehr Zeit. Hinzu kommt, dass die Bedeutungsbreite von einzelnen Themen im gesellschaftlich-regulativen Kontext beinahe explodiert. War es vor zehn bis fünfzehn Jahren noch vorrangig der deutsche Gesetzgeber, der quasi nachhinkend auf technische Entwicklungen zur reactio verdammt war, geben heute die Europäische Gemeinschaft sowie bi- und multilaterale Bündnisse per actio den Takt vor.

    Diesen gewandelten Bedingungen muss sich auch der CCC stellen, wobei er im Vergleich zu vielen andern lobbyistischen Bündnissen m.E. einen unschätzbaren Vorteil in sich trägt: nämlich die vorrangig am eigentlichen Thema interessierte Zusammenkunft seiner Mitglieder. Jenen Vorteil sollte der CCC auzuschöpfen versuchen! Das von meinem “Vorschreiber” betonte historische Selbstverständnis des CCC ist m.E. diesbezüglich jedoch mehr als hinderlich und wird die Bedeutung des Clubs mehr und mehr konterkarieren. Die heute “brennenden” Fragen reduzieren sich eben nicht mehr nur auf die Implementierung kreativ-technischer Lösungen. Vielmehr ist es gerade die gesellschaftliche Reaktion auf technische Innovationen, auf die es Einfluss zu nehmen gilt. Derjenige, der unter Berufung auf die Wertneutralität technophilen Handelns seine Veranwortlichkeit für sein Tun leugnet, sei es auch noch so innovativ, hat dem Grunde nach schon verloren - denn gegenüber solchen “Gruppierungen” muss sich die Hoheitsgewalt eben nicht oder nur im vorgeschriebenen minimalistischen Umfange rechtfertigen wenn sie deren Handeln umfänglichst der staatlichen Reglementierung unterwirft - oder anders gewendet: Nur derjenige, der am höchsten auf den Misthaufen gesellschaftlicher Meinungsbildung steigt und möglichst laut kräht, wird die Chance erhalten, wahrgenommen zu werden und auf diese Weise die von ihm originär intendierten Ziele zu verwirklichen. Dieses Erkenntnis hat sich in den letzten fünf bis zehn Jahren m.E. auch wohltuend im CCC verbreitet. Seit dieser Zeit hat sich der CCC zu einer tatsächlich ernst zu nehmenden Größe in der Medien- und auch Politlandschaft gewandelt und vermag durch gezielte Indoktrinierung von Erfahrungen und Ansichten mehr zu bewirken als irgendwelche Defacements, Hacks etc.

    Niemand verlangt also politischen Aktionismus. Allein das Bewußtsein, eine Verantwortung für das eigene Handeln zu besitzen und gemäß dieser Verantwortung ggf. auch die Unwilligen, Unwissenden und Uninteressierten aufzurütteln und in den Dienst der eigenen achtenswerten Sache zu stellen, reicht schon aus, um sich selbst als verantwortungsbewußtes und vernunftbegabtes Wesen zu präsentieren. Nicht mehr und nicht weniger sollte der Anspruch an sich selbst sein.

    Comment by Mascha — Sweetmorn, 71st Chaos, 3171. @ 48689

  4. Der CCC ist immer schon politisch gewesen, schon alleine aus dem Grund straffrei kreativ mit Technik um gehen zu können seine Daten verschlüsseln zu dürfen oder auch nur seine Telefonleitung verlängern zu dürfen. Wer als Unpolitscher an den CCC heran tritt, mag dies nicht auffallen, und wird die “Überraschung” erleben, wie es offensichtlich gerade dir passiert ist, daß hier Politik betrieben wird.

    Comment by jemand — Sweetmorn, 71st Chaos, 3171. @ 50110

  5. ;-) … ich bin nicht überrascht, dass mit dem CCC als Interessenvereinigung Politik gemacht wird … ganz im Gegenteil. Ich fände es verwunderlich wenn dies nicht so wäre. Ich versuchte vielmehr zu sagen, dass auch das von Dir beschriebene schlichte “Hackvalue” einem weiterführenden Interesse dient uns es insoweit nur vom persönlichen Verständnis abhängt, ob man dies als Interessenwahrnehmung i.S. eines politischen Engagements oder als Ausdruck eines sportlichen Verständnisses vom kreativen Technikeinsatz sieht.

    Darüber hinaus - man muss nicht zwingend “unpolitisch” sein, um konzertiert an einem gemeinsamen Ziel arbeiten zu können. Dazu gehört einfach nur ein wenig Toleranz - mehr nicht. Gerade diese vermisse ich jedoch häufig, wenn ich mir bspw. dieses kindische Gezänk über Hard- und Softwareplattformen etc. so anschaue (wobei jenes natürlich immer noch weitab von essentiellen steitbaren Fragestellungen entfernt ist).

