fh hat vor einiger Zeit seine Anmerkungen zu Club und zum e.V. in seinem Blog veröffentlicht. Die letzten Tage war ich leider zu gestresst, um darauf zu antworten. Jetzt will ich mal ein paar Anmerkungen dazu machen.
Direkt an fh: Ich finde es grundsätzlich sehr schade, wenn du darüber nachdenkt, deine Projekte im CCC aufzugeben. Ich hoffe, du lässt dich von den Leuten nicht zu sehr demotivieren. Bitte mach weiter, Junge!
Zum Thema Zielsuche im CCC kann ich nur sagen: Wir laufen im Moment der Entwicklung hinterher und die Themen werden uns aufgedrückt. Software-Patente, die neuen “Hacker-Paragraphen” aber auch Biometrie, DRM, RFID, Gesundheitskarte usw. sind Themen, die uns weitergehender betreffen als auf purer technischer und spielerischer Ebene. Ich denke die eigentliche Stärke des Clubs besteht genau darin, beides zu können, nämlich technische Zusammenhänge nachvollziehen zu können und die Auswirkung auf den Menschen und das gesellschaftliche Miteinander zu verstehen. Ich finde, dass in dem Punkt eigentlich eine Menge Positives passiert, auch wenn davon wenig öffentlich oder auf intern Niederschlag findet. Wenn ich z.B. irgendwas nicht verstehe, finde ich eigentlich immer jemanden im Club, der entweder was weiss oder mir zumindest einen Anhaltspunkt zum Weitersuchen geben kann. Insofern ist der Club ein unglaublich gutes Netzwerk von Leuten die sich mit den verschiedensten Dingen auskennen. Viele Leute kommen in den Club, weil sie in den Usergruppen grossenteils die Diskussion um Inhalte ausserhalb des jeweiligen technischen Schwerpunktes vermissen. Ich sehe hier anders als fh nicht den Cut zwischen den Polikniks und der “GCC und Lötkolben”-Fraktion, weil es eine Menge Beispiele gibt, wo das Personalunion ist.
Zu dem e.V.-Absatz nur so viel: Ich denke nicht, dass sich die Leute zu wichtig nehmen. Ich sehe es so: Es steckt ein Haufen Herzblut einer grossen Anzahl von Leuten im Club, und das, obwohl man keine Blumen für seinen Einsatz erwarten kann. Das bedeutet im Detail u.a., dass es um persönliche Gefühle geht, was natürlich persönliche Antipathien, Ressentiments und Neid nach sich sich zieht. So ist das eben, wenn man mit einer grossen Menge Leute zu tun hat, die alle unterschiedliche Modelle und Vorstellungen haben, und wo ein Teil sehr aktiv ist und viele Dinge mitbekommt, anschiebt und verändern will und ein anderer Teil vor allem Angst vor Veränderungen des Status Quo hat. Das Problem steckt im Detail: Intern ist als Medium gestorben, weil dort eigentlich keinerlei Projekte entstehen und diskutiert werden können, ein “Ersatz” ist nicht gefunden. Dafür passiert aber etwas anderes: Die Kommunikation findet in kleineren Kreisen statt, neue Projekte kommunizieren komplett an den etablierten Strukturen vorbei, und es entsteht langsam aber sicher eine neue Generation von Leuten im Club, die fähig ist und Dinge erreichen will. Mir fällt dazu ein schöner Spruch ein: “Wenn du willst, dass ein Neuling im CCC motiviert bleibt, halte ihn von intern fern”. Und das sagt wohl auch alles.
Der Club ist gross und bekannt. Die öffentlichen grossen und kleinen Veranstaltungen sind sehr gut besucht, die Themen sind hart am Wind und ich kann in der Profesionalisierung eigentlich keinen inhärenten Fehler entdecken, zumindest nicht, solange es die ganzen kleinen Sachen auch noch gibt (und die gibt es, man muss sich nur die Geekends angucken, die vermehrt im Clubumfeld stattfinden). Veranstaltungen sind meiner Meinung nach ein sehr wichtiger Eckpfeiler des Clubs. Ideen wie den Club künstlich zu verkleinern oder zu spalten finde ich gelinde gesagt nicht gut, aber ich will natürlich auch nicht, dass sich der Club in eine Art Nerd-Partei verwandelt.