    Letztlich kann ich auch Deinem Argument der “scheinbar” geduldeten Rechtsübertretung als Ausdruck der politischen Ausrichtung des CCC nicht folgen. Ich habe einige Zeit bei der StA am LG Berlin, Abtlg. Computerkriminalität, gearbeitet. Zu meiner Zeit war dieses Dezernat mit einem Jungstaatsanwalt besetzt, der weder das notwendige Technikverständnis hatte, noch hinreichend personelle Unterstützung seitens der Hilfsbeamten der StA erfuhr - vom erforderlichen technischen Equipment ganz zu schweigen. Zu 90% wurde durch dieses Ein-Mann-Dezernat Fälle von Kreditkartenmißbrauch und Verletzungen geistiger Schutzrechte bearbeitet. Insoweit war es mehr das überlegene Wissen, aufgrund dessen alle Beteiligten an solchen Aktionen rechtlich weitgehend “unbehelligt” blieben. In anderen Fällen schien eine Deliktsverfolgung angesichts des für die Anklageerhebung notwendigen Verdachtsgrades nicht aussichtsreich zu sein … denn auch im Recht gilt insoweit das Prinzip von Aufwand und Nutzen - wenn auch nicht in “Reinform” :-)

    Comment by Mascha — Sweetmorn, 71st Chaos, 3171. @ 60444

  6. Der CCC ist immer schon politisch gewesen, schon alleine aus dem Grund straffrei kreativ mit Technik um gehen zu können seine Daten verschlüsseln zu dürfen oder auch nur seine Telefonleitung verlängern zu dürfen.

    Traditionell haben die Hacker im CCC die Gesetze schlicht ignoriert. Wir haben uns darüber lustig gemacht, daß eine Verlängerung der Telefonleitung verboten sein kann, aber wir sind nie wirklich aktiv dagegen geworden. Insofern bestreite ich weiterhin, daß der CCC früher politisch war, und/oder mit einem politischem Hintergrund gegründet worden ist.

    Hacker sind Pragmatiker. Schwachsinnige Gesetze und ähnliches werden einfach nicht beachtet. Politik sollen lieber die machen, die sich damit auskennen. Ich bleibe dabei, daß die Konflikte zwischen den Politikaktivisten und den Technikaktivisten im CCC sein Hauptproblem derzeit sind. Die schon als linksextremistisch zu bezeichnenden Ausflüsse auf einer gewissen Mailingliste vor kurzem zeigen auch, daß vor allem die Politikaktivisten die den CCC in eine Richtung drängen wollen, in die er nicht gehört, Ursache des Problems sind.

    Es gibt genügend Organisationen um die politische Seite unserer Interessen zu beleuchten, zu nennen sind hier z.B. EFF oder fitug. Es ist eine Schande, daß unsere Kernkompetenz, nämlich die kreative Netzforschung und das Schaffen von schönen und wertvollen Hacks hier geopfert werden, nur um eine weitere Politiklobbygruppe zu werden. Genau das ist es, was derzeit die technisch kompetenten Teile des Clubs verjagt.

    Nochmal: Ich denke daß Menschen wie fukami und ihre politischen Aktivitäten notwendig sind. Aber nicht im CCC. Bitte hört auf ihn kaputtzumachen.

    Comment by niemand — Sweetmorn, 71st Chaos, 3171. @ 85321

  7. Genau weil es so praktisch ist, wird die politische und technische Arbeit dort belassen wo sie entsteht.
    Es wird niemand gehindert seine Kernkompetenzen auszuleben und es wird auch nichts geopfert. Welche Leute haben denn den CCC wegen seiner politischen Arbeit verlassen? Gibts da welche?
    So ganz nebenbei: Wozu brauchen Techniker eigentlich einen Verein? Reicht da nicht auch eine Mailingliste, ein Forum, eine Webseite oder eine Usenet Gruppe?

    Und wenn du mal nach: CCC Gründung : suchst, dann wird du vielleicht die Nachricht
    19990621213659.B8538@minos.trend.jena.thur.de
    in der Newsgroup cl.magazine.mik finden. Dort sagt Wau Holland:”…denn Lee Felsenstein war eines unserer Idole bei der CCC-Gruendung 1981.” Lee Felsenstein wiederum ist ein New Left radical, wenn man http://en.wikipedia.org/wiki/Lee_Felsenstein glauben darf.
    Von Unpolitisch kann also nicht die Rede sein.

    Hier übrigens noch mal zur Historie und Selbstdefinition:
    http://www.chaosdorf.de/~pylon/files/Historie_und_Selbstdefinition.pdf

    “Doofe Computerclubs gibt es schon genug.”

    Comment by jemand, der sich auskennt — Boomtime, 72nd Chaos, 3171. @ 5994

  8. […] Bei Fukamis Antwortposting auf meinen Club-Abgesang hat sich eine ganz interessante Diskussion entwickelt, bei der bis auf das Stichwort “Verband” eigent […]

    Pingback by fh » Blog Archive » Social Hack — Boomtime, 72nd Chaos, 3171. @ 53444

  9. Hiermit entschuldige ich mich fuer meine vorherigen Postings.
    Ich habe beim schreiben nicht nachgedacht und moechte ganz besonders folgende Punkte klarstellen:

    * Der CCC ignoriert Gesetze nicht einfach, er wirkt an ihrer Formung mit. Desweiteren vermittelt er im Sinne seines politischen und bildenden Auftrags Entscheidungskriterien zum moralischen Handeln und Umgang mit Technologien.