In der Kerndiskusion geht es um mehrere Punkte: Ist der Club politisch, soll er sich einmischen, gibt es mehr Gemeinsamkeiten als das reine Nerd-Dasein, wohin soll die Reise gehen und wenn ja, wie?
Ich persönlich denke, dass Hacken eine Menge Ausprägungen und Auswirkungen hat, aber egal wie: Natürlich ist Hacken politisch, und natürlich ist der Club politisch, war er immer. Wir leben in einer Welt, in der eine Vielzahl komischer und fragwürdiger technischer Lösungen existieren oder entstehen. Man kann damit Spass haben, sich darüber ärgern usw. Nur eins kann man nicht ohne weiteres: Einmal etablierte oder vorgeschriebene technische Lösungen für nicht-technische Probleme wieder loswerden. Viele Entscheidungen, die jetzt gefällt werden, haben einen grossen Einfluss auf unser soziales und gesellschaftliches Miteinander in naher und ferner Zukunft. In vielen Punkten hat der Club in den letzten 23 Jahren nicht das erreicht, was er hätte erreichen können. Woran das neben dem üblichen Verpeilungsfaktor liegt ist schwer zu beurteilen, aber letztendlich wurde der Club meiner Meinung nach von der Entwicklung einfach überrollt und hat viele Sachen schlicht verpennt. Im Moment kommt noch erschwerend hinzu, dass es mindestens zwei Fraktionen zu geben scheint, die ganz klar diametral entgegengesetzt funktionieren. Der eine Teil will aus der Erfahrung in der alltäglichen Beschäftigung Veränderungen bewirken und aktiv Einfluss nehmen, ein anderer Teil lehnt dies strikt ab. Dazu kommt, dass sich eine Menge Leute tummeln, denen schlicht egal ist, was passiert, weil ja “sowieso alles viel zu sehr überwertet wird”. Dazu gibt es Gruppen, die einen Alltag IRL miteinander haben und andere, die mehr oder weniger isoliert sind. Auch das sorgt für unterschiedliche Denkweisen und Ansätze.
Ich sehe einige sehr konstruktive Sachen entstehen und freue mich, dass es immer noch eine beachtliche Zahl von Leuten gibt, die sich nicht von den Destruktivisten ins Bockshorn jagen lassen. Wir brauchen mehr Arbeit in konkreten Projekten und mehr persönlichen und personellen Austausch. Zwischen einigen Erfas und Chaostreffs klappt das auch schon recht gut wie ich finde, aber es könnte natürlich viel viel besser sein. Ich lege viel Hoffung auf die Geekends und Coding Nights, bei denen der Plan ist, eine kleinere Gruppe von Nerds über ein paar Tage mit Geräten und Netzwerk einzusperren und einfach machen zu lassen. Hier kann und sollte der Club Gewillten Unterstützung zukommen lassen und über konkrete Fördermassnahmen nachdenken. Ein anderer Punkt ist, dass wir auf Fremdveranstaltungen mehr Präsenz zeigen sollten. Ich weiss, dass dieser Teil sehr neuralgisch ist, weil hier Öffentlichkeit ins Spiel kommt und die falsche Person am falschen Ort fatale Auswirkungen haben kann. Trotzdem wäre auch hier zu überlegen, von Clubseite aus eine bessere Unterstützung bereit zu stellen, z.B. in Form von Fahrtkostenübernahme. Eine weitere wichtige Idee ist denke ich die, mehr Einfluss auf die Bildung unseres Nachwuches zu nehmen. Was da teilweise in den Schulen passiert ist nicht mehr feierlich, und uns fallen diese Entwicklungen irgendwann auf die Füsse. Von der Kommunikation her werden einfach mit der Zeit ganz andere Plattformen entstehen, und das ist gut so. Der Club hat viele Dezentralen, und es ist wünschenswert, das noch viel mehr davon entstehen. Aber auch ich sehe natürlich das Problem, dass es Leute gibt, die echtes Gift für den Club und das Miteinander sind und bei denen ich mich frage, was die eigentlich wollen. Das einzige “aktive” Mittel gegen diese Leute ist wohl Ignoranz, obwohl ich persönlich diese Art des Umgangs mit Problemen hasse und habe die vage Hoffnung, dass sie sich irgendwann selbst isolieren.
Ich jedenfalls mag den Club und die allermeisten Leute, und schätze sehr das Wissen, die Ideen und Energien die dort zu finden sind. Für mich bedeutet das ganz konkret, dass ich mich weiterhin einmischen werde.