    * Ein Konflikt zwischen Politikaktivisten und Technikaktivisten im CCC existiert nicht. Allerdings haben einige Mitglieder den Club mit einer normalen User Group verwechselt.

    * Im Gegensatz zu Fitug und EFF ist der CCC eine Organisation mit radikalen gesellschaftlichen und technischen Theorien die durch hackisches Handeln gestuetzt und verbreitet werden.

    * Nach ausfuehrlicher Lektuere der Club Geschichte ist mir insbesondere bewusst geworden, dass der CCC schon immer eine linke Vereinigung war und schon immer Loesungen und Methoden aus diesem Weltbild abgeleitet hat.

    Comment by niemand — Boomtime, 72nd Chaos, 3171. @ 58667

  10. Ich möchte mich keineswegs distanzieren, und der vorherige Eintrag ist eine ganz perfide Fälschung. Offenbar hat hier fukamis Fanclub dergleichen nötig. Und wenn jemand “linksextrem” als Denunziation sieht, dann kann ich nur sagen: Getroffene Hunde bellen. Die Art und Weise wie in einer gewissen Diskussion auf intern kürzlich andere als Nazis diffamiert wurden, ist nichts anderes als linksextrem gewesen, und fukami hat sich bei dieser Diskussion auch ganz eindeutig auf diese Seite geschlagen.

    Comment by niemand — Boomtime, 72nd Chaos, 3171. @ 62552

  11. Nachtrag: Vielleicht sollte man das eigene Verhalten mal überdenken, denn die Bezeichnung als “linksextrem” stammte im Ursprung gar nicht von mir, sondern wurde von anderen CCClern im Gespräch aufgebracht. Ich konnte mich dieser also durchaus nicht Einzelmeinung aber vorbehaltlos anschließen.

    Comment by niemand — Boomtime, 72nd Chaos, 3171. @ 62616

  12. … wie schnell doch eine anregende sachliche Diskussion “entarten” kann. Schade!

    Comment by Mascha — Pungenday, 73rd Chaos, 3171. @ 34622

  13. Wau: “Das Verlängern einer Telefonleitung ist genauso einfach wie das Auswechseln einer Glühbirne … Da muß ein Gesetz geändert werden! Die Post weiß doch selber, daß es geändert werden muß. Wenn man mit denen spricht, sagen die einem “So schätzungsweise 1987 sind wir so weit.” Wir sind halt schon etwas vor der Zeit. Wir zeigen, was man mit dem heutigen System machen kann, obwohl es noch garnicht dafür gedacht ist.”

    Quelle: Werner Pieper in http://www.chscene.ch/ccc/habi1/017_hackertagung.html

    Dies entkräftet sehr leicht die merkwürdige Theorie, der Club wäre schon mit unpolitischen Ambitionen gegründet worden. Wau alleine ist ein Politikum.

    Comment by mechko — Pungenday, 73rd Chaos, 3171. @ 40629

  14. @niemand:

    weder fitug noch die eff bringen uns politisch was in deutschland. warum? na, fitug ist seit jahren tot und die eff operiert in den usa. der ccc ist eine der wenigen organisationen, die sich für bürgerrechte im netz einsetzt. sonst fallen mir nur noch das netzwerk neue medien und odem.org ein.

    gg

    Comment by gabi grund — Pungenday, 73rd Chaos, 3171. @ 47444

  15. Dieses Gelaber von wegen “nicht politisch”, das sehe ich genauso wie Wau, ist Unfug. Um mich mit anderen ueber Technik zu unterhalten brauche ich genau gar keinen Verein. Das ist so wie fuer den Eigenbedarf ein Restaurant zu eroeffnen. Verschwendung. Was mich stoert ist allerdings die Null-Diskussion um links und rechts. Inzwischen sehe ich mich selbst als konservativ. Technik konservativ. Bin ich nun rechts, weil ich keine Lust mehr auf den Linux Hype habe und um die guten alten Unix Workstations trauer? Anti-Politik-Trolle koennen mindestens so nerven wie Java-Ist-Toll-Trolle: Steckt euren Finger in den eigenen Arsch! Danke.

    Mein persoenliches Gelaber zum Thema:
    http://www.nulldevice.de/index/24.html

    Comment by Zero — Prickle-Prickle, 21st Discord, 3171. @ 75076

RSS feed for comments on this post. | TrackBack URI

Leave a comment



A Discordian is Prohibited of Believing what he reads.

The Turkey Curse is powered by WordPress, template idea by Priss

Entries (RSS) and Comments (RSS).
Generated in 0.071 seconds.